Nicola Rollando e i Nuovi Disertori – Il Destino del Portiere – Meci 2018

Von Matthias Bosenick (07.11.2018)

Bei Airbnb finden sich doch auffällig häufig Gastgeber mit einer alternativen Lebenshaltung, offen, kulturell und politisch engagiert, freigiebig, gastfreundlich, neugierig. Der jüngste Urlaub in Sestri Levante bestätigte diesen Eindruck: Ein Angehöriger der Gastgeberschaft ist Mitglied der Band von Nicola Rollando, die nicht von ungefähr „die neuen Deserteure“ heißt. Mit ligurischer Folklore als musikalischer sowie dem Blickwinkel des Torwarts als inhaltlicher Grundlage befasst sich das Debüt-Album mit privatem wie weltpolitischem Geschehen. Zwischen wehmütigen Balladen lässt das Quartett Raum für ans Fröhliche grenzende Mitsingnummern – ein schöner Mix, unkitschig und reduziert, mitreißend und einnehmend.

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Tri Atma – Tri Atma – Sireena 1979/2018

Von Matthias Bosenick (06.11.2018)

Jens Fischer. Ein Name wie… nun: Fischer ist Gründungsmitglied von Tri Atma, der Indisch-Deutschen Kraut-Prog-Weltmusikcombo, und er war und spielt in diversen anderen Bands und für andere Leute – darunter Eberhard Schoener – seine Gitarre. Sireena veröffentlicht dieser Tage nun dieses Debüt neu und ermöglicht damit auf CD die Nach- oder Neuentdeckung dieses chilligen und krautigen Sitartrips, der jedem Afghanenshop gut zu Gesicht stünde. Übrigens: Gegründet haben Fischer und sein indischer Compagnon Asim Saha das Projekt Tri Atma in Hannover!

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Paul Weller – True Meanings – Parlophone/Warner 2018

Von Matthias Bosenick (05.11.2018)

Ungewöhnlich ruhig lässt es der Modfather Paul Weller auf seinem jüngsten Album angehen. Die Zeit der Experimente, denen seine Gefolgschaft nicht folgen konnte, beendet er mit einem beinahe akustischen Werk, dem deshalb seine Gefolgschaft nicht folgen kann. Großartiger Typ, der immer weiß, wie er mit dem, was er gern mag und macht, die Engstirnigen vor selbige stößt. „True Meanings“ ist ein schönes Album geworden, das zwar Ecken und Kanten vermeidet, aber Widerhaken dennoch zulässt: Die Musik bleibt hängen, auch ohne vordergründigen Rock’n’Roll. Die Remixe der Deluxe-Version sind behutsam und gelungen.

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Neneh Cherry – Broken Politics – Smalltown Supersound 2018

Von Matthias Bosenick (01.11.2018)

Musikalisch ruhiger als der Vorgänger „Blank Project“, teilt das neue Album „Broken Politics“ mit jenem die Initialen und den Produzenten, nämlich Kieran Hebden alias Four Tet. Mit ihm will Neneh Cherry eigentlich den Sound aus Bristol von vor 20 Jahren fortsetzen, ihren eigenen zu Zeiten ihres Albums „Man“ mithin, und holt sich dafür sogar 3D von Massive Attack an Bord, aber zum Glück gelingt ihr das nicht, sondern etwas Anderes, Eigenes: Ein Protestalbum gegen die Zustände dieser Zeit mit einem ruhigen, minimalistischen, nicht wirklich trippigen, aber schönen Dutzend Songs, die nur selten die akustische Keule auspacken, dafür aber beständig die inhaltliche.

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Schneider Collaborations – Vier Alben – Jörg A. Schneider 2018

Von Matthias Bosenick (22.10.2018)

Das ist mindestens ambitioniert, garantiert begeisternd und erzeugt nach erstem überraschtem Auflachen über die Menge an Musik ein nachhaltiges Staunen: Schlagzeuger Jörg Alexander Schneider aus Hückelhoven veröffentlicht in diesem Jahr so viel Musik wie schon lang nicht mehr – und unter dem Schlagwort Schneider Collaborations gleich vier LPs auf einen Schlag. Sein freies, dem Free Jazz angelehntes wild wirbelndes Schlagzeugspiel dient den beteiligten Musikern als Grundlage für ihre eigenen Experimente, und je weiter man sich vorarbeitet, desto tiefer taucht man sowohl in die Geschichte als auch in die mögliche Zukunft des mit dem Noiserock kombinierten Jazz ab. Unfassbar.

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Project Pitchfork – Fragment – Trisol 2018

Von Matthias Bosenick (19.10.2018)

Je weiter sich Peter Spilles von seinen Fähigkeiten als Komponist entfernt, desto größer wird sein Output – keine glückliche Entwicklung für Project Pitchfork. Viel hilft eben nicht viel, da wäre eine Pause angeraten, doch ist dies mit Ansage derzeit nicht in Aussicht, denn die Band befindet sich inmitten einer Albumtriologieveröffentlichung. Das aktuelle „Fragment“ setzt das neue Triptychon kaum ein Jahr nach „Akkretion“ fort und impliziert die baldige Fortsetzung. Die man nicht braucht, wenn die Pitchies die Tendenz beibehalten, von Album zu Album schlechter und beliebiger zu werden. „Fragment“ ist Düsterschlager mit Schunkelgarantie.

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Devin Townsend Project – Ocean Machine: Live At The Ancient Roman Theatre Plovdiv – HDR 2018

Von Matthias Bosenick (17.10.2018)

Warum nimmt man einen Keyboarder mit, wenn man sich ein Orchester und einen Chor in den Rücken stellt? Vielleicht, weil Devin Townsend selbst die Idee zu einem revolutionären Mix von Metal und Klassik am Ende doch nicht mehr so revolutionär fand – oder weil er sich im Komponieren brandneuer Partituren verhoben hat und die klassisch geschulten Musiker lieber im Hintergrund fiedeln lässt, damit das nicht so auffällt. So guckt man sich die vierte besondere Live-Veröffentlichung von Dev in Folge eben in Ruhe an und, zuckt mit den Schultern und versucht, sich die Perlen in den beiden Setteilen zu merken, die aus Fanwünschen und der Komplettaufführung des höchstguten Debüts „Ocean Machine“, jenes ohne Klassik, bestehen.

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Cowboy Junkies – All That Reckoning – Latent/Proper Records 2018

Von Matthias Bosenick (15.10.2018)

So vielfältig kann es ausfallen, wenn eine Band immer das Gleiche macht: Das Stilspektrum muss nur weit genug gefächert sein, dann ist auch ein neues Album, das sich beim bisherigen Oeuvre bedient, trotzdem reichhaltig. Für die Cowboy Junkies bedeutet dies: Folklore und Alternative Country, Walzer, Indierock, dargereicht sowohl in fragiler Schönheit als auch in dronigen, schweren Rocksongs. Da kann einem noch so viel bekannt vorkommen, das neue Album ist so abwechslungsreich, dass man es dennoch mit Freude genießt.

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Speaker Bite Me – Future Plans – Pony Rec. 2018

Von Matthias Bosenick (11.10.2018)

Zukunftspläne schmieden Speaker Bite Me auf ihrem ersten Album seit elf Jahren und blicken musikalisch doch recht häufig zurück: Die Ursprünge der dänischen Band liegen im noisigen Indie-Rock der Neunziger, der noch avantgardistisch war, bis ihn MTV und Majorlabels kommerzialisierten. Thematisch orientiert sich der Blick nach vorn indes an der Gegenwart, am weltpolitischen Geschehen nämlich, aus dem Speaker Bite Me eben „Future Plans“ ableiten. Dieses könnte, das schon mal vorab, zu den besten Alben des Jahres gehören.

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Autechre – NTS Sessions 1-4 – Warp 2018

Von Matthias Bosenick (08.10.2018)

So geht das auch: Einfach mal acht Stunden Musik auf einen Schlag als ein Album herausbringen. Kann man machen, wenn man Autechre ist und böse Kritiker ohnehin behaupten, deren als IDM klassifizierte elektronische Fiepsmusik sei willkürlich und simpel. Ist sie natürlich nicht. Die Musik entstand an vier Abenden live im Internetradio und kommt nun nach dem Download auch auf acht CDs oder zwölf LPs heraus. Trotz aller Verschachtelungen überwiegt hier das Entspannende, was es nicht weniger spannend macht. Es als geschlossenes Album aufzufassen, fällt schwer, als Dokument ist es überwältigend und musikalisch so grandios, wie Autechre eben sind.

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