Von Matthias Bosenick (28.05.2026)
Der Sound echter Synthies ist einfach unübertroffen, wenn im Anschlag der Tasten Späne zu fliegen scheinen. Seit seinem Abgang von Front 242 verlegt sich Daniel Bressanutti auf Ambient alter Berliner bis Düsseldorfer Schule, dargebracht in Brüsseler Eigensinnigkeit. „ElletroStrada26“ (sic!, nicht elettro) ist sein jüngstes Output, veröffentlicht unter dem noch recht neuen Alias DNLB, verkürzt vom bereits verkürzten Daniel.B. und eigentlich eher eine Spielerei, denn der Sound dieser zwei überlangen Tracks fügt sich in sein bisheriges Oeuvre passgenau ein – und lässt mit harten EBM-Beats die Sehnsucht nach einem finalen Album von Front 242 aufkommen.
Ein sich wiederholendes Synthie-Arpeggio bildet zunächst die knarzende Grundlage, auf der Bressanutti seinen Fuhrpark ausspielt. Auch ohne Beats entlockt er dem eine mitreißende Energie, die man mit Ambient beinahe gar nicht verbinden würde. Rhythmisch sind solche Tracks ja qua Wiederholung, und je härter diese Sounds angeschlagen sind, desto mehr wirken sie wie eine Aufforderung zum heftigen Mitnicken. An anderer Stelle lässt Bressanutti genau diese Strukturvorgaben weg und verlegt sich aufs Cineastische, Watteweiche. Während man so chillt, setzen plötzlich doch noch Beats ein, man wähnt sich abrupt im Spannungsfeld von Techno und Synthiepop und hört nicht auf zu zappeln. Die minimalistische Melodie bleibt konstant erhalten, die Energie indes wandelt sich.
Während man sich völlig außer Atem getanzt hat, geht das Album über vom ersten Track „Elletrostrada 23 23“ zum zweiten und finalen Track „Elletrostrada ;)))“, der, anders als es der launige Titel vermuten lässt, zunächst mit elektronisch generierten düsteren Soundscapes und Noise startet und sogar so etwas wie Beklemmung erzeugt. Erst nach mehr als einem Drittel der Zeit schält sich ein gebrochener Rhythmus heraus, der schnell zum klaren, düsteren EBM mit treibendem Beat wird. Das macht Bressanutti so vielseitig und mitreißend, dass man sich wünscht, er würde sich doch noch einmal mit Jean-Luc de Meyer, Richard „23“ Jonckheere, Patrick Codenys und als Krönchen auch Dirk Bergen in einem Studio verschanzen. Dieser Track knallt, was das Zeug hält, und wäre einer Front-242-Veröffentlichung mehr als würdig.
