(0) – SkamHan/(0) – Napalm Records 2020/2017

Von Matthias Bosenick (15.07.2020)

Fröhliches Googeln: Für den Bandnamen „(0)“ gibt es eine grandiose Ergebnisauswahl. Sobald man fündig ist, zudem auch noch grandiose Musik: Die Kopenhagener machen Blackmetal, selbstredend modern mit atmosphärischen Passagen, aber auch mit groovendem Indiefresse. Der Spagat überrascht, einerseits die flächigen Ambientdrones, andererseits beinahe holzfällerartiger Deathmetal. Und wer behauptet, die Besetzung des Quintetts sei ein Geheimnis, ist nur zu faul zum Recherchieren.

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Real – Avalon – Nagelwork/Real-Musik 2020

Von Matthias Bosenick (14.07.2020)

Das erste öffentliche musikalische Lebenszeichen von Jens Nagel seit dem Aus von Phase V: Unter dem schwer zu googelnden Projektnamen Real veröffentlicht der Wolfenbütteler sein Debütalbum und gibt damit seinen Einstand in einer ganz anderen Ecke. Von Hip Hop oder Crossover ist auf „Avalon“ nicht mehr zu hören, stattdessen konzentriert sich der Keyboarder und Sänger auf trockenen Synthiepop, frickeligen Wave und dunklen Electro – mit einer unüberblickbaren Menge an weiteren Genreausflügen, darunter Acid House und Breakbeat. Geblieben sind die deutschsprachigen Texte, ansonsten klingt Phase V in Real nicht weiter nach.

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Tamikrest – Tamotaït – Glitterbeat 2020

Von Matthias Bosenick (09.07.2020)

Die Wüstenblueser aus Mali gehen konsequent weiter und vertiefen die „westlichen“, mithin US-amerikanischen und europäischen, Einflüsse in ihrer Tuaregmusik. Der Hybrid bleibt als solcher erhalten, lediglich die Schwerpunkte verlagern sich, und so lebt auch „Tamotaït“ von der Mischung aus vertraut und fremd, zugänglich und sperrig. Innerhalb der Lieder sind Experimente gar nicht erforderlich – das ganze Konzept ist bereits ein Experiment. Und „Tamotaït“ klingt melancholischer als die früheren Alben, dem Schicksal der Band geschuldet vermutlich.

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Scope – Scope/Scope II – Sireena 2020

Von Matthias Bosenick (01.07.2020)

Jazzrock steht auf dem Etikett der beiden Alben der niederländischen Band Scope, die die Goldgräber von Sireena nach 45 Jahren erstmals auf CD veröffentlichen dürfen. Interessanterweise macht die Musik von I zu II einen Bruch: Aus dem virilen, freien, fröhlichen Gemucke wird ein hektisches Formatgedudel. Sicherlich ist die II massentauglicher, aber die I ist aufregender. Auf beiden Alben gleich geil ist der Schlagzeuger: Was der wegmostet, braucht anderswo mindestens zwei Drummer.

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Spezial: addicted/Noname Label aus Moskau, Teil 5

Von Matthias Bosenick (25.06.2020)

Ein weiterer Nachschlag aus dem formidablen Programm des Moskauer Labels addicted oder auch Noname: Psychedelische Rockmusik steht im Mittelpunkt, aber alle drei Vertreter treten von dort aus eine Reise in andere Dimensionen an. Ciolkowska driften auf unverzerrten Schwingen in den Kosmos, Juice Oh Yeah verzichten dafür sogar weitgehend auf Gitarren und Pressor geben ihnen dafür umso mehr Gewicht.

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Daniel.B.Prothese – 44.44.44 – db2fluctuation 2020

Von Matthias Bosenick (22.06.2020)

Daniel Bressanutti, der alte Scherzkeks! Packt mal eben einen Haufen analoger Geräuscherzeuger aus, knotet deren Kabel zusammen und schneidet eine Dreiviertelstunde lang mit, was für Geräusche dabei entstehen. Noch ein Scherz: Das Album hat nur einen Track, aber der heißt nicht wie das Album, das wiederum lediglich nach der Tracklänge benannt ist: „44.44.44“. Nach EBM oder Front 242 klingt das hier alles nicht, hier bekommt man Drone, düsteren Ambient, manchmal mehrstimmig, mit gelegentlich wechselnden Tonhöhen, aber keine Rhythmen, keine Melodien. Tanzen kann man dazu zwangsläufig nicht, und wer dazu einschlafen kann, hat mindestens eine höhere Bewusstseinsebene erreicht.

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Louise Patricia Crane – Deep Blue – Peculiar Doll Records 2020

Von Matthias Bosenick (10.06.2020)

Gruftmusik für Progrocker: Stark an die Ursprünge des Gothic Rock lehnt sich das neue Solo-Album von The-Eden-House-Sängerin Louise Patricia Crane an, nämlich an die experimentelle, folkige, progressive Rockmusik der Siebziger. Kein Wunder: Auf diesem angenehm chilligen Album gehen personell unter anderem die Fields Of The Nephilim, King Crimson und Jethro Tull eine wundervolle Liaison ein. Ein schönes, hymnisches, entspannendes Album, das trotz seines Kontextes als Seitenarm zu The Eden House gar nicht gruftig sein will, mit einem merkwürdig unpassenden Cover von einem renommierten Fotografen.

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Einstürzende Neubauten – Alles in Allem – Potomak 2020

Von Matthias Bosenick (04.06.2020)

Vom Schrottplatz in die Elbphilharmonie, aber wenn man „Alles in Allem“ hört, stehen die Einstürzenden Neubauten zu ihrem 40. Geburtstag eher dazwischen: Zwar ist silence sexy, aber Lärm auch, und beides zusammen ergibt eine blueslose Schönheit mit Poesie und Humor. Den Aspekt des Berlin-Albums sollte man dabei nicht überbewerten, man darf auch ohne Hauptstadtbonus Gefallen daran finden. Das Ergebnis der vierten Supporter-Phase funktioniert in der überteuren Deluxe-Version mit Bonus-Album am besten – und da tritt leider auch einiges an Kommerzknirschen der Neubauten zutage.

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The The – See Withount Being Seen – Cinéola 2020

Von Matthias Bosenick (29.05.2020)

How not to be seen: Es ist reichlich uneinfach, dieses Album zu reflektieren. Matt Johnson, einziges konstantes Mitglied des Projektes The The, nahm „See Without Being Seen” 1979 als Teenager im Kinderzimmer seines Elternhauses auf und veröffentlichte es als Tape. Mehr als 40 Jahre später restaurierte Johnson nun dieses Tape und ergänzte es um einige Bonustracks für die erste CD-Veröffentlichung dieses Albums. Das besteht aus rhythmischen Loops mit Stimme und Effekten, die musikalisch aus heutiger Sicht womöglich kaum wertvoll sind, dafür aber für die Historie von The The. Die CD richtet sich also an den Fan und Komplettisten, der bei Johnson ohnehin so seine liebe Not hat.

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Ziguri – Howgh Howgh Howgh – Adansonia/Moloko Plus 2020

Von Matthias Bosenick (26.05.2020)

Als „Trance Rock“ bezeichnen Ziguri ihre Musik selbst, und das trifft es nahezu perfekt, heute jedenfalls besser als die bei der Gründung 1987 gewählte Kategorie „Zen Punk“. Man könnte den Berlinern ohne zu lügen noch eine Nähe zum klassischen Krautrock zuschreiben, die der händisch geloopt eingespielten tanzbaren psychedelischen Mantrarockmusik zugrundeliegt. Überdies ist „Howgh Howgh Howgh“ der Tonträger-Einstand der Band als Quartett, schließlich stieß ein früheres Mitglied kürzlich zurück zum bisherigen Trio. Und: Man muss für die bewusstseinserweiternde Wirkung dieser überlangen Rock‘n‘Roll-Meditationen kein Meskalin nehmen, wie es der Bandname vorschlägt – man verfällt ihnen auch einfach beim Zuhören.

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