Von Matthias Bosenick (23.01.2023)
Das ist nun wirklich ein Fest: Das Label Bauchpfannen Aufnahmen bringt das Debüt, Demos, Samplerbeiträge und Singles der damals von Fachpostillen wie Intro und Visions gefeierten Braunschweiger Indierockband Kaltmiete neu als Doppel-CD heraus (im Stream sind die Songs der Bonus-Demo-CD nicht enthalten – physisch kaufen ist also ein Muss!). Was für Ohrwürmer, was für eine Zeitreise: „Halbbesoffen ist weggeschmissenes Geld“, „Der fette MC hat mein Leben zerstört“, „Ich wär‘ so gerne Bassist in einer amerikanischen Indierockband“ – Hits über Hits aus der Zeit zwischen 1996 und 1998, zwischen Black-Sabbath-Doom, Ska, Noiserock, Riffrock, Hardcore, Punk, Indierock und Crossover. Mit Humor, einer vereinzelten Flöte und dem Wunsch nach einer zusätzlichen Live-CD mit den fehlenden Songs aus den Jahren 1999 und 2000. Und einem dritten Album von Kaltmiete überhaupt, das zweite, „Auf Wiedervorlage“, ist auch schon wieder acht Jahre alt!
Kategoriearchiv: Album
Ryūichi Sakamoto – 12 – Commmons 2023
Von Guido Dörheide (19.01.2023)
Ryūichi Sakamoto. Der Musiker. Der Mythos. Die Legende. Der metakongeniale Mitgründer des Yellow Magic Orchestra, Miterfinder und einer der Hauptprotagonisten des Yellow Magic Orchestra Hairstyle. Der Typ mit dem Soundtrack von „Der letzte Kaiser“, zusammen mit David Byrne. Der Kämpfer gegen die Fortsetzung der Atomenergie in Japan. Der Mann, der mit traumwandlerischer Sicherheit in mehr musikalischen Genres zuhause ist, als ich Autos vor der Tür zu stehen habe. Bis auf das kleine rote Auto aus der Produktion eines namhaften Herstellers, der in Sakamotos Heimatland beheimatet ist, gehören alle diese Autos leider nicht mir, sondern anderen Leuten, wie z.B. Björn Schmidt aus Celle, das sei hier aber nur am Rande erwähnt.
WeiterlesenBilly Nomates – Cacti – Invada 2022
Von Guido Dörheide (16.01.2023)
Ja wow! Von der unbekannten Newcomerinnen-Künstlerin zur Album-der-Woche-Artistin auf Spiegel minus Online Punkt de! Who would have thunk? Ich selber habe Billy Nomates tatsächlich erst durch Sleaford Mods kennen und schätzen gelernt gekriegt, als sie auf deren letzten Album im Jahr 2021 auf „Mork‘n‘Mindy“ einen ganz hervorragenden Gastgesang beigesteuert hat und auch im dazugehörenden Video eine mit ihrer ebenso blonden wie bewusst aus der Zeit gefallenen Vokuhila-Mähne (die MitgliederInnen des P-Jahrgangs des Gymnasiums Hankensbüttel erinnern sich noch an Herrn Mähne, einen weiteren Protagonisten dieser in den 80er Jahren überaus populären Haarfrisur) nicht wegzudenkende Rolle spielte. Wenn man Billy Nomates in diesem Video beim Singen ins Gesicht sieht, weiß man, das ist jetzt hier nicht nur irgendwie so trallala oder so, das ist jetzt hier eine richtig große Sache und sie meint das ernst. Jason Williamson von Sleaford Mods revanchierte sich und lieferte bereits im Jahr zuvor auf „Supermarket Sweep“ auf Billy Nomates‘ 2020er Debutalbum „Billy Nomates“ einige an Sleaford-Modsiger Motzigkeit nicht zu überbietende Gastzeilen ab.
WeiterlesenObituary – Dying Of Everything – Relapse Records 2022
Von Guido Dörheide (15.01.2023)
Aaaaah – John Tardy. Beste Stimme des Death Metal? Auf jeden Fall ganz, ganz vorne irgendwie immer mit bei, so auch auf „Dying Of Everything“. Und dazu liefert Trevor Peres Riffs, die gut im Ohr hängenbleiben und von Terry Butler bassistisch untermauert werden, dass es schöön wuchtig und dabei immer warm und angenehm in die Ohren reindröhnt. Und Johns Bruder Donalds Schlagzeugarbeit ist auch wieder über jeden Zweifel erhaben, stoisch, präzise und mit einem tollen, rohen Sound baut er ein solides Gerüst für die wirklich gut geschriebenen Songs auf und klingt dabei nie angestrengt, egal bei welchem Tempo.
WeiterlesenIggy Pop – Every Loser – Gold Tooth/Atlantic 2023
Von Guido Dörheide (06.01.2023)
Kein Geringerer als James Newell Osterberg, bekannt und beliebt von Iggy und den Stooges, eröffnet am 6. Januar mit „Every Loser“ mein persönliches Musikjahr 2023. Unter fachkundiger Anleitung seines neuen Produzenten Andrew Watt schart der beliebte Jennifer-Aniston-Lookalike-Contest-Winner eine illustre Schar professioneller Berufsmusiker um sich und rockt – endlich einmal wieder – los, als gäbe es kein Morgen. Die Besetzung variiert von Stück zu Stück; neben Watt (Keyboards, Gitarre) sind unter anderem Chad Smith von RHCP (Drums), Travis Barker von Blink-182 (ebenfalls Drums), Duff McKagan von Gn’R (Bass), Stone Gossard von Pearl Jam (Gitarre) und der im letzten Jahr leider früh verstorbene Taylor Hawkins von den Foo Fighters (nochmal Drums) vertreten.
WeiterlesenGuido Dörheides Rest von 2022 oder „Alben, über die ich nicht geschrieben habe, aber gerne hätte“
Von Guido Dörheide (01.01.2023)
Herzlich willkommen im Jahr 2023, liebe Krautnick-Lesende. Nach Ende des vergangenen, von mir persönlich trotz zahlreicher von außen auf uns alle hereinprasselnder negativer Ereignisse als überaus großartig bewerteten Jahres 2022 (vielen, vielen lieben Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben, Ihr seid toll, umwerfend und seht großartig aus!!!) bin ich beigegangen und lasse nochmal Paroli laufen, über welche für mich bedeutenden Album-Neuerscheinungen ich nichts geschrieben habe. Ich habe bestimmt nicht alle erwischt, will aber hier noch alles würdigen, was im letzten Jahr aus Kapazitätsgründen unter den Tisch gefallen ist. Nicht in Form von fundierten, grundsolide recherchierten und 100% objektiven Rezensionen, sondern eher mit ein paar Gedankensplittern zu jedem der hier erwähnten Alben, die mir so spontan in den Sinn kamen. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen, bleibt uns auch in 2023 gewogen und, wie ich immer sage: Lest Krautnick! Hier kriegt Ihr was gelernt!
Jambinai (잠비나이) – Apparition – Bella Union 2022
Von Matthias Bosenick (02.01.2023)
Und noch eine Corona-Platte. Weil es aufgrund der bekannten Hindernisse (Kontaktbeschränkungen usw, usf) nicht zur geplanten Albumproduktion kommen konnte, schieben Jambinai nun eine EP ein, auf der sie einerseits das weltweite Lockdownelend behandeln und andererseits etwas verzögert das Zehnjährige ihrer Band feiern, als Dankeschön an die Gefolgschaft. Und die wächst, obwohl die Musik der Südkoreaner mitnichten leicht konsumierbar ist: im weitesten Sinne Post-Rock, kurz vor Metal, aber durchsetzt mit traditionellen Koreanischen Instrumenten und befreit von gewöhnlichen Pop- und Songstrukturen. Und trotzdem voller Schönheit, die lediglich keinen westlichen Hörgewohnheiten entspricht; dabei hatte man ja bereits zehn Jahre Zeit, sich an den Sound von Jambinai zu gewöhnen, und wer daran Gefallen fand, wird mit „Apparition“ belohnt.
WeiterlesenBig Thief – Dragon New Warm Mountain I Believe In You – 4AD 2022

Von Guido Dörheide (30.12.2022): Guido Dörheides Album des Jahres
Ja. Ich weiß. „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ ist bereits am 11. Februar 2022 erschienen. Warum habe ich darüber noch nichts geschrieben, und warum tue ich es jetzt doch noch?In der Tat hatte ich bereits am 15. Februar angefangen, einige Zeilen über dieses wundervolle Album zu tippen, und dann bin ich irgendwie abgebrochen, vermutlich, weil mir Band und Album sehr am Herzen liegen und mich sehr begeistern, und da fiel mir meine Deutschklausur weiland in den frühen 90ern über Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ wieder ein (meine Lieblingskurzgeschichte), die ich ob meiner Begeisterung über das Werk auf geradezu abenteuerliche Weise verkackt habe.
Aber, wie mein Chef sagt, man muss immer wieder über den Schmerz hinausgehen und somit würdige ich Big Thief hiermit im Rahmen der hier erstmalig erscheinenden Rubrik „Guido Dörheides ALBUM DES JAHRES“.
Oisdann – gemmas o:
WeiterlesenDurchströmungen II: Klangkräfte – Separated Beats 2022
Von Matthias Bosenick (29.12.2022)
Überraschend poppig gestaltet sich die Schein-Compilation „Durchströmungen II: Klangkräfte“ auf dem Klangwirkstoff-Sublabel Separated Beats, das bisher vorrangig (nicht ausschließlich!) mit Experimentellem oder etwas vom weiten Feld des Ambient in Erscheinung trat. Für seine zweite Sammlung rief Benjamin „Ben“ Bekeschus mit Tales Unfolding ein neues Alter Ego ins Leben, unter dem er die Tracks erstellte, unter Zuhilfenahme vieler Freunde Einsatz. Diese 15 Tracks und Remixe sind dicht, beatbetont, melodiös, partiell oldschool bis in die Siebziger bis Neunziger vom Proto-Ambient über Radiopop, Dub und Dancefloor bis Esoterik, stecken voller Details und hören sich gut weg. Und setzen Bekeschus‘ erste Durchströmungen „Glaswolken“ von vor einem Jahr angemessen fort.
Der Finger – Lapidarium – Signora Ward Records 2022
Auf seiner Reise durch die obskuren Subkulturlabels Italiens ist das Moskauer Impromusik-Duo Der Finger nun bei Signora Ward Records angelangt. Dort erscheint mit „Lapidarium“ der Livemitschnitt einer Improvisation, die eine Tanzperformance begleitete, damals, 2019, vor Corona, in Jekaterinburg (Екатеринбу́рг). Das Bild fehlt leider zu diesem Soundtrack, dabei wäre es höchstspannend, sich vorzustellen, wie sich Tanzende zu diesen rhythmusbefreiten Drones mit Saxophon bewegen. Obwohl, eigentlich war es andersherum: Die Musik entstand inspiriert durch die Tänze. Evgenia Sivkova und Anton Efimov – mittlerweile durch Putins Krieg und daraus folgender Flucht räumlich voneinander getrennt – erzeugen mit reduziertem Instrumentarium Drones, freie Melodien und auch mal Lärm, nur nichts, wozu man selbst tanzen kann. Abenteuer Kunst.
Weiterlesen








