Von Chrisz Meier (27.04.2026)
Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.
So langsam stelle ich fest, daß, je mehr ich gucke, desto weniger weiß ich später noch, was ich geschaut habe. Dies gilt jetzt genauso wie beim Intro zur letzten Folge…
Aber was solls, Filme sind ja nunmal da, um geschaut zu werden. Wie z.B. Black Bag aus dem vergangenen Jahr. Ein Spionagethriller mit C. Blanchett und M. Fassbender als Ehepaar, die beide für den Geheimdienst arbeiten. Einer der beiden steht im Verdacht, Hochverrat begehen zu wollen, der andere soll dies veri- oder falsifizieren. Knifflig. Was bei mir vor allem hängengeblieben ist, ist, wie hinterhältig, heimtückisch und feige Geheimdienste mittlerweile ihr Geschäft verrichten. Das haben sie natürlich schon immer getan, klar. Beunruhigend ist, daß diese Dienste immer über die hochentwickeltste Technologie verfügen, um noch hinterhältiger, heimtückischer und feiger zu sein. Keine gute Kombi. Was war der kalte Krieg dagegen doch harmlos. Ach ja: Black Bag kommt über gutes Mittelmaß leider nicht hinaus.
Mal eine ganz andere Thematik und auch Methodik zeigt dagegen The Negotiator, Originaltitel Relay (2024). Eine Whistleblowerin will gestohlenes, brisantes Material an ihre Firma, ein Pharmaunternehmen, zurückgeben (!) und braucht dabei professionelle Hilfe. Die bekommt sie in Form eines Unterhändlers, der eine sehr originelle Form der Kommunikation benutzt. Nachrichten zwischen den beiden laufen über einen Sprachnachrichtenablesedienst für Blinde und sind absolut nicht rückverfolgbar. Selbstverständlich tauchen bald die Cops und andere Bösewichter auf und bringen eine Menge Pfeffer und Salz in die Suppe. Clou des Films ist jedoch eine Wendung gegen Ende, die ich absolut nicht vorhergesehen habe und die dafür sorgt, daß in punkto Tempo noch eine Schippe draufgeworfen wird. Rasante Empfehlung!
Ebenso empfehlen möchte ich auch ein Biopic über einen Musiker, dessen Musik ich so gut wie gar nicht mag. Springsteen: Deliver Me From Nowhere zeigt in erster Linie, wie Musik entsteht – und warum. Der titelgebende Boss zieht sich 1982 in ein Haus in New Jersey zurück, im Gepäck nicht viel mehr als eine Gitarre, einen Cassettenrekorder und ganz viel Zweifel, vermischt mit Ängsten und Depressionen, basierend auf Erinnerungen an die Kindheit, aber auch aufgrund von Erwartungsdruck seitens der Plattenfirma – und der Fans. Denn mittlerweile füllt Springsteen mit seiner Band Stadien, und somit liegt die Meßlatte hoch. Und dann entstehen in dieser Abgeschiedenheit nachdenkliche, intime Songs ohne das Kalkül, ein Hitalbum schreiben zu wollen. Glücklicherweise hat er in der Plattenfirma jemanden, dem der Mensch wichtiger ist als der Dollar (unfaßbar in den USA!), und so wird tatsächlich das Akustikalbum „Nebraska“ veröffentlicht. Der Film punktet bei mir dadurch, daß er den Entstehungsprozess der Lieder ernst nimmt und nicht nebenbei abtut. Hauptdarsteller J.A. White imitiert zudem Springsteens Gestik und Mimik eindrucksvoll – und singen kann er auch. Alles in allem ein zwar leises, dafür aber eindrückliches Biopic über einen Musiker, dessen Musik ich eigentlich gar nicht mag.
So langsam holt mich die Chronologie ein. Erst letzten Monat sah ich „The Long Walk“ oder auch Todesmarsch. Autor S. King muß in einer sehr dunklen Phase seines Lebens gewesen sein, als er den Roman schrieb, der als Vorlage für diesen Film dient, denn dies ist so ziemlich der hoffnungsloseste Film nach einem seiner Bücher, den ich je sah. Eine anfangs recht große Gruppe von jungen Männern muß stramm marschieren, während Militär sie begleitet, damit am Ende einer von ihnen ein sorgenfreies Leben führen kann, während die anderen auf der Strecke bleiben. Alle Ansätze von Solidarität oder sogar Widerstand gegen dieses System werden im Keim erstickt. Das typisch US-amerikanische Konkurrenzdenken wird hier zu seinem gnadenlosen Endpunkt getrieben, und das ist wahrlich kein Vergnügen. Noch schlimmer wird es, wenn man bedenkt, daß es solche Todesmärsche am Ende des letzten Weltkriegs tatsächlich gab und man jetzt mal sehen kann, wie das wohl ablief, wenn natürlich deutlich abgeschwächter. Mich durchlief ein Schaudern. Ein zutiefst dystopischer Film für Hartgesottene. Oder Abgestumpfte.
Soviel für heute, in der nächsten Folge geht es u.a. um einen Film, der – siehe oben – so gar nichts hinterlassen hat, außerdem um Cruise vs. DiCaprio. Und jetzt raus aus dem Internet! Kein Hirn soll verrotten!
