Pearl Jam – Lightning Bolt – Republic/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (18.10.2013)

Was ist nur mit Pearl Jam los? „Lightning Bolt“ klingt wie eine hingewurschtelte Auftragserfüllung, mit kompositorischem Mittelmaß, lustlosem Rock, tranigen Balladen. Vielleicht drei, vier Stücke sind raffiniert oder atmosphärisch oder irgendwie sonst bemerkenswert, der Rest ist austausch- und damit verzichtbar. Wäre nicht Eddie Vedders quängelnde Stimme, man würde die Musik nicht einmal Pearl Jam zuordnen. Und, ganz schlimm: Rockballaden.

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New Model Army – Between Dog And Wolf – Attack Attack/Edel 2013

Von Matthias Bosenick (11.10.2013)

Verhaltene Aggression ist das, was auf dem neuen Album von New Model Army zu hören ist. Damit ist die Band weniger rauh als auf dem Vorgängeralbum, schafft dafür aber die vertraute Atmosphäre der Alben davor und ergänzt dieses Mal ihren gebremsten, aber druckvoll rockenden Sound äußerst passend um Chorgesang. Macht insgesamt ein schlüssiges und trotz der Unterschiede sicherlich auch einigermaßen typisches Album. Auch nach über 30 Jahren und mehr als 20 Jahre nach ihrer großen Zeit sind New Model Army noch eine sichere Bank. So etwas wie „Vagabonds“ oder „51st State“ bekommt man allerdings schon lange nicht mehr. Warum auch, die gibt’s ja schon.

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Devin Townsend – The Retinal Circus – InsideOut/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (04.10.2013)

Whoa, gigantisch! Vom ersten Ton an bläst einen dieser Konzertmitschnitt in den Sitz. So also kann Heavy Metal klingen, so vielfältig und gutgelaunt wie bei Devin Townsend. Der feierte 2012 sein 20-jähriges Bühnengebaren in London mit einer Best-Of-Setlist und einer zirkusreifen Artistikshow. Das Ganze fügt der Maestro in eine Story ein, die zweieinhalb Stunden dauert und nicht für eine Sekunde langweilt. Das ist größtmögliches Kino.

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Moby – Innocents – Embassy Of Music/Warner 2013

Von Matthias Bosenick (02.10.2013)

„Play“ it again, Dick: Seit 1999 hat Moby – mit Ausnahme des Albums „Last Night“ – nur zwei Tracks veröffentlicht. Einer ist melancholischer Gospel-Pop, der andere Ambient. Letzteres hat er schon vorher gemacht, ersteres dient ihm seit 1999 zur Blaupause für erfolgheischende Selbstkopien. Der Unterschied ist, dass sein melancholischer Gospel-Pop inzwischen um alle Ecken und Kanten bereinigter weinerlicher Jammer-Pop und sein Ambient mit Wohlwollen als zeitlos, mit genauem Hinhören als redundant zu bezeichnen ist. Hey, der Mann startete seine musikalische Karriere bei den „Vatican Commandos“ als Punk! Immerhin, die Gastsänger reißen es auf „Innocents“ ein bisschen heraus.

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The Mission – The Brightest Light – Oblivion/SPV 2013

Von Matthias Bosenick (25.09.2013)

Weitere Wiedergänger: In ihrer dritten Inkarnation klingen The Mission nicht wie The Mission, und das, obwohl die bis kürzlich noch Ausrangierten beinahe in Originalbesetzung wiederkehren. „The Brightest Light“ kann man beim besten Willen nicht mehr wie früher noch vorwerfen, es sei der mittelmäßige Versuch von The Mission, U2 zu kopieren. The Mission lassen die vertrauten Effekte weg und rotzen ihr Album einfach nur raus. Das ist Rockmusik, nicht mehr und nicht weniger. Die Band startet ihr Album angepisst und beendet es erschöpft. Das ist gut, erfüllt aber vermutlich nicht die Erwartungshaltungen an ein gruftrockiges The-Mission-Album. Je nun, da muss man sich wohl dran gewöhnen.

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Placebo – Loud Like Love – Vertigo/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (24.09.2013)

Das zweite Placebo-Album mit dem neuen Schlagzeuger verwundert sehr. Brachen sich beim Vorgänger „Battle For The Sun“ noch sämtliche jugendlichen Energien des Neueinsteigers Steve Forrest Bahn, wirkt „Loud Like Love“ eher zahm und orientierungslos. So richtig Lust zum Komponieren schien das Trio auch nicht gehabt zu haben. Es fehlen die unverwechselbaren Kracher, die man jahrzehntelang nicht aus dem Ohr bekommt und die sich vom Rest des Oeuvres unterscheiden. Auf diese Entwicklung deutete schon die vorab veröffentlichte „B3“-EP hin.

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Nine Inch Nails – Hesitation Marks – Polydor/Universal 2013

Von Matthias Bosenick (09.09.2013)

Anscheinend hat Trent Reznor seinen musikalischen Sprachschatz einmal komplett ausgereizt und ordnet die vertrauten Bestandteile jetzt nur noch irgendwie übersichtlich an. Technisch ist das neue NIN-Album einwandfrei, es lässt aber alles vermissen, wofür man das Projekt vor 20 Jahren zu lieben gelernt hat. Sicher, der Mann ist clean und weniger depressiv, aber dann sollte er für seine musikalischen Ergüsse vielleicht einen anderen Projektnamen wählen. Auch der Titel „Hesitation Marks“ führt in die Irre, denn danach, dass hier jemand versucht haben könnte, sich die Pulsadern aufzuschneiden, klingt es nicht. Es fehlen Seele, Schmutz und Schmerz.

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Front Line Assembly – Echogenetic – Dependent/Alive 2013

Von Matthias Bosenick (03.08.2013)

Bandchef Bill Leeb kündigte für das aktuelle Album „Echogenetic“ seiner EBM-Pionierband Front Line Assembly die Rückkehr zur reinen Lehre an, also zur ausschließlichen Elektronik, weg von den Gitarrensamples. Das wäre doch nicht nötig gewesen, weil doch die Musik von Front Line Assembly auch mit Gitarren toll ist. Aber man weiß ja als Fan, dass sich FLA-Alben im Sound immer vom Rest dessen abheben, was sonst so als EBM verhökert wird, da ist es also egal, ob mit oder ohne Gitarren. Einzig die treuen kanadischen Geschwister von Skinny Puppy und diverse entfernte Verwandte aus Belgien halten Schritt. Das Ergebnis „Echogenetic“ nun verwundert einigermaßen: Irgendwie besteht das Album ausschließlich aus Stücken in nur einem Tempo, auch an catchy Melodien mangelt es. Der Sound aber, der ist bombastisch.

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Sigur Rós – Kveikur – XL Recordings/Beggars/indigo 2013

Von Matthias Bosenick (03.08.2013)

Das ging flott, nur wenige Monate nach „Valtari“ kommt das nächste Album von Sigur Rós, nachdem sie sich bis „Valtari“ vier Jahre Zeit gelassen hatten. Flott ist auch die Musik, vergleichen mit „Valtari“, das ja enttäuschenderweise nahezu ausschließlich aus konturlosen Soundscapes besteht und damit weniger Atmosphäre und Leidenschaft transportiert als alle Alben zuvor, also als das, wofür man die Band zu lieben lernte. Auch „Kveikur“ unterscheidet sich, aber nicht nur von „Valtari“, sondern von so gut wie allem Bisherigen: Es erfüllt jetzt das Etikett, das man der Band in Ermangelung besserer Schubladenbezeichnungen gerne gibt, nämlich Postrock. Ja: Auf „Kveikur“ geht einigermaßen die Post ab. Und es steht der zum Trio geschrumpften Band gut.

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Pet Shop Boys – Electric – X2/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (27.07.2013)

Na, hör an. Nach „Elysium“ dachte man ja beinahe, die Pet Shop Boys an die Altherrenlangeweile verloren zu haben. Stattdessen holten die beiden nur Luft für „Electric“, ein reines Dance-Album, in eigener und – wie immer – auch zeitgenössischer Herangehensweise. Der Unterschied zu ihnen selbst ist, dass die Sounds bisweilen so klinisch klingen, wie sie wahrscheinlich erzeugt sind, und dass sie auf der anderen Seite eine Härte an den Tag legen, wie sie sie lange nicht mehr zeigten. Macht insgesamt ein ganz geiles Album.

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