Von Matthias Bosenick (28.04.2026)
Das italienische Instrumental-Duo Taxology kennt die Plattensammlungen seiner Eltern und Großeltern auswendig, pickt sich die brauchbarsten Elemente davon heraus und vermengt sie zu einem eigenen, psychedelisch grundierten Experimental-Album. „A Deep Dive In The Colourful And Mysterious Garden Of Mr. Taxology“, das Debütalbum der beiden steuerbefreiten Musiker, kennt kein Register, das es nicht zieht – außer Lärm. Diese grenzenlose Melange ist durchgehend mellow, relaxing, und überfordert höchstens in seiner schieren Unendlichkeit der verwendeten Bestandteile, nicht in deren Dichte.
„Introductio ad Hortum“ ist ein psychedelischer Beginn mit Sitar, man hat sofort ein Bild, und zwar nicht unbedingt das korrekte. Denn bereits der nächste Track „Azadirachta Excelsa“ beginnt chillig-relaxt und verfällt in einen Offbeat, also einen Rhythmus, den man nicht primär mit psychedelischer Musik in Verbindung bringt. Ebenso wenig Funk, Folklore, Space-Pop, Northern Soul oder dergleichen mehr, was das Duo hier in seine 15 Tracks integriert. Nur eben keinen Lärm, keinen Rock’n’Roll, keine Härte.
Das Album ist versponnen, irgendwie eher Britisch, es hat Anteile von Paisley Underground, von Air oder von Amorphous Androgynous. Keine wild aufgedrehten Instrumente, auch wenn wie in „094“ etwas Fuzz auf der E-Gitarre liegt. Wild ist hier eher der Einsatz, das Arrangement: frickelig, artfremde Elemente verbindend, unerwartete Instrumente wie Akustikgitarre, Flöte, Synthies, Akkordeon, Streicher, Orgel, Saxophon, nur wenige Stücke mit saftigem Schlagzeug, und das ist bestimmt noch nicht einmal alles, was man so heraushört. Und ist die Grundstimmung eher passiv-abwartend, verträumt, versponnen, kippen die weichen Synthies in „Flower No. 3“ durchaus auch in umnebelte Schräglagen oder unterbrechen auf Italienisch gehaltene Spoken Words den Hörfluss in „Celtis Australis“ und „Pieris Japonica“.
Andrea Rizzi und Giuseppe Bitonte aus Taranto in Süditalien, Deutsch: Tarent, Wiege der Tarantella sowie Basis des Namens der Tarantel, sind erst um die 20 Jahre alt. Das stellt die Info heraus, als sei es eine Errungenschaft, etwas Heldenhaftes, mit 20 ein Album herauszubringen – vor 50 Jahren setzten Siebzehnjährige ganze neue Genres in die Welt, heute ist es offenbar bemerkenswert allein, wenn junge Leute überhaupt etwas machen. Die Eigenleistung der beiden Musiker hier besteht vornehmlich darin, das Bekannte neu zu arrangieren, und anders geht es ja heutzutage gar nicht mehr, wenn man etwas Neues schaffen will. Das wiederum gelingt den beiden ausgezeichnet, und damit liegen Taxology weit über dem Durchschnitt derjenigen jungen Bands, die angesagte Sounds kopieren, um potentiell von eventuellen Wellen profitieren zu können. Das hier surft auf keiner Welle, das startet eine.
