Von Matthias Bosenick (03.02.2025)
Herzlichen Glückwunsch, es ist ein D-A-D-Album! Zum 40. Geburtstag gönnen die dänischen Riffrocker sich und uns mit „Speed Of Darkness“ ein weiteres Album in gewohnter Manier: keine Experimente, Rock’n’Roll-Boogie im Mid- bis Uptempo plus ‘n paar Balladen, schön zum Mitnicken und Biertrinken, man könnte fast von Classic Rock sprechen. Sie spielen alle Trümpfe aus, die sie haben, und gewinnen mit einem soliden Blatt. Der stürmische Applaus bleibt vielleicht aus, aber meckern kann man nicht.
Kategoriearchiv: Album
Baptiste Brun – Elevatio – Baptiste Brun 2025
Von Matthias Bosenick (03.02.2025)
Die Waffe der Wahl ist für Baptiste Brun aus dem Großraum Lyon die achtsaitige E-Gitarre. Auf der komponiert er instrumentale Prog-Metal-Tracks, die er solo in ein neues Album fließen lässt, „Elevatio“ getauft, und es klingt exakt so, wie man es sich vorstellt. Über dezenten tieftönenden Riffs gniedelt Brun herum, verschachtelt die Strukturen, lässt Profis staunen und Amateure – nun, keine Ahnung. Zum Headbangen sind die Tracks zu gebrochen, Prog-Fans hingegen bekommen Futter für ihre Leidenschaft. Brun spielte „Elevatio“ übrigens komplett allein ein, bis auf die Trompete. Ja, Trompete!
Rainhard Fendrich – Wimpernschlag – RJF Musik 2025
Von Guido Dörheide (02.02.2025)
Als ich vor einigen Jahren anfing, mich für Austropop zu interessieren, habe ich um Rainhard Fendrich erstmal einen Bogen gemacht. Zu sehr verfolgte mich „Macho Macho“ aus meiner Kindheit, ein Lied, das ich nicht mochte, weil ich mich von der albernen Musik ablenken ließ und auf den wirklich guten Text nie geachtet habe. Außerdem hat er „Herzblatt“ moderiert, was ich mir zwar nie angesehen habe (außer davor mit Rudi Carrell), ihn aber für mich als ernstzunehmenden Künstler warum auch immer disqualifizierte. Jahre später hörte ich „Strada del Sole“ und war begeistert („I hob kane Lire – und kane Papiere“) und musste danach feststellen, dass auch „Es lebe der Sport“ kein albernes Herumgeblödel war, wie ich bis dahin annahm (ich war tatsächlich bisweilen ein sehr ignorantes und voreingenommenes Kind, vielleicht lag das an der CDU-Verehrung eines meiner Erziehungsberechtigten), sondern ernsthafte Satire, und mit „Weusd a Herz hast wia a Bergwerk“ und „I Am From Austria“ („Sag ma wer ziagt no den Huat vur dia – Außer mir?“) sowie als Teil von „Austria 3“ hat mich Rainhard Fendrich endgültig überzeugt. Nach ca. fünfzehn Jahren ausgiebigen Koksens ist er seit irgendwann in den Nullerjahren nun glücklicherweise clean und bringt weiterhin alle paar Jahre ein gutes Album nach dem anderen heraus. So auch heuer, wo es auf „Wimpernschlag“ rund 50 Minuten neue Fendrich-Musik, verteilt auf 16 Songs, zu hören gibt.
WeiterlesenTonnen von Hall – Antlitz/Ein Abdruck vom Messer im Herzen – Iapetus/Unsung 2024/2025
Von Matthias Bosenick (31.01.2025)
Für Metal ist hier ganz schön viel Nichtmetal drin. Als Tech oder Math Metal klassifiziert sich das neu zusammengestellte Trio Tonnen von Hall, bringt aber dem Metal reichlich ferne Sounds unter. Im November gab’s als ersten Vorboten die EP „Antlitz“, jetzt ist das Debüt-Album „Ein Abdruck vom Messer im Herzen“ griffbereit. Das Mathematische drückt sich dadurch aus, dass die Tracks zwar Rhythmen haben, die aber so komplex sind, dass das Mitwippen schwerfällt, und dazu kompositorische Strukturen weit außerhalb des Popradios. Anspruchsvolle und ansprechende, aber keine leichte Kost, und das lässt der Bandname ja bereits vermuten. Die Jazz-Schublade ist nicht weit entfernt. Und das alles ohne Bass!
Martina Verhoeven Quintet – Indicator Light: Live at Paradox 2023 – A New Wave Of Jazz 2024
Von Matthias Bosenick (30.01.2025)
Wo treibt sich das Antwerpener Wunderkind Dirk Serries denn noch überall herum? Im Free-Jazz-Projekt Martina Verhoeven Quintet zum Beispiel, wie kommt er dazu? Ah – er ist mit der Bandleaderin verheiratet, so kommt der Ambient-, Drone- und Proggitarrist also in den Jazz. „Indicator Light“ ist eine dreiviertelstündige Live-Improvisation, die den herkömmlichen Musikstrukturen so gut wie alles wegnimmt und eine dennoch hörbare Kakophonie errichtet, mit Schlagzeug, Piano, Saxophon, Kontrabass und eben Gitarre. Ornette Coleman grinst sich eins.
WeiterlesenHuman Impact – Gone Dark – Ipecac 2024
Von Matthias Bosenick (30.01.2025)
Als Supergroup des Noiserock werden Human Impact fortwährend klassifiziert, weil sich Mitglieder von Cop Shoot Cop und Unsane, also zwei Vertretern der New Yorker Noiserock-Szene aus den Achtzigern, zusammentaten. Doch verschwimmen hier von Anfang an die Grenzen zum Industrial: Monotonie, Wucht und Lärm bestimmen den Sound dieses dritten Albums, eingebaute rudimentäre Melodien verstärken dies nur. „Gone Dark“, entstanden nach zwei Neubesetzungen, ist wunderbar fett und bläst einem so ziemlich alles frei, selbst das, was noch gar nicht verstopft war.
LLL – Shaping Colours – Iapetus Media 2025
Von Matthias Bosenick (27.01.2025)
Drei Musiker, die noch nie miteinander musiziert haben, stehen zusammen auf einer Bühne, improvisieren an ihren Hauptinstrumenten herum und wissen, dass ihr Auftritt für eine Veröffentlichung mitgeschnitten wird. Hört man sich das daraus hervorgehende Album „Shaping Colours“ an, kann man sich das gar nicht vorstellen. Die vor einem Jahr in Mailand entstandene Musik ist langsam, dunkel, weitgehend beatlos, ambientartig, jazzig, neoklassich, experimentell und gleichzeitig herausfordernd und chillig. LLL nennen sich die drei deshalb, weil alle Vornamen mit jenem Buchstaben beginnen (und nicht etwa wegen Lucius et Licinius et Lucullus): Lorenzo Feliciati, Luca Calabrese und Luca Formentini.
Waterboarding School – The Little Sports Mirror – Waterboarding School 2024
Von Matthias Bosenick (27.01.2025)
Gute Laune ist eigentlich nur dann ernst zu nehmen, wenn ihr etwas Melancholisches anhaftet, und diese Kombi gelingt dem Göteburger Quintett Waterboarding School auf seinem dritten Album „The Little Sports Mirror“. Obwohl, Album: acht Songs in nur 20 Minuten, aber hey, das darf so sein. Hört man es halt öfter. Was man dann hört: retroseligen Pop aus der Garage mit mehrstimmigem Gesang und Orgel. Macht gute Laune, ohne damit zu übertreiben, siehe Anfang.
Iggy Pop – Live at Montreux Jazz Festival 2023 – earMusic 2025
Von Guido Dörheide (24.01.2025)
Iggy Pop, the Godfather of Punk (eigentlich eher der Pilgrim Father of Punk, denn er hat dieses Genre ja nicht adaptiert, adoptiert und verbessert, wie es Neil Young seinerzeit mit dem Grunge tat, nein, er hat es weiland in Ann Arbor, Michigan, USA, mit seinen Stooges begründet), begleitet mich seit nunmehr 39 Jahren durch mein Leben. Es war „Real Wild Child (The Wild One)“ von seinem Album „Blah Blah Blah“, das mich 1986, ein Jahr vor meiner mehr als verdienten Konfirmation, mit dem Schaffen von Jim Osterberg bekannt machte und mich sehr für den sympathischen Künstler einnahm.
WeiterlesenCasademoni – 64 – Bitume Prods 2025
Von Matthias Bosenick (23.01.2025)
Dieses Album ist ein Hauch. Mit „64“ legt Singer-Songwriter Alberto Casadei aus Mercatino Conca in den Marken sein Debütalbum als Casademoni vor, das aus Songs besteht, die er bereits seit einem Dutzend Jahren in der Schublade hat. Obschon die Akustikgitarre das maßgebliche Instrument ist, mit dem er seinen introvertierten Gesang begleitet, gestaltet er einzelne Songs auch mit Synthies und Schlagzeug aus, durchbricht aber nie die Schallmauer, weder in Tempo noch in Lautstärke. Ein zurückgelehnter Einstand, perfekt für Kuschelzeiten im Winter.










