Velcro Dog – Fjord Noir – Westergaard Records 2026

Von Matthias Bosenick (08.10.2026)

Ein trunkenes Liebeslied auf Trondheim gelang Tony Gonzalez mit „Fjord Noir“, seinem zweiten Album als Velcro Dog: Mit den Mitteln juvenil orientierter Alt.-Country-Musik aus dem amerikanischen Nordkontinent setzt er sich mit den dunklen Seiten des Lebens auseinander, um etwas Licht in alles hineinzubringen. Auf Schlagzeug verzichtet er, die Akustikgitarre und einige zusätzliche Instrumente wie Cello oder Percussion reichen ihm aus. Nett geklimpert, spricht vermutlich jüngere Hörende eher an.

Eine leicht quäkende, rauhe Stimme hat Gonzalez, die leicht an Everlast erinnert, mit der er seine elf Songs vorträgt, bisweilen nicht so ganz melodiesicher, was diesen Songs etwas Trunkenes verleiht, etwas Bierseliges. Irgendwie muss man die Dunkelheit ja aushalten, und Alkohol ist ja in Skandinavien ein nicht mal nur sprichwörtliches probates Mittel. Kein Wunder, dass er das „Noir“ am „Fjord“ nicht durchhält und schon nach zwei, drei Songs die Munterkeit obsiegen lässt. „Send Me Downstream“ beginnt noch melancholisch, Gonzalez an der Akustischen, leichte Choransätze im Hintergrund, fünf Blätter sind noch übrig, möchte man meinen.

Doch mit „Like A Guest“ wird es schon munterer, ein Schellenkranz sorgt für Schwung, und den nimmt dann „Concrete Kisses“ direkt auf. Jener Song, angereichert um ein Banjo, lässt an mittlerweile auch schon nicht mehr ganz so junge Folklorerockpopper denken, etwa Mumfod & Sons, die nicht mal aus Nordamerika kommen, und diesen Gestus behält Gonzalez von nun an weitgehend bei. Ein Cello und leichte Percussion ergänzen „Friends In Dry Places“, der Begriff Country setzt sich im Kopf fest, ergänzt ab „Thirteen To The Dozen“ um Western, nicht zuletzt, sobald das hallige Pfeifen und die Mundharmonika dazukommen. Das alles muss man mögen. Kurioserweise ist das Schönste der Schluss, und das nicht, weil‘s dann endlich vorbei ist, sondern weil er da soundmäßig ungewöhnlicher wird, das Cello auch mal atonal und laut werden darf, er Songstrukturen durch- und dann bedauerlicherweise direkt abbricht, und zwar gleich das ganze Album. Schade.

Mit „Misantropology“ führte Gonzalez alias Tony Gonzahl 2022 sein Alter Ego Velcro Dog ein. An sich ist er musikalisch aber ganz anders unterwegs, mit elektronisch begleitetem Noise Rock, Hardcore und anderer Brachialität in Bands wie Barren Womb, Dårli Te Beins, Like Rats From A Sinking Ship, Oma Desala oder Twin Serpent, also auch Trip Hop. Ein breites Spektrum mithin, das er als Velcro Dog noch um akustische Folklore erweitert. Nicht ganz allein übrigens: Das Cello spielt Live Sunniva Smidt, die Percussions Vebjørn Svanberg Numme, das Banjo Timo Silvola, das Rhodes am Schluss Ludvig Rølvåg und die Melodica Per-Arne Amundsen. Mehr Mut zur Abseitigkeit hätte diesem Album gutgetan, mehr Dunkelheit ebenfalls, die Ansätze sind gut, die kompositorischen und spielerischen Finessen lassen Besseres erwarten.