Was Guido sonst noch gehört hat… im Jänner 2026

Von Guido Dörheide (01.02.2026)

ZU – They Might Be Giants – Sleaford Mods – Cat Power – The Damned – Van Morrison – Francis Rossi

Seit 2022 schreibe ich wieder für KrautNick, vorwiegend über Musik. Jedes Jahr erscheinen so viele Alben, die mich interessieren und begeistern, und nur über einen Bruchteil davon schaffe ich zu schreiben. Daher hatte ich Anfang 2023 und Anfang 2024 jeweils einen Artikel mit dem Titel „Alben, über die ich nicht geschrieben habe, aber gerne hätte“ veröffentlicht, damit nichts unter den Tisch fiel. Im Januar 2025 habe ich das zeitlich nicht geschafft, und in diesem Jahr werde ich es auch nicht hinkriegen. Das wurmt mich kollateral, da in den beiden letzten Jahren so viel hörenswerte neue Musik erschienen ist, dass ich ihr gerne in einer persönlichen Landkarte im Maßstab 1:1 Achtung gezollt hätte. Mal sehen, ob ich es irgendwie hinkriege, einiges davon noch auf diesen Seiten zu verwurschten.

Um nun aber nicht über längst vergossene Milch herumzuwundern, bin ich beigegangen und habe mir überlegt, dass ich in 2026 immer dann, wenn ein Monat zuende gegangen ist (wie heuer jüngst der Jänner), all das, was ich im abgelaufenen Monat nicht per Rezension abgekündigt habe, in einem Multifunktions-/Kombinationsartikel Paroli laufen lasse. Also das, was ich sonst noch gehört habe.

Weiterlesen

Lucinda Williams – World’s Gone Wrong – Highway 20 Records 2026

Von Guido Dörheide (01.02.2026)

Die wohl beste zeitgenössische amerikanische Songwriterin ist beigegangen und hat sich eine gute Dreiviertelstunde lang am derzeitigen Besetzer von 1600 Pennsylvania Avenue abgearbeitet. Dabei kommt Donald John T. sehr schlecht weg, während Williams durch die Bank weg glänzen kann. Gleich im ersten Lied stellt sie fest, dass jeder weiß, dass in der Welt momentan alles schief läuft. Um das zu illustrieren, porträtiert Williams namenlose arbeitende Menschen aus ihrem Heimatland, für die der amerikanische Traum sich mehr und mehr in einen Albtraum verwandelt. Und dazu spielen sie und ihre Band (seit ihrem Schlaganfall im Jahr 2020 muss Lucinda Williams die Gitarre allerdings den Musikern ihrer Band – Doug Pettibone und Marc Ford – überlassen) wunderbaren Folk/Country/Americana – nennen Sie es, wie sie wollen, diese Musik klingt so sehr nach allem, was viele Menschen überall auf der Welt an den Vereinigten Staaten von Amerika lieben, und steht damit in krassem Gegensatz dazu, was Trump, Vance, Noem, Hegseth und wie sie alle heißen, gerade an Leid und Unheil über die Menschheit bringen.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Highest Primzahl On Mars – What??? – Clostridium Records 2026

Von Matthias Bosenick (27.01.2026)

Frage: Wie vielseitig kann der alte Kumpel Krautrock nach all den Jahrzehnten noch sein? Highest Primzahl On Mars so: „What???“ Auf ihrem bereits dritten Album in kaum drei Jahren lassen die Frankfurter ihre Visionen von Krautrock in zehn Tracks auf satte zwei Stunden ausgedehnt auf die Hörerschaft los. Spacig, repetitiv, unbegrenzt in jeder Hinsicht fügt das Quartett Elemente aus allen möglichen Genres hinzu – Stoner, Wave, Funk und mehr – und macht sich auf den Weg zum Mars. Da steigt man gern dazu.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Megadeth – Megadeth – BLKIIBLK 2026

Von Guido Dörheide (22.01.2026)

Die Beatles gegen die Rolling Stones, Coca-Cola gegen Pepsi, Haribo gegen Katjes, Marius gegen Herbert, Volkswagen gegen Opel – es gibt Situationen im Leben, da muss man sich klar positionieren. So muss man sich beispielsweise einmal darüber klarwerden, ob man die größte Metalband auf dem Planeten supportet oder den ewigen Underduck (ja – ich glaube, soo würde es Lothar Matthäus auf den Punkt bringen). Und hier geht es jetzt nicht um Judas Priest vs. Iron Maiden, sondern um Metallica vs. Megadeth.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Cadavrul – Necrotic Savagery – Loud Rage Music 2026

Von Matthias Bosenick (23.01.2026)

So schnell wie ihr Death Metal sind Cadavrul mit ihrer Veröffentlichungspolitik nicht: Ihr zweites Album „Necrotic Savagery“ folgt dem Debüt „Enter The Morgue“ nach satten 13 Jahren. Die Rumänen aus Constanța betrachten ihre Art von Death Metal als oldschool, heißt: fette Riffs, Tempo zwischen Punk, Groove und Doom, Grunzen und Schreien, blutrünstige Themen, schließlich lautet ihr Bandname übersetzt „Leiche“. Dieses brutale Stück Musik hat keinen Makel: Es bedient das Genre vortrefflich.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Harvey Rushmore & The Octopus – Mindsuckers – Taxi Gauche Records 2026

Von Matthias Bosenick (22.01.2026)

„Mindsuckers“ untergräbt Erwartungen, und das ist gut so: Ihr viertes Album etikettieren die Baseler Harvey Rushmore & The Octopus als Psychedelic Garage Rock, jubeln den hellhörigen Gewordenen aber noch einiges mehr unter, darunter Surf, Kraut und Noise. Das Album ist längst nicht so retro, wie es zunächst erscheinen mag – gottlob!

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Lausemann und ich, das ist ne feine Sache

Von Onkel Rosebud

Meine Lieblingsband aus der DDR ist die Arbeitsgemeinschaft Geige aus Karl-Marx-Stadt. Sie existierte von 1986 bis 1993. Da die Stadt 1990 wieder in den namensgebenden Fluss Chemnitz rückbenannt wurde, kommt die Band quasi aus einem Ort mit drei Bezeichnungen, wenn man sächsisches Manchester noch dazu zählt. Was ich mich in dem Zusammenhang schon immer gefragt habe, ist, was Leute in einem Fragebogen/Antrag/Visum etc. eintragen, in welcher Stadt sie geboren wurden, wenn diese nach ihrer Geburt umbenannt wurde. Schreiben die dann die Wahrheit, wie Karl-Marx-Stadt oder zum Beispiel auch Stadt des KdF-Wagens? Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften dazu an onkel@krautnick.de.

Weiterlesen

Dirk Serries – Infinite And Unbound/Zonal Disturbances III – Projekt Records/Zoharum Records 2026/2025

Von Matthias Bosenick (21.01.2026)

Wir mussten ja jetzt tatsächlich mal einige Momente ohne neue Musik des Antwerpener Gitarrenwunders Dirk Serries auskommen, dafür tritt er zum Jahreswechsel mit gleich zwei neuen Alben auf den Plan. Die Versuchsanordnung auf beiden Alben ist ähnlich: Der Mann allein mit einer nicht als solche erkennbaren E-Gitarre und Effektgeräten, Ambient und Drones aufgenommen in Echtzeit. „Infinite And Unbound“ ist ein exklusives Download-Album für Projekt Records, „Zonal Disturbances III“ ist das Filetstück der auf fünf Teile ausgelegten Reihe bei Zoharum Records und auch als CD erhältlich. Zum Abtauchen schön entspannend das erste, zusätzlich herausfordernd brummig das zweite Album.

Weiterlesen

Kreator – Krushers Of The World – Nuclear Blast 2026

Von Guido Dörheide (19.01.2026)

„Papa, wovon singt der da?“, fragte mich Marleen weiland immer, wenn ich im Autoradio „Coma Of Souls“ (das an dieser Stelle bereits von mir besungene „Dark Side Of The Moon“ von Kreator) und andere alte Kreator-Scheiben rotieren ließ. Ich erklärte meiner Tochter so sinngemäß, dass er, also der Signore Petrozza aus Essen (eine Stadt, die in meinen und den Augen des Herausgebers genauso fertig ist wie Mainz), vom Frieden singt, gegen Gewalt und darüber, dass die Menschen mal aufhören sollen, sich gegenseitig schlecht zu behandeln. Derweil keifte Miland „Mille“ Petrozza derart aggressiv aus der wirklich sehr guten Serien-Hifi-Anlage des böhmischen Familienkombis, dass mein Töchterchen mir wahrscheinlich auch abgenommen hätte, dass Kreator einfach nur Brutalität und Zerstörung über die Menschheit bringen wollten. Falls man ersteres überhaupt über irgendetwas bringen kann, ich bin mir da nicht sicher.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album

Cruenta Venganza – Legend – Cruenta Venganza/Bitume Prods 2025/2026

Von Matthias Bosenick (16.01.2026)

Das ist mal ein Konzept mit langem Atem, und beinahe ist es sogar ebenbürtig bemerkenswert wie die Mucke: Begleitmusik für die Filme um die Figur „Machete“ erstellt das Berliner Duo-Projekt Cruenta Venganza, folgerichtig auf Spanisch „Blutige Rache“ getauft, und zwar mit Death Metal. „Legend“ nun begleitet den fiktiven dritten Teil der Kinofilmreihe, „Machete Kills Again … In Space“. Könnte man als ein Scherzprojekt abtun, wäre die Musik nicht so geil ins Gesicht: Dieser Death Metal vereint noch so einige andere Auswüchse unter seinem Hut und gefällt auch ohne den vergnüglichen Hintergrund.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Album