Was meine Freundin gerne liest – die Literaturkolumne: Geständnisse eines Küchenchefs

Von Onkel Rosebud

Geständnisse hin oder her, die wichtigsten Erkenntnisse meiner Freundin vorab, weil hier kriegt man was gelernt: Damit es zu Hause so gut schmeckt wie im Restaurant, doppelt so viel Butter verwenden, wie man denkt. Das Brutzelteil muss einen schweren Boden haben. Und montags keine Meeresfrüchte kaufen!

Meine Freundin liebt gutes Essen und geht gern in Restaurants. Weil das so ist, schmuggelte ich ihr eines Tages das Buch von Anthony Bourdain unter das Kopfkissen. Ich wollte, dass sie erfährt, wie es hinter den Kulissen von Edelküchen aussieht: Saufende und koksende Horden tätowierter Halbkrimineller bevölkern die Küchen, in der Vorratskammer und im Kühlraum wird ständig kopuliert, die Restaurantbesitzer sind vom eigenen Personal betrogene Idioten oder tyrannische Mafiosi, die Kellner durchweg korrupt und bösartig. Alle hassen die Gäste. Und außerdem wollte ich, dass unser Sohn nicht in so einem Knochenjob endet und kein Koch wird, wie er mal vorhatte.

„Geständnisse eines Küchenchefs. Was Sie über Restaurants nie wissen wollten“ (Kitchen Confidential, Bloomsbury, New York 2000) ist Anthony Bourdains angenehm rotznäsige Autobiographie, gespickt von ebenso obszönen wie komischen Anekdoten rund um Porc Mignon und Fischfond. Von einer Strandbude in Long Island führte ihn sein Weg über diverse grandios scheiternde Nouvelle-Cuisine-Tempel zum erfolgreichen Luxusrestaurant. Vom Spülknecht und Grill-Hiwi zum Chef mit weißer Schürze. Das Buch ist eine leidenschaftliche, amüsante Reise in die dunklen Gefilde der kulinarischen Welt zwischen lodernden Flammen und kochendem Nudelwasser.

Der chronisch depressive Anthony Bourdain wurde durch den Erfolg des Buches zur eigenen Kochshow, als Starköche noch nicht so medienpräsent waren. Er tingelte damit um die Welt. Wegen Dreharbeiten hielt er sich zu seiner Fernsehserie „Parts Unknown“ in Frankreich auf, als er am 8. Juni 2018 in seinem Hotelzimmer mit 61 Jahren Suizid beging. Im Internet wird heute immer noch spekuliert, wie es dazu kommen konnte. Daran möchte sich meine Freundin aber nicht beteiligen.

Onkel Rosebud