Pet Shop Boys – Hotspot – X2/Sony 2020

Von Matthias Bosenick (09.03.2020)

Schon längst keine Boys mehr, aber immer noch taufrisch: Auf dem 14. Studioalbum „Hotspot“ finden sich sicherlich keine Radiohits mehr, wie sie die Pet Shop Boys von Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger weltweit aus dem Ärmel schüttelten, aber das Album ist gleichzeitig auf der Höhe der Zeit (okay, die Gegenwart hat strenggenommen keine musikalische Höhe) und ganz nah am eigenen Post-Achtziger-Synthiepopsound des Duos. Es reiht sich nahtlos ein in den formidablen Soundtrack, den die Pets Shop Boys für so manches Leben stellen. Sie waren schon mal kreativer, sind aber so sehr bei sich, dass man das Album trotzdem gern hört. Clubtunes, Balladen, Popsongs, dazu Siebziger-Disco und der Hochzeitsmarsch: „Hotspot“ bewegt sich in einem vertrauten Rahmen, wenn auch nicht in die Lieblingslisten des Duos. Und keine andere Synthiepopband der Erde war und ist jemals so ernsthaft bei der Sache und gerade deshalb so humorvoll.

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Jaz Coleman – Magna Invocatio – Spinefarm Records 2019

Von Matthias Bosenick (03.03.2020)

Jetzt bringt Killing-Joke-Sänger Jaz Coleman eben das gescheiterte Pledge-Projekt unter seinem eigenen Namen heraus. Nicht wild, das Ergebnis zählt: In Sachen Komposition ist der alte Knallkopp sowieso bestens bewandert, als Indierocker ebenso wie in der Klassik, und auf diesem Doppel-Album kombiniert er eben beides, indem er aus bereits existierenden Killing-Joke-Songs fabelhafte Klassikpartituren zaubert. Den mystischen Überbau kann man gepflegt ignorieren, die hohe Qualität dieser Musik nicht: Das ist nicht einfach nachgedudelt, in dieser „Gnostische Messe für Chor und Orchester“ steckt sowas von Musike drin.

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Machyyre – Wunschbrunnen – Wolfsrudel/Puppengott 2020

Von Matthias Bosenick (25.02.2020)

Was’n Paket! Jonas Kolb aus Schöningen bringt sein neues Album „Wunschbrunnen“ unter dem dem schwer aussprechbaren Alias Machyyre nicht einfach als CD heraus, sondern in ein dickes Buch mit Stickern, Extra-Booklet (seinem „Puppetier“-Comic), Mini-Buch und sonstigen Goodies eingebettet. Musikalisch lässt er sich noch am ehesten in der Neuen Deutschen Todeskunst verorten, und wenn man das weiß und sich dann aber vom ersten Track gleich in bester Black-Metal-Manier anbrüllen lässt, ist man umgehend geplättet. Dunkle Poesie mit minimalistischer Musik und vielen Überraschungen, nicht nur optischen. Verstörend gut.

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Törzs – Tükör – Golden Antenna Records 2019

Von Matthias Bosenick (14.02.2020)

Eine ungarische Band nimmt ein Post-Rock-Album des Halls wegen in einer Tropfsteinhöhle auf: Die Rahmenbedingungen sind spektakulär, die Musik auf „Tükör“ greift in höchste Höhen, jubiliert, tiriliert, alles auf bestem Niveau – und verpasst die einmalige Chance, dabei dem Genre etwas Eigenes hinzuzufügen. Keine Frage, „Tükör“ ist ein tolles Album und Törzs aus Budapest eine tolle Band, aber man hat auch so grandiose Musik wie diese bereits hinreichend vernommen.

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The Sandmen – Himmelstormer – 500% Records 2019

Von Matthias Bosenick (11.02.2020)

Helden der Hymne! Auf „Himmelstormer“ greifen The Sandmen zurück in die Vergangenheit, aber nicht in ihre eigene: Die Rockband aus Dänemark integriert Sounds und Strukturen aus den Achtzigern in ihre Songs, die sie selbst zu der Zeit gar nicht verwendeten. Nicht nur damit emanzipieren sie sich von ihrer eigenen Historie: „Himmelstormer“ ist das zweite Album auf Dänisch und das erste auf ihrem eigenen Label 500% Records, benannt indes nach einem Song auf ihrem Album „Western Blood“ von 1988. „Himmelstormer“ ist wie ein attraktives Radioprogramm: unterschiedliche Stile, mal rockend, mal tanzbar, mal balladesk, und immer mit Ideen im Sound, die andere an der Stelle nicht gesetzt hätten. Gelungen!

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Hoax – Shake Up The Monster – Hassköter Production 2019

Von Marc Lücke (02.02.2020)

Mit einer 10-Track-CD meldeten sich im Dezember die Punkrock-Veteranen Hoax zurück. Das Album trägt den Namen des Konzerts, das Ende Januar im Gifhorner Nordkreis zusammen mit den legendären UK Subs aus England statt fand. Ort des rockigen Ereignisses war Schweimke bei Hankensbüttel. Insgesamt acht Musiker sind an der CD beteiligt, drei davon gehörten schon der Hoax-Urbesetzung aus den 80er Jahren an: Sänger Vincent Banane, Ex-Drummer Hüni Banane (Vocals) und Gitarrist Münki Banane, der schon 1982 im Gründungsort Groß Oesingen in die Seiten griff und seinerzeit mit seiner selbst gebauten doppelhalsigen Klampfe in der BRAVO zu sehen war.

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A Secret Revealed – Sacrifices – Lifeforce Records 2019

Von Matthias Bosenick (28.01.2020)

Wenn eine Doppel-LP schon so geil beginnt, ist der Zugang leicht, und wenn sie dann auch noch viel geiler weitergeht, ist die Platzierung in der Jahrestopliste gesichert. Ausgehend von einem staunend verfolgten Konzert, war die Neugier auf A Secret Revealed groß, und das zweite Album „Sacrifices“ der Würzburger ist weit mehr als das, was sie selbst mit dem Etikett „Post-Metal“ bekleben. Da stecken Black Metal, Hardcore, Djent und Achtziger-Thrash mit drin. Ein Fest!

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The Cure – 40 Live – Eagle Vision/Universal 2019

Von Matthias Bosenick (24.01.2020)

Mit gleich zwei überlangen Livekonzerten feiern The Cure ihren 40. Geburtstag und decken damit ihre komplette Discographie ab. Konzeptbedingt: Der erste Gig namens „Curætion25” beinhaltet je einen Song von jedem Album, zunächst von alt nach neu und dann wieder umgekehrt, und der zweite Gig mit dem schlichten Titel „Anniversary” berücksichtigt zusätzlich zu den wenigen Überschneidungen auch die Hits und Lieblingsstücke, die The Cure ansonsten noch so anzubieten haben. Die gegenwärtige Band spielt sich tight und originalgetreu vom Postpunk über Wave, Disco, Shoegaze, Manchester-Rave, Rock bis Pop durch das vielfältige Oeuvre der Paradegruftband. Die können’s noch!

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Underworld – Drift Series 1 – Caroline International 2019

Von Matthias Bosenick (14.01.2020)

Kann man mal machen: mal eben sieben Stunden neue Musik am Stück veröffentlichen. Wobei, so richtig korrekt ist das nicht, sammeln Underworld doch auf „Drift Series 1“ diverse EPs, die sie das ganze Jahr über schon digital unter die Leute warfen. Und wie das so ist bei einem solchen Output, klingen nicht alle Tracks wie voll ausformuliert: Da hätten sie die Menge der Ideen auf weniger Stücke verteilen sollen. Für den schmalen Geldbeutel gibt es ein Konzentrat als Ein-CD-„Sampler Edition“, die man in Kenntnis sämtlicher Tracks für sich vermutlich latent anders zusammengestellt hätte. Es bleibt ein rekordverdächtiges Mammutwerk (nur verdächtig, Autechre etwa veröffentlichten mit den „NTS Sessions“ etwas mehr auf einen Schlag) mit neunzigerbezogenen Technotracks und diversen, auch jazzigen Spielereien abseits des Weges.

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AVA Trio – Digging The Sand – Marocco Music 2019

Von Matthias Bosenick (13.01.2020)

Mediterrane Folklore und freier Jazz: Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Musik des AVA Trio, und das ist verwirrenderweise in den Niederlanden angesiedelt. Aber die Musiker selbst stammen aus Mittelmeerregionen, aus der Türkei und aus Italien nämlich. Der europäischen und orientalischen Folklore entnimmt das Trio das Rhythmische, dem Jazz das Freie: „Digging The Sand“, das zweite Album der Band, ist zugänglich und warmherzig, experimentell und groovend.

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