Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Wrexham-Bromance

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin und ich haben keine „Bromance“, weil dieser Begriff eine platonische Beziehung zwischen Männern bezeichnet. Es gibt kein weibliches Äquivalent dazu. Dieses Extrawort bezeichnet die Begründung, warum zwei Männer miteinander Essen gehen oder sonstige Zuneigung einander ausdrücken. Strittig ist, ob dieses Wort erst Anfang des 21. Jahrhundert erfunden wurde, oder ob His Grönemeyeress im Jahr 1984 seiner Zeit voraus war („Männer nehm′n in den Arm…“). „Bromance“ wird offensichtlich gebraucht, weil die Bezeichnung „Männerfreundschaft“ in den einschlägigen Kreisen einfach zu homosexuell rübergekommt.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Meine Plattensammlung

Von Onkel Rosebud / Sascha Greinke

„Alle Künste streben die Musik an …“, habe ich neulich irgendwo gelesen. Muss ein kluger Mensch gewesen sein, der diese bedeutungsschweren Worte verfasst hat. Dieser Satz trifft für mich nur bedingt zu, da ich mir aus meinem kleinen Horizont gar keine abschließende Beurteilung zutraue. Film und Musik sind die Künste, die mich ansprechen, vereinnahmen, mir mehr geben, als vielleicht gesund ist. Da Film sehr abstrakt und dazu noch schwerer zu archivieren ist, bleibt die heimische Plattensammlung, um Reisen anzutreten. Reisen in fremde Länder, unbekannte und ach so bekannte Welten, oder, vielleicht am häufigsten, in die eigene Vergangenheit.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Stellen Sie sich vor …

Von Onkel Rosebud / Norman Sharp

Stellen Sie sich vor …

Also, im Sinne von: Führen Sie sich geistig vor Augen, meine ich. Versuchen Sie, sich vorzustellen, es sei November. Ein trüber Sonntagnachmittag tröpfelt träge dahin. Sie hängen mangels eines schickeren Planes bei irgendeinem Ihrer Kumpels herum. Nichts ist angesagt, und folglich tut sich auch nichts. Sie fühlen sich, als könnten Sie eher keine Bäume ausreißen. Nicht allzu schwer, sich das vorzustellen, oder?

Verlegen Sie die Szenerie aus Gründen größerer Abstraktion in eine andere Zeit, sagen wir, tief ins Ostdeutschland der Achtziger – das heißt, streichen Sie alle schrillen und die meisten bunten Farbtöne. Lassen Sie ein wenig Putz bröckeln und morsches Mauerwerk darunter hervorscheinen. Als Hintergrund ziehen Sie am besten einen fahlgrauen Packpapierhimmel auf, durchschnitten von kahlem, klammem Geäst.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Flugzeug ohne Räder

Von Onkel Rosebud / Michael Törker

Es ist wirklich lange her, dass ich das letzte Mal Keimzeit gehört habe. Ich meine, richtig gehört, mit Titel raussuchen, Kopfhörer aufsetzen und so. Aber schon nach den ersten Takten fühlt es sich an, als hätte ich eben erst auf STOP gedrückt. Am Kassettenrekorder, versteht sich. Nicht, dass es nicht schon CDs gab, als ich zu meiner Begeisterung für diese Musik fand, aber mein erster Kontakt war eine Musikkassette, von Freunden in die Hand gedrückt und erstmal nicht wieder ausgemacht. Und meine damalige Freundin war gleichermaßen angesteckt.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Seed Song

Von Onkel Rosebud / Falk Rebbe

In den Krimis von Wolf Haas bekommt der Privatdetektiv Simon Brenner oft Hinweise auf die Lösung des Falls aus seinem Unterbewusstsein in Form von Melodien oder Textzeilen. Leider versäumt es Brenner, auf sein Unterbewusstsein zu hören, sodass er erst nach dem trotzdem irgendwie gelösten Fall erkennt, was ihm mitgeteilt wurde.

Das kann ich gut verstehen. Auch mein Unterbewusstsein kommuniziert mit mir häufig auf diese Weise. Als Grundlage habe ich mir durch intensives und häufiges Musikhören eine große Datenbank aufgebaut, auf die ich zugreifen kann.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Wahrer Glaube

Von Onkel Rosebud / Axel Mewes

Eine Freundin hat mir mal von ihrer Beobachtung erzählt, dass Männer – anders als Frauen – diese eine große Liebe hätten. Die sie bis zum Ende ihrer Tage im Herzen tragen, ganz gleich, was in ihrem Leben passiert. Sie hat recht. Wobei es bei mir und der Musik ein bisschen komplizierter ist.

Das erste Kribbeln in den Trommelfellen spürte ich im Alter von 10 Jahren. Meine große Schwester besaß einen Kassettenrekorder; irgendwann öffnete sich ihre Zimmertür, hinter der „Equinoxe“ von Jean-Michel Jarre lief. Ein andermal nuschelte Udo Lindenberg durchs Sternholzimitat, „Live Rust“ von Neil Young war gerade erschienen, Mark Knopfler zupfte die „Sultans Of Swing“. Anfänge des musikalischen Jugendlebens, während samstags nach der Schule Mutter die Fenster zu Lord Knuds „Evergreens à Go Go“ vom RIAS Berlin putzte. Was auch irgendwie fetzte, weil die Frau, der ich für den Rest meines Lebens den Satz „Fürs Tanzen hätte ich das Vaterland verraten!“ zuschreiben werde, die Gassenhauer lauthals fröhlich mitsang und in meiner Erinnerung samstags IMMER die Sonne schien. Wochenend‘ und Sonnenschein. Und Musik.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Die Beschriftung der Menschen

Von Onkel Rosebud / Jörg Mewes

Mit Essen spielt man nicht. Mit Feuer auch nicht, denn es bestünde die Möglichkeit, sich nicht nur die Finger zu verbrennen. Solcherlei Küchen- und Lebensratschläge dürften jeden Heranwachsenden in den frühen Jahren seines idealerweise unbeschwert bewerkstelligten Daseins begleitet haben. Kürzlich war es wieder so weit. Eine Band, deren Name nicht genannt werden darf, gastierte in unserer Stadt, um ungestraft der akustischen Umweltverschmutzung zu frönen. Wohnortsbedingt war es mir nicht vergönnt, um den Auftrittsort einen angemessen großen Bogen zu machen. Das zuströmende Publikum versprühte den Charme der sonst zweiwöchig zu ebendiesem Veranstaltungsort Pilgernden, denen ihre fragwürdige Auffassung von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit im Sinne von Vereinheitlichung erstrebenswert erscheint. Der urinfarbende Anteil der visuellen Peinigung entfiel jedoch – die Meute floss als schwarze Brühe daher.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Egal, ABER

Von Onkel Rosebud / Jörg Hiecke

Ich liebe Listen. Top-Fives für alles Mögliche kann ich bei jeder Gelegenheit raushauen. Und da mir das nicht reicht, pflege ich ständig die Top 5+1 für das, was mir im Leben am wichtigsten ist. Auf den ersten 4 Plätzen rangieren seit Beginn meiner Zeitrechnung dieselben drei Personen und ein Ding. Platz 5 und 5+1 unterliegen einer gewissen Fluktuation. Neben Eibauer Bier (Neunziger), Island (2008), der grandiosen Fernsehserie „Justified“ (6 Staffeln, 2010 bis 2015), der schönsten Stadt der Welt (Edinburgh, 1993 bis heute), einem boxenden, kommunistischen Känguru (2013) oder dem Komiker Jan Böhmermann (2014 bis heute) hielt da längere Zeit die Band Tocotronic (oder wie ich sie eigentlich nannte „Trockentonic“) die Stellung.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Der Gläserne Gang

Von Onkel Rosebud / Manja Barthel

Die Welt besteht aus Dingen, die einen Namen haben. Doch wir alle wissen – da gibt es noch mehr. Für bestimmte Geschehnisse gibt es einfach keine Worte. Vielleicht brauchen zu wenige Menschen für ein und dieselbe Sache eine Bezeichnung, weil sie mit dieser Sache kaum oder nie in Verbindung kommen. So gibt es Worte, die irgendwann einmal erdacht und benutzt wurden, und dennoch weiß heute kaum noch jemand, dass sie existieren. „Nupturient“ zum Beispiel ist ein Wort in juristischen Texten, es beschreibt einen Heiratswilligen; „Nyktitropie“ ist die Schlafbewegung der Pflanzen und „kuranzen“ steht für schikanieren. Diese Worte verschwinden so nach und nach aus dem Duden.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Géill Slí. Der Katechismus der Pedestrian Church Of Ireland

Von Onkel Rosebud / Guido Dörheide & Matthias Bosenick

Ein Fragment.

§1 Außenspiegel im Rechtsverkehr

Mit dem Flugzeug im Urlaub? Ergibt auf jeden Fall Sinn, wenn man vom Heimat- zum Urlaubsland von Rechts- auf Linksverkehr wechselt. Da hat man dann nämlich eigentlich keine wirkliche Umstellung: Parkt am Heimatflughafen das Auto gewohnt rechtsverkehrig weg, steigt in „den Flieger“ (wir machen jetzt nicht den Hinterfrager, wo dieser Formulierer jetzt herkommt), also betritt zunächst, verlässt dann das Luftfahrzeug (das ist die offizielle Bezeichnung, obwohl es ja gar nicht fährt, sondern fliegt, es sei denn, es ist leichter als Luft) und marschiert direkt zum Mietwagenschalter und nimmt die Plätze ein. Was in Irland für uns Kontinentaleuropäer bedeutet: Der Fahrer nimmt Platz, dort, wo gewohnheitsmäßig der Beifahrer sitzt. Die Umstellung auf den Linksverkehr erforderte von uns nach der Landung in Dublin ohnehin so einige Extrarunden im Kreisverkehr. Hatte sich was mit dem Vorhaben, die Sache erstmal auf dem Autoverleihparkplatz zu üben – wir mussten den sofort verlassen. Setzten uns also jeweils als Fahrer im Opel rein (wohlgemerkt kein Vauxhall, der Irländer scheint also Wert darauf zu legen, nicht ohne Not ein Produkt des ungeliebten Besatzers zu verwenden), natürlich rechts, schauen nach schräg links oben, stellen fest, dass der elektrisch außenverstellte Innenspiegel nicht passt, hoben die Hand und – BLAM!!! – es war die vom Kontinent gewohnte rechte Hand, die zum Behufe der Spiegelverstellung emporschnellte und laut knallend von innen an der Innenseite der vermeintlichen Beifahrertür zerstob. Weil das aber nicht reicht, öffneten wir zunächst bei jedem Schaltvorhaben die Fahrertür und bremsten auf der Autobahn die Überholspur aus. Das würde uns jetzt den Rest der Reise begleiten. Ebenso wie die Kontinentalwende: Sobald wir feststellten, dass wir in der verkehrten Himmelsrichtung unterwegs waren, suchten wir eine Einmündung rechts oder links und sahen zu, dass wir diese entweder im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn wieder verließen. Auf jeden Fall immer so, dass der Linksverkehr dazu führte, dass wir uns nach Beendigung eines halben Wendemanövers Auge in Auge mit dem Gegenverkehr konfrontiert sahen. Aber egal, wir haben’s überlebt und die Irländer sind immer noch Members of the EU – What shall’s, wie der anglophone Miteuropäer so sagen tut. Kaum hatten wir einige Übung, am dritten Tag unserer in Dublin gestarteten Inselrundreise, wurden wir über Nacht des Fahreraußenspiegels beraubt.

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