Tom Jones – Long Lost Suitcase – Seconds Out/Virgin 2015

Von Matthias Bosenick (08.02.2016)

So richtig viele Ergraute haben es nicht geschafft, nach diversen Untiefen im Alter zur Würde zurückzukehren (oder sich ihr wenigstens erstmals zuzuwenden)(oder gleich lebenslang würdevoll zu sein, wie Patti Smith). Tom Jones ist einer von ihnen: „Long Lost Suitcase“ ist der Abschluss einer Trilogie, die sich mit Jones‘ Einflüssen und musikalischen Wegbegleitern befasst. Das Album wirkt weniger kohärent als die Vorgänger, eher wie eine Compilation, aber was der Waliser darauf macht, macht er mehr als gut. Blues, Country, Ballade, Funk, Rock – wäre da nicht seine markante und immer noch unschlagbar kräftige Stimme, die Auswahl klänge willkürlich. So ist sie aber biographisch. Statt „What’s New, Pussycat?“ fragt das Album eher „What’s Old, Tiger?“

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Morgenstern (Episoden 1 bis 4) – Raimon Weber – Folgenreich/Universal 2013/2014

Von Matthias Bosenick (06.02.2016)

Fast zwei Jahre zurück liegt die Veröffentlichung der vierten und bislang letzten Episode der „Morgenstern“-Serie von Raimon Weber, jetzt erfolgt eine neuerliche Marketingkampagne dafür. Unklar ist, ob es neue Folgen geben soll, denn die vierte endet mit einem Cliffhanger. Bei „Morgenstern“ handelt es sich weder um ein Hörbuch noch um ein Hörspiel, sondern um eine Mischform, die inszenierte Lesung nämlich, und wenn man Vertreter wie „Der Butler“ oder „The Return Of Captain Future“ kennt, stellt man fest, dass es auch in dem Genre Unterschiede gibt, denn „Morgenstern“ hat nicht wie jene einen Hauptleser und für jeden Charakter eine Stimme, sondern nur eine Stimme und dazu Soundeffekte. Wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eine ziemlich hard-boiled Krimi-Geschichte um einen – na klar – zum prekären Privatdetektiv gewandelten Ex-Polizisten, der in eine Art übergeordnete Verschwörung gerät. Hier punktet weniger die Spannung als die Art und Weise, wie die teils verstörenden Elemente zusammenhängen.

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Fabio Cuomo, Morgengruss, Vanessa van Basten, Vivienne The Witch und Ramachandran – Taxi Driver Records 2016

Von Matthias Bosenick (04.02.2016)

 

Das feine Label Taxi Driver Records aus Genua startet eine unerwartete Veröffentlichungswelle: Gleich ein halbes Dutzend Alben und EPs sind im Januar erschienen. Die Stilpalette ist so weit wie die des eigenen Plattenladens: Doom, Rock, Psychedelic, Indierock, Ambient, Post-Irgendwas – Hauptsache progressiv. Ein kleiner Überblick.

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Goethes Erben – Menschenstille – Dryland Records/Samsonido 2015

Von Matthias Bosenick (03.02.2016)

Ist das nicht gruftig? Goethes Erben sind nicht tot, sie riechen nicht mal komisch. Oswald Henke erweckte seine alte Band von den Toten, um mit ihr im Oktober 2015 in Bayreuth ein Musiktheaterstück über das Sterben auf die Bühne zu bringen. Nun ist ja kein Konzert der Erben jemals frei von Theater gewesen und Henke somit auch hier in seinem natürlichen Element. Für die zwei Aufführungen, die diesem Mitschnitt auf DVD zugrunde liegen, fuhr der Mann alles auf, was ihm an Opulenz einfiel, in Sachen Musikern, Tänzern, Arrangeuren und Bühnendekorateuren. Unfassbar aufwändig. Das ergibt fast drei Stunden schwere Kost, die nicht zwingend eine Geschichte erzählt, aber dramatische Inhalte transportiert. Und optisch durch die Monochromie fokussiert ist: Das Sterben ist ästhetisch grau. Ein Teil der Musikstücke lässt sich auch fein ohne die Bilder zu Gemüte führen, dafür gibt es ein Destillat des Stückes auf CD. Einziger Wermutstropfen: Die gottlob nur selten eingesetzte Kraushoferin ist nicht mal ansatzweise ein Ersatz für Mindy Kumbalek.

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Classic Punk Party im Nexus: 20 Years Of Hate und Ramones Experience Tribute Band live am 30. Januar 2016

Von Matthias Bosenick (31.01.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Was macht man, wenn eine Ramones-Tribute-Band nach Auftrittsmöglichkeiten in Braunschweig fragt? Man bittet eine zweite Punk-Cover-Band dazu und feiert mit rund 120 Gästen eine „Classic Punk Party“. So gaben sich 20 Years Of Hate aus Göttingen und die Ramones Experience Tribute Band aus dem sagenumwobenen Groß Oesingen im Braunschweiger Nexus die Klinke in die Hand. Die After-Show-Party stiegt zwar bei nicht mehr ganz so vollem Haus, aber dafür bis um 4 Uhr. Ein Fest für alle Altersstufen, sehr zur Freude aller Beteiligten.

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The Hateful Eight – Quentin Tarantino – USA 2015

Von Matthias Bosenick (29.01.2016) / Auch erschienen auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Filme von Quentin Tarantino kann man in (mindestens) zwei Universen betrachten: im allgemeinen Filmkosmos und in Tarantinos eigener Historie. Verglichen mit dem Rest der Welt, oder zumindest von Hollywood, macht Tarantino exorbitant gute Filme. Verglichen mit sich selbst erkennt man eine Weiterentwicklung innerhalb der acht Filme, für die er bislang Regie führte: Er wird erwachsener, behält aber viele seiner Merkmale bei. Filmisch ist er weniger experimentierwütig, dafür aber subtiler. Sein Humor äußert sich weniger visuell als nun überwiegend inhaltlich. Da das Cartoonhafte zurückweicht, wirken die blutigen Anteile jedoch brutaler. Ansonsten: Ein großartiger Film, der drei Stunden lang nicht eine Sekunde langweilt, obwohl er zumeist auf beengtem Raum stattfindet.

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Deichkind – Live in der Volkswagenhalle, Braunschweig, am 24. Januar 2016

Von Matthias Bosenick (25.01.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Intelligent, inkonsequent und ambivalent vom Kindergeburtstag zur „Wetten dass..?“-Kulisse: Deichkind im Jahre 2016 sind längst nicht mehr die Anarcho-Truppe, als die sie vor zehn Jahren in die Schlagzeilen der Musikpresse kamen. Die kritischen Inhalte und klugen Zitate überwiegen zwar (gottlob) noch, doch zelebrieren die Dance-Hopper in der zweiten Hälfte den tumben Hedonismus und widersprechen sich in vielen Aspekten selbst. Zudem ist die Show nicht mehr als nur eine Show, eine glattpolierte zudem; von einem Konzert kann keine Rede sein, da niemand ein Instrument bedient. Die richtig durchgeknallten Deichkind-Elemente kommen zumeist nur von Videoeinspielungen, lediglich im ersehnten Abschlusstrack „Remmidemmi“ lassen sie die Korken mit Effekt knallen. Aalglatt und fast ohne ein Staubkörnchen, aber eine geile Party für 5000 Leute.

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Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht (The Force Awakens) – J.J. Abrams – USA 2015

Von Marc Domin (22.01.2016)

Bewaffnet mit exakt 313 Gramm saurem Weingummi, einer 0,4-Liter-Coke im Plastikbecher und einem stillen Wasser in der Flasche ging es erwartungsvoll in die Loge von Kino 5 im C1-Filmpalast in der Langen Straße zu Braunschweig.
Im Bewusstsein, jeden Augenblick dem Imperium zu begegnen, Jedis kämpfen und Todessterne bersten zu sehen, fix die 3D-Brille aufgesetzt und los ging es mit dem bekannten Vorspann.
Ich erstmal gar nichts kapiert.

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David Bowie – ★ (Blackstar) – Smi Col/Sony 2016

Von Matthias Bosenick (21.01.2016)

Bereits am 8. Januar stehen Song und Album des Jahres 2016 fest: Beides ist „Blackstar“ von David Bowie. Damit machte er sich und dem Rest der Welt ein schwer zu übertreffendes Geschenk. Außer ihm selbst wusste wohl niemand, dass es das letzte gewesen sein sollte; zwei Tage später war der nun Neunundsechzigjährige tot. Was für ein Abgang: So unkonventionell wie auf „Blackstar“ sind oft nicht mal seine jungen Epigonen. Mit dem Wissen um Bowies Ende mag man eine Todesahnung aus der Musik heraushören. Auch ohne ist „Blackstar“ ein Blick in die Zukunft, die wir nun nicht mehr erleben dürfen: Bowie pfeift auf Erwartungen und macht, worauf er Bock hat. Damit übertrifft „Blackstar“ den etwas gefälligen und fast langweiligen Vorgänger „The Next Day“ und ein Vielfaches. So hätte es weitergehen dürfen. Darf es aber nicht. Leider.

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Sun Ra And His Arkestra – To Those Of Earth… And Other Worlds – Strut/!K7 2015

Von Matthias Bosenick (11.01.2016)

Ab ins Weltall, sagt Sun Ra. Den Soundtrack dazu lieferte der Mann fast 50 Jahre lang, bis er 1993 verstarb. Seine Musik ist grob im Jazz zu verankern, und an dieser Stelle steigen ohnehin schon viele aus. Nun ist Jazz ja nie gleich Jazz und zeigte sich Sun Ra experimentierfreudig und eskapistisch. Das ergibt eine sehr freie Auffassung von Musik, die vermutlich zu Entstehungszeiten für deutlich mehr Furore und Verunsicherung gesorgt haben mag als heute in der Rückschau. Man hat sich an seltsame musikalische Strukturen gewöhnt, wenn man sich an John Coltrane, Miles Davis und andere Vertreter des Free Jazz herangewagt hat. Für Leute, die sich für jene begeistern können, ist die Musik von Sun Ra bestimmt nicht fremd und die neue Compilation „To Those Of Earth… And Other Worlds“ ein interessanter Einblick in das Oeuvre des Spacejazzers. Alle anderen… Bleiben eben auf der Erde.

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