Alcest – Spiritual Instinct – Nuclear Blast 2019

Von Matthias Bosenick (02.01.2020)

Drei Jahre nach „Kodama” klingt das Nachfolgealbum nicht nach seinem Titel, „Spiritual Instinct“: Alcest kehren dem melodiösen Pop-Postrock häppchenweise den Rücken und wenden sich wieder dem Metal zu. Die Genrebezeichnungen Blackgaze oder gar Black Metal mag keiner der beiden Franzosen, doch sind sie nicht ganz von der Hand zu weisen. Ein paar Pfund mehr auf den Rippen stehen dem Sound jedenfalls gut. Spannend sind überdies die drei Bonus-Tracks der Vinyl-Buch-Version: Da hält plötzlich industrielle Elektronik Einzug.

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Simple Minds – Live In The City Of Angels – BMG 2019

Von Matthias Bosenick (17.12.2019)

Das Vierzigjährige feiert man als ausgewiesene Liveband natürlich mit einem Livealbum, das machen Killing Joke und The Cure auch so. Und mit einer Best-Of, das machen OMD auch so. Die Schotten Simple Minds knüpfen mit ihrer Konzertmitschnitt-Variante an ihr erstes Livealbum von 1987 an – und erreichen es trotz erweiterter Opulenz nicht annährend. Sie haben gute Songs, aber offenbar vergessen, dass sie auch Musiker sind, nicht nur Dienstleister. Die wenigen Besonderheiten hätten sich auch auf einer kürzeren Einzel-CD zusammenfassen können, der Rest ist verzichtbar, weil viel zu vertraut. Da gibt es weit bessere Livealben von denen.

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Swans – Leaving Meaning – Mute/Young God Records 2019

Von Matthias Bosenick (09.12.2019)

Die Swans sind wieder da! Einmal mehr reaktiviert Michael Gira seine wundervolle monotone Lärmtruppe und veröffentlicht als einer der wenigen Künstler überhaupt nach einer Reunion relevante neue Musik. „Leaving Meaning“ skelettiert den Sound, den die Swans bis vor dem jüngsten Split machten: Das Album ist repetetiv und monoton, aber aufgrund vielzähliger besonderer Elemente enorm einnehmend, und lässt dem Lärm nur noch wenig Raum. Das Doppelalbum gehört in die Top-3 des laufenden Jahres.

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Spezial: Addicted/noname Label aus Moskau, Teil 3

Zum dritten Mal sei hier ein Stapel CDs aus Moskau empfohlen, den das Label addicted/noname auf die lange Reise schickte. Bands wie Ciolkowska, Detieti, Dekonstruktor, Disen Gage, Kshettra, Ил, Soom, Thy Grave und Megalith Levitation. Sämtliche Musik gibt es auch auf der Bandcamp-Seite des Labels zum Download. Grüße an Anton aus Moskau und danke für diese grandiosen Empfehlungen!

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Sacred Son – Arthurian Catacombs – Sacred Son 2019

Von Matthias Bosenick (18.11.2019)

Aus seinem Soloprojekt machte der Engländer Dane Cross in nur zwei Jahren eine komplette Band: Nicht nur deshalb klingt „Arthurian Catacombs“ ausgereifter als das selbstbetitelte Debüt von Sacred Son. Die größte Aufmerksamkeit wurde dem Musiker indes wegen des Covers zuteil: Darf man sich im Black Metal mit Sonnenbrille vor einer Meeresküste ablichten lassen? Eine Ohrfeige für Puristen also und auf dem vorliegenden Nachfolger ein amtliches atmosphärisches und wechselvolles Stück Schwarzmetall. Dem indes eine wuchtigere Produktion gut getan hätte.

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Sqürl – The Dead Don’t Die – Sacred Bones Records 2019

Von Matthias Bosenick (14.11.2019)

Wahrscheinlich liegt es daran, dass man den Zombie-Film auch schon nicht so gut fand, dass einen dieser Soundtrack ebenso wenig überzeugt. Es wäre vielleicht sogar anders ohne die zwischengestreuten Dialogschnipsel, denn die Musik der Band von Regisseur Jim Jarmusch ist an sich ganz akzeptabel, aber auch sehr anders als das, was man von Sqürl ansonsten kennt: weniger Drones, mehr elektronisches Geplucker. Ganz nett insgesamt, und das ist schon beinahe eine Abwertung.

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Opeth – In cauda venenum – Moderbolaget/Nuclear Blast 2019

Von Matthias Bosenick (08.11.2019)

Man möchte mit Wane Hussey rufen: „Give me ‚Deliverance‘!“ Aus den schwedischen Black-Death-Prog-Metallern ist eine Dudelcombo geworden, deren Pseudo-Retro-Rock wie ein Verbund aus Plastik und Pappe klingt. „In cauda venenum“, „Das Gift ist im Schwanz“, ist das inzwischen vierte Album, das vom Ur-Sound der Band in diese Richtung abweicht, und damit das vierte Argument, sich anderen Metalkünstlern zuzuwenden oder eben das Altwerk zu bevorzugen. Dieses Album nervt.

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Anuseye – 3:33 333 – Vincebus Eruptum Recordings 2019

Von Matthias Bosenick (04.11.2019)

Wenn das erste Hören des Albums im Laden des Labelbetreibers von der Vinyl-Vorabpressung erfolgt, hat man ohnehin eine ganz spezielle Verbundenheit zu dieser Musik. Das allein macht „3:33 333“ aber nicht so hörenswert: Die Süditaliener aus Bari ordnen sich im Heavy-Psych-Rock ein, was bedeutet, dass man die Rauchschwaden ganz gut heraushört, die musikalische Grundstruktur auf massiven Blues-Fundamenten fußt und das Quartett nicht nur melodieverliebt gniedelt, sondern zwischendurch auch fröhlich experimentiert. Auch beim dritten Album bleibt der Bandname Anuseye zwar scheiße, ist die Musik aber im Vergleich zum Vorgänger ein erhebliches Stück gereift. Transparentes gelbes Vinyl!

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The Messthetics – Anthropocosmic Nest – Dischord 2019

Von Matthias Bosenick (14.10.2019)

Die Leute, die damals den Hardcore miterfanden, gehen heute in ganz andere Richtungen als diejenigen, die sich davon heute inspirieren lassen: Auch auf dem zweiten Album von The Messthetics ist von der Extremvariante des Punk nur noch in homöopathischen Verhältnissen etwas auszumachen. Das Trio bewegt sich instrumental durch jazzinduzierten, partiell noisigen Indierock alter Schule, also gelegentlich recht nahe an dem Sound, den Fugazi erst gegen Ende ihrer Existenz auf die Hardcorehörer losließen. Was Wunder, sind doch zwei Fugazi-Mucker jetzt bei The Messthetics. Dieses zweite Album ist sogar noch experimenteller und aufregender als das Debüt.

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Alkmini Laucke Metallinou – Songs Of Mikis Theodorakis – Alkmini Laucke Metallinou 2019

Von Matthias Bosenick (04.10.2019)

Von wegen, am sonnenbegünstigten Mittelmeer wäre jede Musik sofort hedonistisch! Mikis Theodorakis (Μίκης Θεοδωράκης) ist so eine Art Griechischer Heiliger, und wie sehr dieser Künstler die Melancholie auslebt, veranschaulicht die Ex-Braunschweigerin mit griechischen Wurzeln Alkmini Laucke Metallinou auf ihrem Solo-Debüt. Die Mezzosopranistin lässt sich von ihrem langjährigen künstlerischen Partner Holger Becker am Piano begleiten, und wie schon unter dem kabarettistischen Alias „Die Vorhanggucker“ passt diese Kombination wunderbar. Zumeist reduziert lässt Becker der Stimme den Vorzug, verbirgt sein ausuferndes Können aber nicht vollends. Das Album ist Musik für den Rotwein am Abend, sagt die Sängerin, und das stimmt wohl.

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