Shaun, das Schaf (3) Spuk im Kürbisfeld (Shaun The Sheep: The Beast Of Mossy Bottom) – Steve Cox/Matthew Walter – GB 2026

Von Matthias Bosenick (11.10.2026)

Wie viele Gags kann man pro Filmframe unterbringen? Aardman: Hold my beer. Man kommt gar nicht hinterher, jede Anspielung, Assoziation oder Absurdität im dritten Kinofilm von Shaun, dem Schaf, zu erfassen. „Spuk im Kürbisfeld“ als deutscher Titel trifft in beiden Fällen nicht wirklich zu, da es vielmehr darum geht, dass sich alle kurz vor Halloween auf die Jagd nach Bigfoot begeben, und wie dies geschieht, hält im Gag Count der sprachlosen Reihe „Shaun, das Schaf“ mühelos mit. Ein grandioser Knet-Spaß! Bestimmt auch für Kinder.

Shaun und seine Schafcrew betreiben ein illegales Kürbisfeld auf dem Gelände der Mossy Bottom Farm, und als das versehentlich vom Farmer zerstört wird, und zwar zwei Tage vor Halloween, kramt Shaun ein Wissenschaftshobbybuch hervor, „Home Made Science“, anhand dessen er ein Superwachstumsmittel herstellt, um aus einem Kürbissamen binnen Tagesfrist einen Kürbis zu züchten. Dummerweise füllt er das Substrat in die weggeworfene Haarwuchsmittelflasche des Farmers ab, die jener nochdümmererweise nach Vollzug in die Hände bekommt und den Inhalt großzügig auf seine Kopfhaut massiert, um mit potentiell mehr Haarwuchs die Veterinärin zu beeindrucken. Die Kürbisse wachsen, die Haare auch, und schon halten alle den Farmer für einen Bigfoot, der den Farmer entführte. Sowohl die Schafe als auch die Veterinärin wollen nun das vermeintliche Monster gegen den aufgebrachten Mob des Städtchens Mossingham verteidigen. Die Erkenntnis, um wen es sich bei Bigfoot tatsächlich handelt, kommt spät, gottlob, da sind ja noch genug Gags offen bis dahin.

Das muss Spaß machen, Teil eines solchen Teams zu sein. Man stellt sich das so vor: Denkt euch was aus, was zum Thema passt, und sei es auch noch so absurd, wir bringen es unter. Und es ist echt viel drin. Einerseits so Gags, die sich direkt aus den Geschehnissen ergeben, also: Ein vom Blitz getroffener Wetterhahn wird zum Brathähnchen, das Schlauchboot macht auf dem Meer Bremsgeräusche, das bekleckerte Buchcover zeigt plötzlich den Titel „Mad Science“, solche Kleinigkeiten am Rande. Eigene Übertreibungen: Shaun kann mithilfe seines Buches wirklich alles bauen, woher auch immer er seine Materialen bekommt, etwa aus Linsen, Lupen und Metallteilen einen Laser auf Solarbasis. Oder auch Botschaften, und die nicht als erhobener Zeigefinder, sondern wie beiläufig in die Handlung gestreut: Der Bengel auf der Parkbank, der nur aufs Handy starrt und nicht mitbekommt, dass der Content des Reels, das er gerade guckt, direkt vor seiner Nase geschieht. Oder die Bilder von Meerestieren, die von der Umweltverschmutzung betroffen sind – und deren Befreiung dann für den Verlauf der Geschichte relevant ist. Oder so Oldschool-Filmeffekte – Frankensteins Monster und Werwölfe schwingen stets mit – wie im Raum schwirrende Animationen von Shauns Gedanken, die die anderen Schafe beiseite wedeln. Überhaupt Film, man kann gar nicht ermessen, wie viele konkrete Anspielungen man gerade übersehen hat: „The Simpsons“, der rückwärts in der Hecke verschwindende Bitzer. „Jurassic Park“, der vibrierende Tee. „This Is Spinal Tap“, der Regler. „Psycho“, die Dusche. „Thriller“ von Michael Jackson, der Tanz aus der Scheune. „Shaun Of The Dead“, das Erwachen der Farmbewohnenden. Wenn schon Shaun, dann selbstverständlich auch der.

Dabei fällt auf, dass „Spuk im Kürbisfeld“ zwar mit vielen Mitteln des Horror- und Gruselfilms arbeitet, aber nicht so, dass sie tatsächlich gruselig sind, und auch wiederum nicht so sehr nicht, dass sie wie faule Kompromisse wirken. Damit sollten alle Generationen auf ihre Kosten kommen. Geschickt ist auch, dass es zwar Momente gibt, in denen die Action so geballt mit Gags und Ereignissen ballert, dass man Schnappatmung bekommt, aber dass der Film dieses Tempo nicht durchzieht, sondern immer wieder in mildere Szenen gleitet, die wiederum nie langweilen. Auch die Gesamtspielzeit von nur 80 Minuten ist perfekt: Mit dem Wissen um einen relativ kurzen Film im Kopf wundert man sich bald, dass immer noch so viel absurde Wendung vor einem liegt, obwohl die Ereignisdichte einem suggeriert, man säße bereits seit zwei Stunden im Kino. Ohne Werbung. Was übrigens fehlt, da ist man dann auch dankbar, sind die Furzwitze früherer Filme.

Der „Spuk im Kürbisfeld“ basiert zwar grundsätzlich auf Knete, hat aber seine CGI-Anteile, was jedoch nicht schlimm ist. Woran von beiden Bestandteilen es auch liegen mag, aber die Bilder sind glasklar und insbesondere die von der Mühle auf dem Hügel, in der Shaun seine Experimente anstellt, beeindrucken enorm. Die rasanteren Szenen könnten sogar einem Action-Film entnommen sein. Passend zu den Stimmungswechseln sind hier Scoresounds eingefügt, die nicht am Kitsch kratzen, was selbst auf die dezidiert verwendeten Popsongs zutrifft. Nicht zuletzt ist dieser Film der wohl harmonischste der gesamten Reihe: Selbst die Schweine sind plötzlich so etwas wie Freunde, mindestens Schicksalsgenossen, und die sich anbahnende Liebschaft des Farmers läuft nicht wieder einfach nur schief. Kein Anlass zur Häme, nicht einmal darüber, dass die ganze Geschichte gar nicht erst geschehen wäre ohne Shauns Chemiebaukasten.