blackhole-factory: „The Flight Of The Sea Swallow“ – Live in Braunschweig (Kunstmühle), Sydney und New Jersey am 24. und 25. Januar 2014

Von Matthias Bosenick (02.02.2014)

Selbst wenn man es erklärt bekommt, kann man das Konzept zum „Flug der Seeschwalbe“ nicht in seiner gesamten Komplexität und Genialität erfassen. Und wenn man es nicht erklärt bekommt, freut man sich über ein Live-Konzert mit an frühen europäischen Industrial erinnernde Loops und Gesang, die dem Internet sei Dank in Braunschweig, Sydney und New Jersey erzeugt werden, und über auf mehreren Leinwänden gezeigte Kuriositäten. In diese Melange ist per Sample- und Wortbeitrag das grobe Thema Rastlosigkeit mit allen Fassetten eingebettet. Ein sympathisches, bemerkenswertes, einzigartiges Vergnügen.

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Sqürl – EP1, EP2 – ATP Recordings 2013

Von Matthias Bosenick (28.01.2014)

Das ist ein Elend: Jim Jarmusch empfahl sich stets als verlässlicher Musikkenner, indem er für seine Filme Soundtracks zusammenstellte, die man gerne sammelte und am Stück hörte, auf denen man neue Bands entdeckte und mit denen man seinen Muskigeschmack um krude Genres erweiterte. „Only Lovers Left Alive“, sein neuer Film, macht da keine Ausnahme: Mit Northern Soul, Post Rock und arabischem Indie-Folk bringt er den Zuschauer zum Niederknien. Will man indes das Soundtrack-Album kaufen, wird man enttäuscht: Es existiert nicht. Noch nicht, will man dem Label glauben. Immerhin gibt es zwei EPs des extra für den Film gegründeten Trios mit dem hochgradig guten und einzigartigen Namen Sqürl. Darauf zelebriert Jarmusch seine bereits im vorherigen Film „The Limits Of Control“ und mit der dazugehörigen Band Bad Rabbit gefundene Leidenschaft für lärmenden Post Rock.

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!!! – R!M!X!S – Warp 2013

Von Matthias Bosenick (21.01.2014)

Wer wenn nicht !!! kann sich den vokallosen Titel „R!M!X!S“ leisten – wie immer denkt man sich, die haben sich den Bandnamen nach solchen grafisch-sprachlichen Gesichtspunkten ausgesucht. Die Veröffentlichung begleitet das jüngste Album mit dem sogar noch besseren Titel „Thr!!!er“. Das war schon deutlich weiter in Richtung Dance und Electro orientiert als die Vorgänger, die Remixe nun untermauern diesen Trend.

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Stop Making Sense – Jonathan Demme & Talking Heads – USA 1984

Von Matthias Bosenick (20.01.2014)

Dieser Text ist auch erschienen auf der Seite des Café Riptide.

Freitag, 17. Januar

Was Braunschweig schon wieder für ein Glück hat. Eigentlich war es vom Verleih anscheinend gar nicht vorgesehen, den Film „Stop Making Sense“ im Kino wiederaufzuführen. Am 27. Februar erscheint Jonathan Demmes 1984 erstmals gezeigter Konzertfilm über die Talking Heads zwar als Neuauflage auf DVD und BluRay, aber nicht für den Kinobetrieb. Außer, man hat es mit dem Universum-Kino zu tun, genauer: mit Beate, die die Sound-On-Screen-Reihe mit dem Riptide organisiert. Für die Januar-Ausgabe der Reihe holte sie sich aus New York die Erlaubnis, „Stop Making Sense“ zum 30. Geburtstag des Films doch noch mal auf großer Leinwand zur vollen Entfaltung zu bringen. Und Braunschweig weiß diese Initiative zu würdigen: Schon Tage im Voraus ist der Film ausverkauft. Das ist erst das ungefähr fünfte Mal, dass ein Sound-On-Screen-Film bis zum letzten Platz belegt ist.

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Volker Sassenberg – Gabriel Burns (40) Livrare opt – Decision/Sony 2013

Von Matthias Bosenick (17.01.2014)

Mit einem Soundtrack motzt Volker Sassenberg die Reihenfolge seiner Hörspielserie „Gabriel Burns“ um eins auf. Die Musik von ihm und Matthias Günthert ist eine Mischung aus Klassik und Electro, die die wüste Horror-Geschichte atmosphärisch treffend untermalt, als reines Musikalbum jedoch wie fast jeder Score höchstens den entsprechenden Fans gefallen wird. Das Drama und der Pathos, die bisweilen sehr stark durchdringen, funktionieren vermutlich am besten, wenn man die Ereignisse dazu im Ohr hat. Allerdings ist „Livrare opt“ leider auch eine ziemliche Frechheit.

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Eläkeläiset – Humppakalmisto – Nordic Notes/Broken Silence 2013

Von Matthias Bosenick (15.01.2014)

Einmal wie immer in den vergangenen 20 Jahren: Eläkeläiset verwursten Songs, die irgendwie jeder kennt, und machen daraus Humppa. Es hat viele Gründe, warum sich ausgerechnet dieser Witz nicht abnutzt: die musikalische Virtuosität der Rentner etwa, oder die Auswahl der Originale. Die erstreckt sich dieses Mal auf Folklore, Blues, Oldies, also deutlich älteres Liedgut, weswegen das Album auch „Humppa-Friedhof“ heißt.

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Apocalyptica – Wagner Reloaded: Live in Leipzig – BMG/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (31.12.2013)

Es war Zeit, dass Apocalyptica einmal unter ganz anderen Voraussetzungen musikalisch aktiv wurden. Es ist nicht die erste Entwicklung, die die Cellisten aus Finnland in den vergangenen 20 Jahren durchmachen, und sicherlich auch nicht der Ausblick in die Zukunft der einstigen Metal-Klassiker, sondern ein einmaliges Projekt. Denn im Wagner-Jahr erweisen Apocalyptica dem Komponisten auf ihre Weise Tribut, indem sie Songs spielen, die sie an seine angelehnt komponierten, und sich dabei unter anderem von einem Orchester begleiten lassen. Und das alles live. Respekt!

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Nick Cave & The Bad Seeds – Live From KCRW – Bad Seed Ltd. 2013

Von Matthias Bosenick (30.12.2013)

Das Jahr 2013 ist für Nick Cave ein Jahr, in dem er zur Ruhe kommt. Krachen lassen hat er es vorher zur Genüge, mit „Dig!!! Lazarus Dig!!!“, dem vorletzten Bad-Seeds-Album, und den beiden Grinderman-Werken. Damit hat er sich offenbar genug ausgetobt, denn auf dem Album „Push The Sky Away“, das Anfang des Jahres erschien, zog er die Bremse mal mächtig an. Filigran und folkig, reduziert und ätherisch, aber genauso intensiv, wenn auch ein bisschen langweiliger gestaltete er die Musik dieses Mal. Diesen Stil übernahm er für das vorliegende dritte Live-Album der Bad Seeds, das auch ältere Stücke in diesem Gewand beinhaltet, und zwar nicht nur solche, die von Natur aus schon ruhiger waren.

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Onyl Lovers Left Alive – Jim Jarmusch – USA 2013

Von Matthias Bosenick (28.12.2013)

Das ist ein echter Jim Jarmusch. Still, aber nicht langweilig, schöne Bilder, kaum Handlung, aber fesselnd, ein großartiger Soundtrack, den es leider nicht als Tonträger gibt, und dazu ist der Film ein Hochgesang auf das Wissen und eine vernichtende Kritik an der Gesellschaft. Dabei fungieren die Vampire gottlob lediglich als Medium, als Träger der Botschaft, und nicht als Möglichkeit des Regisseurs, auf einen Trendzug aufzuspringen und Kohle zu machen – denn „Twilight“-Guckern wird „Onyl Lovers Left Alive“ vermutlich gar nicht gefallen.

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Jomi Massage – Primitives – The Being Music 2013

Von Matthias Bosenick (22.12.2013)

Anders als gewohnt und damit als erwartet präsentiert sich Signe Høirup Wille-Jørgensen in ihrer Solo-Inkarnation Jomi Massage auf ihrem strenggenommen erst dritten Album „Primitives“. Die früheren Noise- und Indie-Rock-Ausbrüche bleiben aus, sie zieht sich in eine Kammer zurück, und das sowohl musikalisch als auch inhaltlich. „Primitives“ ist karg, klaustrophobisch, schwarz und, fast wie ein Kontrapunkt dazu, doch ausgesprochen kraftvoll. Im Zentrum der Aufmerksamkeit liegt ganz klar Jomis Stimme. Wer nun zu Weihnachten leicht in düstere Stimmungen gerät, sollte sich das Album vielleicht besser erst im Frühjahr zulegen, wenn wieder die ersten Häschen über die bunten Blumenwiesen hüpfen. Alle anderen dürfen sich von Jomi in den Abgrund mitreißen lassen.

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