Von Matthias Bosenick (12.01.2026)
Da sitzt der Mann allein mit seiner Gitarre und einem Effektgerät in der Gegend herum, dehnt Töne ins Unendliche und macht daraus ein Album. „Ad astra“ nennt Juan Dahmen aus Albacete in Spanien sein neues Album, das komplett aus Ambient besteht, der gar keine Konturen mehr hat, sondern wie vertontes Licht klingt. Es ist wie die Reise in eine bessere Welt: Hier ist alles gut.
Archiv der Kategorie: Album
Green Eyes Of Darkness – Fire Waves – Loud Rage Music 2025
Von Matthias Bosenick (08.12.2026)
„Symphonic Gothic Doom Metal“ steht auf der Schublade, in die Green Eyes Of Darkness ihr Debüt-Album „Fire Waves“ stecken. Reicht eigentlich schon, weiterskippen. Aber nee: Das Etikett verschweigt den Death Metal, der hier die Oberhand zu gewinnen sucht – zumindest eingangs. Über diverse weitere Metal- und andere Spielarten landet die personell offene Band aus Bukarest dann irgendwann doch beim Kitsch – und am Ende ist man froh, dasselbe erreicht zu haben.
Tineke De Meyer – Inland Island – Antibody Label 2025
Von Matthias Bosenick (07.12.2026)
Die Tonspur zu einer Kunstinstallation: „Inland Island“ braucht einen Kontext, damit man es voll erfassen kann, doch der unvoll erfasste Eindruck ist auch schon eindrucksvoll. Eigentlich war „Inland Island“ eine von der Ghenter Künstlerin Tineke De Meyer konzipierte Mischung aus Performance und Installation, bei der eine Handvoll Menschen mit Kopfhörern um einen selbstleuchtenden Tisch herum saßen und den Anweisungen einer körperlosen Stimme folgten. Das kann die Hörerschaft nun tischlos mithilfe dieser Audiospur nachvollziehen, die die artifizielle Stimme und die kaum weniger virtuelle Musik des Duos Zonderwerk beinhaltet.
Kwoon – Unplugged From The Moon – Kwoon 2025
Von Matthias Bosenick (05.12.2025)
Nach 20 Jahren Existenz darf man auch mal zurückblicken. Die Pariser Post-Rock-Band Kwoon unternimmt dies, indem sie ausgewählte Stücke ihrer Discographie in einer akustisch-reduzierten Version neu einspielt, kwasi: „Unplugged From The Moon“. Für die Hörenden, die die Originale nicht kennen, ist dies ein schöner Anlass, sich mal mit dem Oeuvre der Band zu befassen – oder einfach diese zehn melancholischen Chansons mit Akustikgitarre, Besenschlagzeug, Cello und entrückt-introvertiertem Gesang zur winterlichen Untermalung zu verwenden.
Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Gegner Ich – flüstern & SCHREIEN
Von Onkel Rosebud
„Flüstern und Schreien“ heißt ein Dokumentarfilm über die Rockszene der DDR, der 1988 in die Kinos des Landes kam – und für erstauntes Aufsehen sorgte. Denn er war ein Prostestfilm. „Wir woll‘n immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne. Jeder lebt sein Leben ganz allein – und abends fallen die Sterne“, schreit Aljoscha Rompe, der Protagonist der nächsten Folge hier auf KrautnNick, darin verdutzten FDGB-Urlaubern am Ostseestrand entgegen. (FDGB war der Dachverband der Gewerkschaften.)
WeiterlesenBruecken – Years That Answer – Moment Of Collapse Records 2026
Von Matthias Bosenick (30.12.2025)
Ja, „Years That Answer“ trägt einige typische Aspekte von Post-Rock, die Eigen-Einteilung des Oldenburger Instrumental-Quintetts Bruecken trifft da grundsätzlich zu. Nur wissen auch Bruecken, dass dieses Genre allmählich so seine Abnutzungserscheinungen aufweist, und bringen es daher mit veränderter Rezeptur dar: mehr Metal, mehr Gravitation, mehr Bodenhaftung mithin, die der entrückten, emotionalen Schwerelosigkeit dieses Genres das nötige Gegengewicht verleiht. So hört man doch gern wieder hin.
The Imperial Mustard – Turn The Stone – SlagRec 2025
Von Matthias Bosenick (30.12.2025)
Wer braucht schon Kompositionen, wenn man ein schlüssiges Space-Kraut-Rock-Album wie „Turn The Stone“ auch schlichtweg im Studio vom Universum empfangen und direkt auf die Magnetspule bannen kann? Auf diese Weise verfährt die Rhein-Main-Band The Imperial Mustard seit 2011. So viel Erfahrung und Fachwissen aus allen möglichen Genres bringen die Musizierenden hier ein, dass man das Improvisierte nicht einmal ahnt.
Aeon Temple – Resurfaced – Broken Music/Aeon Temple 2026
Von Matthias Bosenick (29.12.2025)
„Resurfaced“ klingt nicht nach Debüt, weder vom Titel her noch musikalisch. Ersteres trifft sogar ein Bisschen zu, denn das Quartett Aeon Temple gibt es schon seit einem Dutzend Jahren, und zehn Jahre vor diesem Debüt-Album erschien mit „Æon Temple“ bereits eine EP. Nun treten die Essener mit „Resurfaced“ an die Oberfläche – und kombinieren darauf bluesbasierten Stoner, kontemplativen Post-Rock und wuchtigen Metal. Das Tüpfelchen auf der schmackhaften Melange ist der Gesang von Claudia Weber.
Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Love By Geyer – die coolste Musik der DDR
Von Onkel Rosebud
Die Berliner New-Romantic-Band „Die Vision“, die wegen Klang und Rhythmus englisch sang, ist meine Zweit-Lieblingsband aus dem Land, was es nicht mehr gibt. Weil am nahesten dran an Joy Division, obwohl ich den Ian-Curtis-Kosmos erst nach Songs wie „Love By Wire“ oder „After The Sunset“ kennengelernt habe.
WeiterlesenBiohazard – Divided We Fall – BLKIIBLK Recordings 2025
Von Matthias Bosenick (22.12.2025)
Hand hoch, wer Biohazard überhaupt noch auf dem Schirm hatte! 13 Jahre vergingen seit dem letzten Studioalbum „Reborn In Defiance“, 20 seit dem vorletzten „Means To An End“, und plötzlich liegt „Divided We Fall“ vor und klingt, als wäre es immer noch 1992. Die Stärke der Brooklyner Hardcore-Band war seit jeher, dass sie sich nicht auf das Genre Hardcore beschränkte, sondern ebenso in Richtung Crossover aktiv war und die Härte und das Gniedeln des Metal zuließ. Tja, und so verhält es sich auch auf dem neuen Album, exakt so und nicht anders. Komisch: Es fällt schwer, das Album und die Band dafür Scheiße zu finden. „Divided We Fall“ geht in die Fresse, das gelingt Billy Graziadei, Evan Seinfeld, Bobby Hambel und Danny Schuler auch mit Ende 50 noch wie damals.








