Von Matthias Bosenick (03.06.2026)
Chillig den Head bangen kann man zu „Matsutake“, dem vierten Album des Heavy-Psych-Trios Bismut aus Nijmegen, und hier passt die Genrezuschreibung wie der Fuß aufs Effektgerät. Sechs teils improvisierte Instrumentaltracks scheppern einem die drei um die Ohren, versetzt mit entspannten Ausflügen ins All, aber nur kurz. Das Gras hier hat ungefähr den Wachstumstrieb wie Bambus mit den Wurzeln eines Echten Kiefern-Ritterlings (松茸).
Kategoriearchiv: Album
The Citadel – Dawns On Mental Highways – Subsound Records 2026
Von Matthias Bosenick (02.06.2026)
Musikalisch sind The Citadel aus Erlangen tief in den Sechzigern anzusiedeln, im psychedelischen Rock, der ohne Riffs auskommt, dafür mit Gniedeln und verträumten Verspieltheiten, selbstredend inklusive Flöte und Orgel. „Dawns On Mental Highways“ ist das zweite Album der Band, die die Sixties-Pastiche überzeugend hinbekommt – indes am Gesang gern etwas arbeiten darf.
Zwischenklang – Forgive Me I’m Back – Iapetus Media 2026
Von Matthias Bosenick (02.06.2026)
Das sind unerwartete Brücken: Über meinen Freund Egon „Noge“ Bloch aus Ravensburg und dessen im benachbarten Weingarten angesiedelten Musiktonträgerhandel mit dem treffenden Namen Plattenzimmer ist mir die ursprünglich lokale, heute Freiburger Stoner-Band Father Ed vertraut, ich habe zwei ihrer Doppel-Alben in meiner Sammlung. Deren Percussionist Volker Lankow ist nun Mitglied der spontanen Berliner Zusammenkunft Zwischenklang, die auf „Forgive Me I‘m Back“ minimalistisch jazzend improvisiert. Mit Bernhard Wöstheinrich, als Pianist und Elektroniker ebenfalls Teil dieses Quartetts, arbeitet Lankow aber ohnehin schon länger zusammen.
BLKE – BLKE – Tonzonen Records 2026
Von Matthias Bosenick (01.06.2026)
Schönheit im Lärm zu verbuddeln, das lernten die Londoner Berliner BLKE bei The Jesus And Mary Chain. Auf ihrem Debüt „BLKE“, das so heißt wie die Band selbst und mithin als selbstbetitelt durchgehen darf, lotet die Band die Tiefen des Noise, der Psychedelik und des Shoegaze mit den Mitteln der Harmonie aus – ohne Zugeständnisse zu machen, dafür hingegen mit mehr als nur einem Hauch düsterer Bedrohlichkeit. Fun Fact: Der Schlagzeuger heißt Michael Drummer.
DNLB – ElletroStrada26 – db2fluctuation 2026
Von Matthias Bosenick (28.05.2026)
Der Sound echter Synthies ist einfach unübertroffen, wenn im Anschlag der Tasten Späne zu fliegen scheinen. Seit seinem Abgang von Front 242 verlegt sich Daniel Bressanutti auf Ambient alter Berliner bis Düsseldorfer Schule, dargebracht in Brüsseler Eigensinnigkeit. „ElletroStrada26“ (sic!, nicht elettro) ist sein jüngstes Output, veröffentlicht unter dem noch recht neuen Alias DNLB, verkürzt vom bereits verkürzten Daniel.B. und eigentlich eher eine Spielerei, denn der Sound dieser zwei überlangen Tracks fügt sich in sein bisheriges Oeuvre passgenau ein – und lässt mit harten EBM-Beats die Sehnsucht nach einem finalen Album von Front 242 aufkommen.
Michael Møller – The Mountains Sing – Glorious Records 2026
Von Matthias Bosenick (28.05.2026)
Interessant: Neben Moi Caprice ist Michael Møller auch Sänger bei dem Projekt The Mountains, und wenn sein jüngstes Soloalbum den Titel „The Mountains Sing“ trägt, könnte man einen Bezug dazu annehmen – und läge komplett falsch. Denn Møller bezieht sich auf das Buch gleichen Titels, zu Deutsch: „Der Gesang der Berge“, der vietnamesischen Autorin Nguyễn Phan Quế Mai, die an dieser Musikwerdung ihres Werkes sogar beteiligt war. So entstand ein neoklassisch anmutendes Album, abwechselnd in Kopenhagen und Hanoi aufgenommen, das behutsam zu Kontemplation und Reflexion einlädt und erst spät die Arme etwas ausbreitet.
Scatterwound – SC01 – Midira Records 2017/Dirk Serries 2026
Von Matthias Bosenick (26.05.2026)
Es ist kompliziert: Der belgische Neu-Franzose Dirk Serries und der Dortmunder N – Hellmut Neidhardt – veröffentlichten „SC01“ ursprünglich noch vor „SC00“ (oder auch „SC0.0“), ihren eigentlich ersten gemeinsamen Aufnahmen. Die waren im Zuge einer Tour mit den Microphonics und N erfolgt, die wiederum bereits 2010 stattgefunden hatte, und erblickten erst 2018 das Licht der Öffentlichkeit, nachdem das Gitarren-Noise-Drone-Duo bereits 2017 den Nachfolger „SC01“ aufgenommen und herausgebracht hatte, und dies nicht mehr unter den kombinierten Künstlernamen, sondern als Scatterwound. Und zwar als Dreifach-LP – die so gut wie vergriffen ist, weshalb diese zweistündigen Noisedrones nun auch erstmals digital verfügbar sind. Wie auch immer: In diesen Mahlstrom lässt man sich gern versenken.
Punktò – 2237 Sad Bols – Antibody Label 2026
Von Matthias Bosenick (26.05.2026)
Wenn es für Beschreibungen wie „experimentell“, „durchgeknallt“, „nicht zu kategorisieren“, „verspielt“ und „Synthiepop“ in dieser Kombination einen Hörbeleg braucht, taugt „2237 Sad Bols“ von Punktò perfekt dazu. Dieses zweite Album des litauischen Konzeptkünstlers Jonas Šarkus erzählt eine Geschichte, ist mithin ein Konzeptalbum, und zwar eines, auf dem sich Wahnsinn und Discofox verliebt die Hände reichen. Wie sollte es auch anders sein angesichts der Mär eines Jungen, der seine Zukunfts-Laster eliminiert, um ein perfekter Mensch zu werden. Šarkus selbst spricht von Hot Wave, das kann man kopfschüttelnd bestätigen.
Mauna Sol – The Calling – Loud Rage Music 2026
Von Matthias Bosenick (21.05.2026)
Was für eine Schatzkiste! Mauna Sol debütieren mit „The Calling“ nicht einfach als nächste Black-Metal-Band, nicht einmal einfach nur in der Sub-Schublade Post Black Metal: Dieses Album macht Spaß, weil es so großartig ist, ein so todesbejahendes Genre derartig voller Lebensfreude zu spielen, das ringt mehr als Respekt ab und steckt an. Mit diesem Einstand setzen die Rumänen einen Pflock, aus dem uns sicherlich noch ein gewaltiger Baum wachsen wird.
Dead Tree Seeds – Toxic Thoughts – M&O Music 2024/Dead Tree Seeds 2026
Von Matthias Bosenick (20.05.2026)
Wenn einer der fünf Musiker der Pariser Band Dead Tree Seeds auf dem Promo-Foto schon ein Slayer-T-Shirt trägt, ist viel gespoilert: „Toxic Thoughts“, das frisch digital neu zugänglich gemachte, zwei Jahre alte dritte Album des Quintetts, setzt genau bei jenen alten Helden an und lässt einen genretreuen Brocken an Oldschool-Thrash-Metal über der Hörerschaft herabbrechen. Mit diesem Album präsentierte die 2009 gegründete Band ihren neuen Mann am Mikro – und der trägt den munter passenden Namen Franck Le Hard.









