Purgamentum – Aschewelt – Purgamentum 2014

Von Matthias Bosenick (31.03.2014)

Black Metal soll es sein. Das sagt die Band selbst jedenfalls und gibt sich auch die entsprechenden optischen Insignien, aber mal ehrlich: Es stimmt nicht. Und das ist auch gut so. Wer den puren Black Metal erwartet, wird enttäuscht, und wer offen ist für jede Art von Erweiterung, wird belohnt. Das Wolfsburger Quintett spielt sauber auf hohem Niveau, vermeidet den Soundbrei, kann komponieren, mag schöne Melodien, beherrscht mehr als nur die eine genannte Musikrichtung und hat Humor. Mit diesen Fähigkeiten kreiert die Band ein Album, das man gerne immer wieder hört, auch wenn man Black Metal vielleicht nicht als sein favorisiertes Genre nennt.

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Pixies – EP3 – Pixies 2014

Von Matthias Bosenick (29.03.2014)

Das ist mal so richtig frech. Mit der „EP3“ und der Ankündigung eines Albums mit dem albernen Namen „Indie Cindy“ verlieren die Pixies sämtliche Reputation: Ursprünglich hieß es, die Pixies bringen nie wieder ein neues Album heraus, auch nach der Wiedervereinigung 2003 nicht, die ja an sich schon niemals hätte stattgefunden haben sollen. Dann platzierten sie diverse neue Einzel-Tracks auf Sampler und im Internet, die ganz okay bis sehr gut waren. Dann gab es „EP1“ als 10“ mit vier neuen Stücken, da dachte man schon: Das, Kollehng Kollehng, geht ja gar nicht. Abgesehen davon, dass die Songs gerade mal mittelmäßig waren, widersprachen sich die Pixies sowas von selbst, und das auch noch in einer Besetzung, die nicht mehr original war, schließlich ist Kim Deal nicht mehr dabei. Im Zuge von „EP1“ kündigten sie an, vier solcher EPs zu veröffentlichen, aber kein Album, weil das unwirtschaftlich sei. Jetzt also kommt das Album, das alle drei bisherigen EPs bündelt. Hätte man das gewusst, hätte man sich das viele Geld für die drei 10“es gespart, denn die CD allein kostet weniger als nur eine der Vinyl-Scheiben, bietet aber auch nicht mehr als deren zwölf Songs. Darin steckt die nächste Frechheit: Die Band bekommt nicht nur keine vier EPs zusammen, sondern im Grunde nicht mal drei: Den Opener „Bagboy“ verschenkten die Pixies seinerzeit im Zuge der ersten EP als Gratisdownload. Das bedeutet: Wer sich „EP3“ als Download kauft, bezahlt damit als einen von vier Songs ein Stück, das er bereits als Geschenk auf der Festplatte hat. Einen Vorteil davon haben nur die 3000 Fans, die die rasch ausverkaufte Vinyl-Version ergattern konnten. Frech!

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Tamikrest – Live im Hallenbad Wolfsburg am 27. März 2014

Von Matthias Bosenick (29.03.2014)

Mory Kanté singt jetzt bei The Velvet Underground mit, und er hat ein paar Freunde mitgebracht. So klingt es zumindest, grob zusammengefasst: Zu acht grooven Tamikrest, bestehend aus Tuaregs vornehmlich aus Mali, im Kulturzentrum Hallenbad. Sie verbreiten allerbeste Laune und laden zum ausgelassenen und selbstvergessenen Tanz ein. Zwar tobt der Saal und explodiert nach jedem Song vor Begeisterung, doch ist das mit dem Tanzen nicht so einfach: Der Saal ist bestuhlt und nur wenige stehen auf und bewegen sich am Rand des früheren Schwimmbeckens. Dennoch, die Resonanz ist bombastisch und die Musik sowieso.

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Killing Joke – In Dub – Pledge 2014

Von Matthias Bosenick (15.03.2014)

Zum dritten Mal lassen sich Killing Joke ein Album via Pledge vorfinanzieren, zum zweiten Mal ist es eine Compilation (das dritte war ein Live-Mitschnitt). Diese Sammlung hat es sicherlich in sich: Dub-Versionen von Killing-Joke-Songs all über die drei Jahrzehnte, überwiegend sogar eigens angefertigte. Wie immer stellt sich die Frage, was genau den „Dub“ so ausmacht, wird das Wort doch bisweilen sozusagen lediglich synonym für „Mix“ verwendet. Nichts desto trotz ist die Qualität der vorliegenden Musikstücke wie gewohnt exorbitant hoch und die Bandbreite an Stilrichtungen trotz des titelgebenden Etiketts enorm breit gefächert.

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Neneh Cherry – Blank Project – Smalltown Supersound/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (13.03.2014)

Phänomenal: Von jetzt auf eben kommt Neneh Cherry wie aus dem Nichts mit Musik an die Öffentlichkeit zurück, die vermutlich all denjenigen, die in den 90ern „Seven Seconds“ und in den 80ern „Buffalo Stance“ in die Charts brachten, eher weniger gefallen dürfte. Einen größeren Kontrast hätte sie nicht setzten können als vor zwei Jahren mit dem Jahrzentalbum „The Cherry Thing“. Da setzt „Blank Project“ an: Nicht mehr wirklich Freejazz, aber von dort aus geht es in eine teilweise elektronische Richtung. Im Zentrum steht ihre Stimme – rauh, fordernd, einnehmend.

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Nymph()maniac – Lars von Trier – DK/D/F/B/GB 2013

Von Matthias Bosenick (26.02.2014)

Wer hätte das gedacht, dass der depressive Meister des Co-Traumatisierens nach dem verstörenden „Antichrist“ und dem langweiligen „Melancholia“ mit „Nymphomaniac“ als drittem Teil seiner Depressions-Trilogie nicht nur einen guten, sondern auch noch einen unterhaltsamen Film anfertigt – den er zudem zuvor irreführender- und sicherlich provozierenderweise als Porno vermarktete. Nein, der Film hat Handlung, Tiefgang, bietet Ausflüge in Psychologie, Philosophie, Wissenschaft, Kunstgeschichte, ist garniert mit Humor, Tiefgang und natürlich auch expliziten Sexszenen. Am Ende der ersten zwei Stunden der gekürzten Fassung (Teil zwei folgt im April) geht man beschwingt und gut unterhalten aus dem Kino. Das ist einem nach einem Lars-von-Trier-Film bislang ausschließlich nach „The Boss Of It All“ passiert.

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Der Weg einer Freiheit & The Ocean – Live im Hansa-Kultur-Club, Braunschweig, am 23. Februar 2014


Von Matthias Bosenick (24.02.2014)

Dieser Artikel ist auch erschienen auf Stefanie Krauses Seite Kult-Tour Braunschweig.

Earthship aus Berlin eröffnen für das umwerfende Doppelpack, bestehend aus den Black-Metallern Der Weg einer Freiheit aus Würzburg und den Allesdurcheinandermoshern The Ocean aus Berlin und der Schweiz. Was die drei Bands musikalisch eint: Progressivität, Komplexität, Brutalität. Innerhalb der Metal-Szene liegen sie stilistisch allerdings doch ungewöhnlich weit auseinander. Macht nichts: Die einen blasen das Gehör frei, die anderen verwirren den Nacken mit gebrochenen Rhythmen.

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Alcest – Shelter – Prophecy 2014

Von Matthias Bosenick (21.02.2014)

Da gleitet er dahin: Was einst im Black Metal startete, fließt nun träumerisch ins Licht. Angesichts der ansonsten allerorts drohenden Apokalypse ist dies womöglich eine abwechslungsreich positive Wendung, angesichts ausbleibender Originalität ist „Shelter“ allerdings annähernd entbehrlich. „Shelter“ tut nicht weh, aber ein bisschen Schmerz hätte dem Werk gutgetan.

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Booze Control – Heavy Metal – Booze Control 2013

Von Matthias Bosenick (20.02.2014)

Es ist nicht ganz so einfach mit dem jungen Quartett Booze Control. Die Braunschweiger lassen die Mittachziger-Variante der NWoBHM stilecht aufleben, allerdings so traditionell, dass es fast überflüssig ist. Sie sind technisch perfekt, die Songs sind authentisch, die Mähne schüttelt sich wie von allein, aber: Es kommt wenig Originalität dabei herum, geschweige denn – trotz des humorigen Alkohol-Themas – so etwas wie Ironie. Live wiederum ist es vermutlich die pure Partymucke.

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Bohren & der Club Of Gore – Piano Nights – Play It Again Sam/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (14.02.2014)

Hörgewohnheiten können eine entlarvende Sache sein: Für den einen ist die Musik von Bohren & der Club Of Gore das Deprimierendeste, Finsterste, Langsamste oder bestenfalls Langweiligste, was er je gehört hat, für den anderen ist es nette Begeleitunterhaltung oder die weltbeste Entspannungsmusik. Wer sich bereits ausgiebig in das Oeuvre der Mülheimer hineingehört hat, wird sich über „Piano Nights“ freuen, denn es ist ein munterer Freund in allen Lebenslagen, ideal für Frühstück, Fiesta, Feierabend. Düster geht jedenfalls anders.

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