Von Matthias Bosenick (23.04.2026)
Was eine Kombi: Industrial, Ambient und Hardcore, als wären Tool jetzt eine von Trent Reznor produzierte, im Tempo gebremste Metalcore-Band. So gestaltet sich „Not A Sound In Heaven“, das dritte Album von Sugar Horse aus Bristol, changierend zwischen brutal und hymnisch, zwischen Gitarre und Electro, zwischen hell und dunkel, zwischen Riffs und Drones, zwischen Zucker und Pferd. Sobald das Album beginnt, geschehen ausschließlich Dinge, die man nach den ersten Tönen nicht erwartet, und so bleibt es auch.
Sugar Horse sind eine Band, die keine Eile hat. Keiner der sieben Songs ist im Uptempo gehalten, die Eigenbeschubladung Doom greift da ganz gut, obschon man musikalisch dieses Etikett nicht als erstes ziehen würde. Das Schlagzeug wirkt zumeist auf eine Weise elektronisch, die man aus manchem Industrial kennt, kalt, mechanisch, wuchtig, und auch die Sounds dazu wirken streckenweise synthetisch. Und doch sind Sugar Horse auch eine Rockband, irgendwie: Metallische Härte macht die kräftigen Beats noch kräftiger oder verstärkt die Drones mit heavy Flächen, dazu wechselt der ansonsten klare, hohe, melodische Gesang, den man beinahe für poppig halten kann, bisweilen ins Screamo, was den Hardcore als Genrebezeichnung zulässt.
Als wäre das alles! Sobald die Gitarren an Intensität zurückfahren, könnte man diese Form von Drones als Shoegaze auffassen, doch in wesentlich brutaler, da die rhythmischen Begleitsounds hier nicht verwischen. Man denkt unwillkürlich an Absent In Body oder Mirrors For Psychic Warfare. Mitten im Album gibt es in „History’s Biggest T-Shirts“ plötzlich lupenreines Ambient, dem man dennoch eine gewisse Dringlichkeit anmerkt, sich also nicht dazu eingeladen fühlt, sich zu entspannen, und das sollte man auch nicht. Der Rauswerfer „You Can’t Say Dallas Doesn’t Love You“ endet mit einem minimalistischen Beat, einem The-Cure-Bass und einer schönen Synthieklimperei. Ist das nicht gruftig?
Nicht auf diesem dritten Album enthalten sind kurioserweise die beiden Vorabsingles mit den tollen Titeln – das können sie auch noch! – „Would You Like Me To Be The Cat?“ und „What’s Your ETA? Let’s Have A Tear Up“. Ganze Alben gab’s vorher „The Grand Scheme Of Things“ 2024 und „The Live Long After“ 2021, aber bereits vorher seit 2016 stapelweise EPs mit so figürlichen Titeln wie „DREK“ oder „DRUJ“. 2023 erschien mit „Truth Or Consequences, New Mexico“ sogar eine einseitige Picture-12“ mit einem fast achtzehnminütigen Stück. Zur Band gehören Sänger, Gitarrist und Keyboarder Ashley Tubb, Bassist Chris Howarth, Gitarrist und Keyboarder Jake Healy sowie Schlagzeuger Martin Savage.
