Tool – Fear Inoculum – Sony Music 2019

Von Matthias Bosenick (09.09.2019)

Wegen solcher Musik hat man vor über 40 Jahren den Punkrock erfunden. Tool musizieren auf allerhöchstem Niveau, verlieren aber vor lauter Können so einiges anderes Relevantes aus dem Auge. Und à propos Auge: Auf ihrem ersten Album nach 13 Jahren verbergen die progressivmetallischen Indierocker Geheimnisse aller Art und bieten das wohl ungewöhnlichste Stück Verpackung in diesem Jahrtausend an. Dennoch ist „Fear Inoculum“ überwiegend ein erschütterndes Stück Langeweile.

Weiterlesen

DR – Melancholie – Rusted Tone Recordings 2019

Von Matthias Bosenick (06.09.2019)

Sobald man ein neues Album von DR alias Dominic Razlaff aus Braunschweig besprochen hat, sind schon wieder drei Dutzend weitere draußen. Sei der sich anbahnende Herbst nun also der Anlass, sich mit dem Juli-Album „Melancholie“ auseinanderzusetzen, das der Ambient-Drone-Künstler als Tape und Download anbietet. Seine akustische Umsetzung des Themas beginnt und endet themengemäß, doch lässt die im Verlauf folgende Vorstellung von „Melancholie“ erahnen, dass diese bei DR einen latenten Hang in Richtung Depression hat, mit einem Anteil zwischen manisch und aggressiv, also alles andere als süß. Überraschend.

Weiterlesen

Thom Yorke – Anima – XL Recordings 2019

Von Matthias Bosenick (30.08.2019)

Wenn der Soundtrack deutlich länger ist als der Film dazu, hat Thom Yorke etwas geschafft, was ihm mit „Suspiria“, der Veröffentlichung davor nicht gelang, obwohl es sich dabei sogar um ein Doppel-Album handelte. Das liegt aber auch daran, dass „Anima“ nur eine Viertelstunde lang ist, und es ist auch gut so, dass das auf das Album nicht zutrifft: Yorke extrahiert den Electro-Anteil aus seiner Rockband Radiohead und erzeugt daraus, ergänzt durch ein Orchester, eine intelligente, warme, künstliche und künstlerische Musik. Der Netflix-Film dazu von Paul Thomas Anderson ist auch ganz reizvoll.

Weiterlesen

Sigur Rós – Variations On Darkness/22° Lunar Halo – Krúnk 2019

Von Matthias Bosenick (13.08.2019)

Erst nur für den Records Store Day im April veröffentlicht, nun für alle zugänglich, wenn auch nicht preisgünstiger: Zwei experimentelle Schallplatten der ätherischen Postrocker Sigur Rós füllen die Lücke seit dem letzten richtigen Album „Kveikur“ von vor sechs Jahren. Auf zusammen vier Seiten der beiden LPs „Variations On Darkness“ und „22° Lunar Halo“ präsentieren sich die Isländer von einer eher ungewohnten Seite, indem sie auch mal harsche, harte Elemente in ihre Wattewolken packen und von Songstrukturen jeden nur möglichen Abstand nehmen, dabei aber in ihren Sounds wiedererkennbar bleiben. Spannend!

Weiterlesen

Jambinai (잠비나이) – Onda (온다) – Bella Union 2019

Von Matthias Bosenick (29.07.2019)

Der sicherste Anwärter auf den Posten „Album des Jahres 2019”: Auf ihrem dritten offiziellen Album „Onda“ entwickeln Jambinai ihren ohnehin schon eigenständigen Stil weiter, verfeinern ihn, fordern die Hörer noch mehr heraus. Einsortiert unter Metal, steuert die Band aus Seoul heuer vielmehr in Richtung Post Rock – und gibt den traditionellen Südkoreanischen Instrumenten noch mehr Raum als zuvor. Wer moshen will, muss zuhören können. Und wer das tut, erlebt ein musikalisches Abenteuer, wie es kompromissloser ist als so viele andere.

Weiterlesen

Spezial: Addicted/noname Label aus Moskau, Teil 2

Von Matthias Bosenick (16.07.2019)

Einen ganzen Stapel CDs aus dem Oeuvre des Labels Addicted oder noname oder abhängig oder wasauchimmer aus Moskau schickte Anton Kitaev quer durch Osteuropa nach Braunschweig. Was da an Perlen in Sachen Psychedelik, Doom, Stoner, Prog und Experiment alles so drinsteckt, das ansonsten kaum den Weg in überregionale Lautsprecher findet! Ein zweiter Überblick, zwischen sechs Jahre alt und topaktuell:

Weiterlesen

Meat Beat Manifesto – Opaque Couché – Flexidisc 2019

Von Matthias Bosenick (26.06.2019)

„Opaque Couché“, oder auch „Drab Dark Brown“, oder auch „Pantone 448 C“, oder auch „Die hässlichste Farbe der Welt“: Was beabsichtigt Jack Dangers damit, wenn er sein neuestes Album unter dem Projektnamen Meat Beat Manifesto danach benennt, wie in diversen Ländern Zigaretten abschreckend verpackt werden? Und darauf dann Musik veröffentlicht, die es wie eine Kopie des Vorgängers „Impossible Star“ erscheinen lässt? Also abstrakte Komplexbeats, losgelöst von sowohl Popstrukturen als auch solchen, mit denen Dangers seit über 30 Jahren andere große Hitmacher beeinflusst, von Bigbeat über Dubstep bis IDM. Kann man zwar gut hören, aber eine Offenbarung ist es nicht.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

The Flaming Lips – King’s Mouth – Warner 2019

Von Matthias Bosenick (24.06.2019)

Gar nicht so freakig wie erwartet, oder hat man sich lediglich daran gewöhnt? Wayne Coyne, Chef der Flaming Lips, hatte jüngst eine Kunstausstellung namens „King’s Mouth“, und unter Mitwirkung von The Clashs Mick Jones legt er nun im Gewand seiner Band den Soundtrack dazu vor. Natürlich geistert Coynes Kunstpop über den Wassern, aber das Album hat zusätzlich diverse wunderschöne Ohrwürmer in petto. Gab’s beim Record Store Day auf goldenem Vinyl und soll demnächst dem Rest der Welt auf CD zugänglich gemacht werden.

Weiterlesen

Paul Weller – Other Aspects (Live At The Royal Festival Hall) – Parlophone 2019

Von Matthias Bosenick (04.06.2019)

Paul Weller rockt nicht. Zumindest nicht auf diesem, seinem 1312420. Live-Album: Da stellt er seine wilde hinter seine milde Seite, begleitet von Streich- und Bläserensemble sowie indischem Instrumentarium. Seine Begleiter wissen sich aber dem perfekten Sound des Wellerwerkes unterzuordnen, Paule steht definitiv im Mittelpunkt, zu keiner Zeit herrscht der Kleister; in dieser Fassung hört man diese Stücke sehr gern. Auf zwei CDs und einer DVD im Pappklappcover sind zwei Konzertabende in der Royal Albert Festival Hall zusammengefügt; keine Greatest-Hits-Ansammlung, übrigens.

Weiterlesen

The Chemical Brothers – No Geography – Virgin/Astralwerks 2019

Von Matthias Bosenick (29.05.2019)

Die sampeln auf ihrem neuen Album wirklich alles, diese Chemical Brothers. Siebziger-Disco-Beats, Achtziger-House-Sequenzen, gern auch sich selbst sowie für den Titel einen Dichter und für das Cover von Godley & Creme. Heraus kommt ein Album ohne vordergründige Smashhits, das eher den Eindruck eines chillig-tanzbaren DJ-Sets macht. Läuft gut durch, braucht aber etwas, um hängen zu bleiben. Dennoch, gewohnt hohe Qualität bei den Bigbeat-Miterfindern.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album