Volker Sassenberg – Gabriel Burns (40) Livrare opt – Decision/Sony 2013

Von Matthias Bosenick (17.01.2014)

Mit einem Soundtrack motzt Volker Sassenberg die Reihenfolge seiner Hörspielserie „Gabriel Burns“ um eins auf. Die Musik von ihm und Matthias Günthert ist eine Mischung aus Klassik und Electro, die die wüste Horror-Geschichte atmosphärisch treffend untermalt, als reines Musikalbum jedoch wie fast jeder Score höchstens den entsprechenden Fans gefallen wird. Das Drama und der Pathos, die bisweilen sehr stark durchdringen, funktionieren vermutlich am besten, wenn man die Ereignisse dazu im Ohr hat. Allerdings ist „Livrare opt“ leider auch eine ziemliche Frechheit.

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Eläkeläiset – Humppakalmisto – Nordic Notes/Broken Silence 2013

Von Matthias Bosenick (15.01.2014)

Einmal wie immer in den vergangenen 20 Jahren: Eläkeläiset verwursten Songs, die irgendwie jeder kennt, und machen daraus Humppa. Es hat viele Gründe, warum sich ausgerechnet dieser Witz nicht abnutzt: die musikalische Virtuosität der Rentner etwa, oder die Auswahl der Originale. Die erstreckt sich dieses Mal auf Folklore, Blues, Oldies, also deutlich älteres Liedgut, weswegen das Album auch „Humppa-Friedhof“ heißt.

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Apocalyptica – Wagner Reloaded: Live in Leipzig – BMG/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (31.12.2013)

Es war Zeit, dass Apocalyptica einmal unter ganz anderen Voraussetzungen musikalisch aktiv wurden. Es ist nicht die erste Entwicklung, die die Cellisten aus Finnland in den vergangenen 20 Jahren durchmachen, und sicherlich auch nicht der Ausblick in die Zukunft der einstigen Metal-Klassiker, sondern ein einmaliges Projekt. Denn im Wagner-Jahr erweisen Apocalyptica dem Komponisten auf ihre Weise Tribut, indem sie Songs spielen, die sie an seine angelehnt komponierten, und sich dabei unter anderem von einem Orchester begleiten lassen. Und das alles live. Respekt!

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Nick Cave & The Bad Seeds – Live From KCRW – Bad Seed Ltd. 2013

Von Matthias Bosenick (30.12.2013)

Das Jahr 2013 ist für Nick Cave ein Jahr, in dem er zur Ruhe kommt. Krachen lassen hat er es vorher zur Genüge, mit „Dig!!! Lazarus Dig!!!“, dem vorletzten Bad-Seeds-Album, und den beiden Grinderman-Werken. Damit hat er sich offenbar genug ausgetobt, denn auf dem Album „Push The Sky Away“, das Anfang des Jahres erschien, zog er die Bremse mal mächtig an. Filigran und folkig, reduziert und ätherisch, aber genauso intensiv, wenn auch ein bisschen langweiliger gestaltete er die Musik dieses Mal. Diesen Stil übernahm er für das vorliegende dritte Live-Album der Bad Seeds, das auch ältere Stücke in diesem Gewand beinhaltet, und zwar nicht nur solche, die von Natur aus schon ruhiger waren.

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Jomi Massage – Primitives – The Being Music 2013

Von Matthias Bosenick (22.12.2013)

Anders als gewohnt und damit als erwartet präsentiert sich Signe Høirup Wille-Jørgensen in ihrer Solo-Inkarnation Jomi Massage auf ihrem strenggenommen erst dritten Album „Primitives“. Die früheren Noise- und Indie-Rock-Ausbrüche bleiben aus, sie zieht sich in eine Kammer zurück, und das sowohl musikalisch als auch inhaltlich. „Primitives“ ist karg, klaustrophobisch, schwarz und, fast wie ein Kontrapunkt dazu, doch ausgesprochen kraftvoll. Im Zentrum der Aufmerksamkeit liegt ganz klar Jomis Stimme. Wer nun zu Weihnachten leicht in düstere Stimmungen gerät, sollte sich das Album vielleicht besser erst im Frühjahr zulegen, wenn wieder die ersten Häschen über die bunten Blumenwiesen hüpfen. Alle anderen dürfen sich von Jomi in den Abgrund mitreißen lassen.

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Sebadoh – Defend Yourself – Domino Recording 2013

Von Matthias Bosenick (05.12.2013)

Lou Barlow scheint unterfordert zu sein. Trat er zuletzt der reformierten Urbesetzung von Dinosaur Jr bei, reaktiviert er nun seine eigene Band Sebadoh, ebenfalls in Urbesetzung. Mit Sebadoh macht er einfach da weiter, wo er 1999 aufhörte: bei typischem 90er-Indie-Rock. Rotzig, melodieselig, nicht zwingend virtuos, aber so nachdrücklich, dass man ihm zuhören muss, und so sehr im eigenen Stil, dass man sich wieder zu Hause fühlt.

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Dissouled – Inject The Grind-Cure – 666 Records 2013

Von Matthias Bosenick (03.12.2013)

Eines haben Dissouled und Motörhead gemeinsam: Sie machen keinen Heavy Metal. Motörhead bezeichnen ihre Musik als Rock’n’Roll, Dissouled machen vornehmlich Grindcore – und alles mit der Endung -core entstammt den Punk, wie die Band betont. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass Dissouled mehr als nur diese Wurzel haben: Sie sind heavy bis zum Death, grooven wie Sau, haben Humor und sind damit doch näher an Motörhead, als es Heavy-Metal-Puristen wahr haben wollen.

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Under Byen – Protokol – A:Larm Music 2013

Von Matthias Bosenick (26.11.2013)

Schon das dritte Live-Dokument von Under Byen, nach den EPs „Live At Haldern Pop“ (2004) und „Siamesisk“ (2008). So richtig oldschool gibt es das gute Stück nur auf Vinyl und in einer Mini-Auflage von 500 Kopien (davon stehen erstaunlicherweise aktuell noch einige bei Route 66 in Nørrebro im Regal, auch die Band ist noch in der Lage, aus eigenen Beständen einige Exemplare zu verschicken). Naja, und als Download. Da die meisten der sieben Stücke vom jüngsten Album „Alt Er Tabt“ stammen, bekommt man einen guten Eindruck davon, wie dieses auch hätte klingen können. Schön ist, dass keine der beiden Versionen überflüssig ist. Allerdings konzentriert die Band in der Live-Version alle Songs auf einen sehr ähnlichen Sound.

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Teho Teardo & Blixa Bargeld – Still Smiling – Specula Records/Audioglobe 2013

Von Matthias Bosenick (09.11.2013)

Was für eine Kombination, und bei Lichte betrachtet – was man wohl eher nicht tut, wenn man das Album hört – sogar längst überfällig: Teho Teardo, einst Mitglied der Industrial-Metaller Meathead, und Blixa Bargeld, Stimme und Kopf der Avantgarde-Industriellen Einstürzenden Neubauten, erarbeiten ein Album zusammen. Das könnte man, zumal sich Musiker Teardo auf Soundtrack-Kompositionen verlegte und Bargeld hier hauptsächlich Text und Stimme beisteuert, als Kammerklassik-Industrial bezeichnen. Eine gelungene Kombination, besonders für alle, die die Neubauten vermissen.

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Soulfly – Savages; Sepultura – The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart – Nuclear Blast 2013

Von Matthias Bosenick (30.10.2013)

Ist es zynisch, die neuen Alben von Sepultura und Soulfly kombiniert zu behandeln? Schließlich gibt’s die eine Band nur, weil deren Sänger 1997 aus der anderen Band ausgestiegen ist. Immerhin laden sie geradezu dazu ein: Beide erscheinen nahezu gleichzeitig und beide bei Nuclaer Blast. Und beide eint, dass sie ihrem Oeuvre ihrem Genre nichts er- oder abhebend Neues hinzufügen, aber das immerhin auf gleichbleibend hohem Niveau. Es gibt thrashmetallig auf die Zwölf, und damit sowas auch gut klingt, müssen die Musiker nun mal mehr beherrschen als nur den Hammer, und streuen deshalb dankbarerweise kreatives Abseitiges in die Tracks ein. Das ist gut und macht die Alben besonders, aber, sind wir mal ehrlich, trotzdem nicht wirklich relevant.

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