Von Matthias Bosenick (01.06.2026)
Schönheit im Lärm zu verbuddeln, das lernten die Londoner Berliner BLKE bei The Jesus And Mary Chain. Auf ihrem Debüt „BLKE“, das so heißt wie die Band selbst und mithin als selbstbetitelt durchgehen darf, lotet die Band die Tiefen des Noise, der Psychedelik und des Shoegaze mit den Mitteln der Harmonie aus – ohne Zugeständnisse zu machen, dafür hingegen mit mehr als nur einem Hauch düsterer Bedrohlichkeit. Fun Fact: Der Schlagzeuger heißt Michael Drummer.
Diese Mischung macht gute Laune, so schlecht gelaunt, wie sie hier aus den Lautsprechenden quillt: Eine gehörige Portion Noise liegt über allen acht Songs plus der „Interlude“ zur Albumhälfte, die Ausnahmemomente fallen direkt ins Ohr. Harmonien beherrscht das Quartett dennoch, ist aber bereit und in der Lage, auf den schnöden Schönklang zugunsten größerer Popularität komplett zu verzichten. Stattdessen punktet die Band mit der Song für Song variierten Kombination aus Psychedelik, Shoegaze, Noise und Spacerock, begleitet von einem Gesang, der beinahe keiner ist, sondern vielmehr ein ansatzweise harsches Flüstern.
Mit dem Schluss beginnt das Album: „How About I End Life“ liest sich bereits wie Black Metal und kurioserweise erscheint die Stimme auch wie beim Post-Selbigen. Musikalisch lässt sich das Stück als noisy-psychedelischer Shoegaze auffassen, der Gesang hingegen wie im Post-Black-Metal, man sieht förmlich, wie sich der Sänger stehend weit nach hinten beugt, um seinen Schmerz heiser in die Schwärze zu schreien. So bleibt es nicht: Die Stimmung in „Up Tight“ ist mitnichten alright, hier überkreuzen sich The Jesus And Mary Chain und Sonic Youth im Uptempo und generieren miteinander Noise-Drone-Walls Of Sound. Der Beat von „Never Try“ könnte in der Disco laufen, der Song dazu eher nicht: halldichter Noise, elektronisch wirkend trippy, bratzend. Die Stimme von Amanda Lear könnte hier sehr gut passen. „So Do I“ ist runtergedrückt auf einen bekifften Kopfnicker, die Gitarre hat hier ausnahmsweise mal das Zeug zum Riff inmitten des Nebels.
Überraschend klar beginnt „Traffic“, die Stimme ertönt enorm verhallt, der Nebel dringt erst mit Verzug in den Song ein. So stoisch wie der Krautrock pluckert „Heat“ vor sich hin, übertüncht von mitreißenden Lärmtexturen. Einen beinahe fröhlichen Surfsong verstecken BLKE da in „Satellite“ unter dem Noise. Mit der Dunkelheit von Joy Division beginnt das finale „Take It All“, um dann nochmal so richtig The Jesus And Mary Chain zu feiern.
Stimme und Gitarrist Jakob Buraczekwsi aus Gliwice (Gleiwitz) verbrachte einige Zeit in London, und zwar vordergründig als Künstler, wie er es zuvor im Saarland studiert hatte, und formierte parallel bereits die Band BLKE, offenbar noch als BLOKE, jedenfalls lässt sich der Song „Satellite“ unter jenem Projektnamen im Internet finden. Schlagzeuger ist der bereits genannte Michael Drummer, ansonsten aktiv bei der Krautrockband Camera. Daher kommt auch Gitarrist und Keyboarder Steffen Kahles. Am Bass agiert Alex Kozmidi (Алексей Козмиди). Von der 2025 veröffentlichten EP „Living Without Expectations“ sind nicht alle Songs enthalten, alle Mitmusiker auch nicht.
