Von Matthias Bosenick (07.06.2021)
Das Album zur Pandemie: Verteilt auf mehrere Monate im coronagebeutelten Jahr 2020 entstanden die Tracks zum dritten Album des aus zwei Leuten bestehenden Krügerglantzquartetts. Das Pandemische schlägt sich auch inhaltlich nieder, aber gottlob nicht ausschließlich. Mit der typischen theatergeschulten Art der beiden entstand ein Popalbum ohne Songs, dafür mit sprachlicher Performance, beinahe wie bei einem Hörbuch. Ohne Ohrwürmer geht man trotzdem nicht aus den elf Tracks heraus, und ohne über den hintersinnigen Humor zu lachen sowieso nicht.
Kategoriearchiv: Album
Deine Lakaien – Dual – Chrom/Prophecy 2021
Von Matthias Bosenick (03.06.2021)
Was ist das schön, nach all den Jahren mal wieder etwas Neues von Deine Lakaien zu hören! Ernst Horn pumpt die besten Samples aus seinem Equipment und Alexander Veljanov singt dazu im herrlichsten Gruftpathos. Alles wie immer, gleichzeitig wieder ein Schritt nach vorn, weil Horn nun mal nicht stillstehen kann und seine Sounds zusehends weiterentwickelt, weit über Gothictellerränder hinaus. Besonders ist das Konzept von „Dual“: Einem Album mit zehn Coverversionen stehen zehn Eigenkompositionen gegenüber, die sich auf die Cover beziehen. Man muss festhalten, so man die Originale kennt, dass die eigenen Stücke besser sind; der Schatten der Hits steht über der Interpretation. Lohnenswert ist die Deluxe-Version mit zwei weiteren Songs und einer Live-DVD.
Jars – ДЖРС III – P.O.G.O. Records 2020
Von Matthias Bosenick (02.06.2021)
Noisecore, der seinen Noise melodiös unterfüttert und seinen Core amtlich grooven lässt: Ihr erst drittes Album rotzen Jars aus Moskau heraus, und es ist eine herrliche Freude, dieser Eruption von Rock’n’Roll im unklassischen Sinne beizuwohnen. Ein reines Rotzen ist das hier aber nicht: Breaks, Dynamik, Riffs, klare Passagen und ein Saxophonsolo zerstreuen den Lärm und das Geschrei. Eine schlechte Laune, die gute Laune macht!
Wolfskull – #2/#3 – Schneider Collaborations 2021
Von Matthias Bosenick (31.05.2021)
Wie man komplett frei von Songstrukturen eine solche Schönheit generiert: Yvonne Nußbaum und Jörg. A. Schneider demonstrieren zum zweiten und dritten Mal unter dem Projektnamen Wolfskull, wie das geht. Nußbaum spielt Piano und Synthesizer warm und harmonisch, während Schneider mit elektronischen Mitteln und seinem zurückhaltend klickernden Schlagzeug jede Ahnung von einem Rhythmus verwischt. Die beiden gleichzeitig erschienenen Alben „#2“ und „#3“ vermitteln den Soundtrack zu einer Kopfreise, die man nur zu gern antritt und die den Hörenden in ungeahnte Areale seines Bewusstseins entführt. Da wird einem warm ums Herz. Und man erweitert seinen persönlichen Begriff von „Noise“.
Devin Townsend – Devolution Series #1: Acoustically Inclined (Live In Leeds) – Inside Out 2021
Von Matthias Bosenick (27.05.2021)
Dev hat ein neues Live-Album! Sein drölfzigstes! Ein Acoustic-Live-Album! Sein drittes! Im Rahmen einer neuen Veröffentlichungsreihe namens „Devolution Series“! Gottlob: Teil 2 hat ein anderes Konzept, also steckt man eben dieses kleine Album ein und freut sich über geile Songs und launiges Gelaber vom mutmaßlich besten lebenden Gitarristen der Welt. Auch wenn man nach dem Erwerb von „Unplugged“ (2011) und „Iceland“ (2016) nicht wirklich ein weiteres Akustikalbum von ihm braucht. Ein Vorteil ist immerhin, dass es sich dabei ursprünglich um ein Bonus-Album der Hyper-Dyper-Delyxe-Edition von „Empath“ handelt, das er hiermit jetzt tauch dem Fußvolk zugänglich macht. Ist das noch Metal? Ja, schon.
Spezial: addicted/noname Label aus Moskau, Teil 8
Von Matthias Bosenick (12.05.2021)
Drei Veröffentlichungen aus jüngerer Zeit stehen dieses Mal an: Neue Alben von Grey Mouse und Crust sowie eine Compilation rund um Doom und Stoner in Russland – mit satten sieben Stunden Musik, darunter natürlich auch vom liebenswerten Label addicted/noname.
Infest – Psychosis – Defying Danger Records 2021
Von Matthias Bosenick (05.05.2021)
Die Serben beherrschen die Folklore – und zwar die des Metal: Umgedrehtes Kreuz im Logo, mangelnde Gottesfürchtigkeit und gesteigerte Feuerverehrung in den Texten und Titeln, alles dabei. „Psychosis“ ist das sechste Studioalbum in knapp 20 Jahren, und es brettert bestens ausproduziert herum. In nicht einmal einer halben Stunde ist alles gesagt, was das Quartett aus Jagodina (Јагодина) in Sachen Death und Thrash zu sagen hat. Danach muss man auch erstmal ordentlich durchatmen, den Nacken massieren und die Restfrisur neu justieren.
Joey Ramone – Dont Worry About Me – Sanctuary Records 2002
Von Marc Lücke (20.04.2021)
Nachdem Joey Ramone, den man als Frontmann der legendären US-Punkband der ersten Stunde, „The Ramones“, ja nicht mehr vorstellen muss, am 15. April 2001 nach einem Fall im New Yorker Schnee starb, als er schon seit längerem an Lymphdrüsenkrebs gelitten hatte, veröffentlichten Sanctuary Records posthum 2002 sein erstes Soloalbum. Der ausdrucksstarke Titel des Silberlings, „Dont Worry About Me“, sagt eigentlich schon alles. In fast allen der elf Titel geht es um Abschied, Schmerz, dessen Überwindung und die Schönheit des Lebens.
WeiterlesenTrigger Cut – Rogo – diy Records 2021
Von Matthias Bosenick (15.04.2021)
Angepissten Lärm rocken Trigger Cut aus Stuttgart und München auf ihrem zweiten Album „Rogo“. Regeln gibt’s nicht, nur schlechte Laune und Bock darauf, die in einen eigensinnigen Rock’n’Roll zu packen, angesiedelt zwischen dem New Yorker No Wave der frühen Achtziger und dem unformatierten Prä-MTV-Indierock der frühen Neunziger. Es gibt keine Erwartungen zu erfüllen, nur einen Heidenspaß am Heidenlärm. Und das nur zu dritt! Rockt wie Sau.
Front 242 – Live 1991 EU + USA/Daniel B. + Elko B. – 66.6 – Alfa Matrix 2021
Von Matthias Bosenick (12.04.2021)
Wenn man schon nicht auf Tour gehen kann, dann plündert man eben sein Archiv, und was die EBM-Erfinder Front 242 so an Livemitschnitten aus dem „Tyranny“-Jahr 1991 zutage fördern, ist klanglich bombastisch und als historisches Dokument ohnehin bemerkenswert. Das Label Alfa Matrix veröffentlicht einen Mitschnitt aus Europa als Doppel-LP und einen aus den USA als CD, dazu zwei noch ältere Gigs als Downloads. Und 242-Soundtüftler Daniel Bressanutti nimmt sich zum zweiten Mal alte Tracks vor und verpasst ihnen ein zeitgemäßes Outfit; bei „66.6“ hilft dem Brüsseler sein Antwerpener Kumpel Elko Blijweert.













