Von Matthias Bosenick (29.12.2025)
„Resurfaced“ klingt nicht nach Debüt, weder vom Titel her noch musikalisch. Ersteres trifft sogar ein Bisschen zu, denn das Quartett Aeon Temple gibt es schon seit einem Dutzend Jahren, und zehn Jahre vor diesem Debüt-Album erschien mit „Æon Temple“ bereits eine EP. Nun treten die Essener mit „Resurfaced“ an die Oberfläche – und kombinieren darauf bluesbasierten Stoner, kontemplativen Post-Rock und wuchtigen Metal. Das Tüpfelchen auf der schmackhaften Melange ist der Gesang von Claudia Weber.
Archiv der Kategorie: Album
Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Love By Geyer – die coolste Musik der DDR
Von Onkel Rosebud
Die Berliner New-Romantic-Band „Die Vision“, die wegen Klang und Rhythmus englisch sang, ist meine Zweit-Lieblingsband aus dem Land, was es nicht mehr gibt. Weil am nahesten dran an Joy Division, obwohl ich den Ian-Curtis-Kosmos erst nach Songs wie „Love By Wire“ oder „After The Sunset“ kennengelernt habe.
WeiterlesenBiohazard – Divided We Fall – BLKIIBLK Recordings 2025
Von Matthias Bosenick (22.12.2025)
Hand hoch, wer Biohazard überhaupt noch auf dem Schirm hatte! 13 Jahre vergingen seit dem letzten Studioalbum „Reborn In Defiance“, 20 seit dem vorletzten „Means To An End“, und plötzlich liegt „Divided We Fall“ vor und klingt, als wäre es immer noch 1992. Die Stärke der Brooklyner Hardcore-Band war seit jeher, dass sie sich nicht auf das Genre Hardcore beschränkte, sondern ebenso in Richtung Crossover aktiv war und die Härte und das Gniedeln des Metal zuließ. Tja, und so verhält es sich auch auf dem neuen Album, exakt so und nicht anders. Komisch: Es fällt schwer, das Album und die Band dafür Scheiße zu finden. „Divided We Fall“ geht in die Fresse, das gelingt Billy Graziadei, Evan Seinfeld, Bobby Hambel und Danny Schuler auch mit Ende 50 noch wie damals.
Hum – … Three – Tonzonen Records 2025
Von Matthias Bosenick (17.12.2025)
Falsche Zahlenspielereien mit der Drei: Bei den Traveling Wilburys folgt „Vol. 3“ als zweites Album auf „Vol. 1“, die Violent Femmes nennen ihr viertes Album „3“, und Hum, Eigenschreibweise HUM, aus Frankfurt am Main bringen ihr zweites Album mit dem Titel „… Three“ heraus. Drei Beispiele, drei verschiedene Genres, denn Hum – überdies ein Trio – machen Stoner Rock, aber eben nicht nur, da stecken sicherlich drei Genres drin, mindestens. Zudem sind Hum keine Puristen und integrieren auch moderne Technik in ihre bewusstseinserweiternde abgedunkelte Gitarrenmusik, was jene ihrerseits erweitert.
Moon’s Mallow – Live @ Resilienza – Moon’s Mallow 2025
Von Matthias Bosenick (16.12.2025)
Mit dieser Veröffentlichung ehrt Gioia Coppola seinen Freund Claudio Colaianni – davon ist zumindest auszugehen, denn vermerkt ist dies nicht. „Live @ Resilienza“ dürfte einer der ersten Auftritte sein, die Coppola mit seiner Band Moon’s Mallow ohne Colaianni bestritt. Hier bekommt der folkige, psychedelische Anti-Britpop der Band aus Bari eine ergänzende Unmittelbarkeit und Rauheit, die Songs springen einem auch aus der Konserve ins Gesicht, es ist, als sei man mittendrin.
Sowa – Gdansk Macabre – Sowa 2025
Von Matthias Bosenick (11.12.2025)
Ist der Titel „Gdansk Macabre“ für sich schon wortspiellustig, bekommt er eine doppelte Ebene, wenn man weiß, dass das Berliner Trio Sowa für die Bebilderung dieses Debüt-Albums auf Schwarzweißfotos der Danziger Fotografin Marta Adaszewska zurückgreift. Was man bedauerlicherweise nicht zu hören bekommt, dafür aber in den Neunzigern sozialisierten Alternative-Rock, den man 30 Jahre später durchaus schon wieder als retro bezeichnen kann, indes nicht einem konkreten Subgenre zugeordnet, sondern mehrere kombinierend und vielmehr mit viel Bock drauf in eine eigene Richtung gerockt, vornehmlich instrumental. Ohne Grunge!
Umbrío – Quintaesencia Nocturna – Vampiric Militant Legions 2025
Von Matthias Bosenick (10.12.2025)
Wenn sich eine Band heutzutage im Black-Metal-Untergrund verortet, heißt das Dank leicht zugänglicher Technik für den Hausgebrauch nicht mehr, dass man geknüppelten Soundbrei bekommt, und deshalb ist auch „Quintaesencia Nocturna“ des Trios Umbrío aus Valdivia in Chile ein angenehmer Hörgenuss. Nicht nur deshalb: Für diese Band hat der Black Metal keine scharfen Grenzen, was sich in der Zusammensetzung der Spielarten wie im sehr unterschiedlich ausfallenden Gesang ausdrückt. Dies ist das zweite Album der Band und das erste, das physisch auch in Europa zu haben ist.
Francis Cofone feat. Markus Reuter – The Solina Record – Iapetus Media 2025
Von Matthias Bosenick (09.12.2025)
Der Atem … der Unendlichkeit. Sobald man „The Solina Record“ von Francis Cofone und Markus Reuter auflegt, fängt das Gehirn automatisch an, mit der Stimme von Jürgen Kluckert zu denken, dem Erzähler der Hörspielserie „Gabriel Burns“. Die zwei Musiker taten sich eher versehentlich zusammen und improvisierten mit E-Gitarre und dem titelgebenden Instrument ARP Solina String Ensemble, einem über 50 Jahre alten Keyboard, das damals erstmals Streicher nachempfinden konnte. Heraus kommen Soundteppiche ohne feste Strukturen und somit auch ohne absehbares Ende, in Ton gegossenes Licht, akustische Wärme, musikalische Streicheleinheiten für die Seele.
AVTT/PTTN – AVTT/PTTN – Thirty Tigers/Ipecac Recordings/Ramseur Records 2025
Von Matthias Bosenick (08.12.2025)
Von Jello Biafra ist überliefert, dass er seine Kooperation mit Mojo Nixon deshalb einging, um die Jugend nach all dem Punk und Metal mal mit Country zum Satanismus zu führen. 32 Jahre später macht ihm das Mike Patton nach: Der Brüllmeister des verfrickelten Mosh tut sich mit den – anders als Mojo Nixon – eher weichgespülten Avett Brothers zusammen und macht ein Country-Album. „AVTT/PTTN“ hat nun beides, Country und Western, und außerdem darüber hinaus noch zwei unerwartete Perlen. Geht so.
Warren Zevon – Epilogue: Live At The Edmonton Folk Music Festival – Omnivore Recordings 2025
Von Guido Dörheide (05.12.2025)
O’Scheiße – was jetzt hier zuerst schreiben? Dass es sich bei dieser Aufnahme um Zevons letztes Konzert vor über 20 Jahren auf dem wichtigsten kanadischen Musikfestival handelt, dass ich mir das T-Shirt mit dem Aufdruck „Send Lawyers, Guns & Money“ gleich unbesehen bestellen wollte, oder, dass ich gleichzeitig zutiefst berührt und vor den Kopf gehauen bin, dass ich – was ich nie gedacht hätte – ein neues Album eines der größten Künstler des 20. Jahrhunderts, der seit über 20 Jahren tot ist, rezensieren darf?
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