Toni Erdmann – Maren Ade – D 2016

Von Matthias Bosenick (19.07.2016)

Fremdschäm – Der Film: Wären da nicht die unerschütterlich reagierenden anderen Figuren, man versänke andauernd im Erdreich vor lauter Schamgefühl den beiden Hauptcharakteren gegenüber. Die Unternehmensberaterin Ines und ihr Vater Winfried bringen in Bukarest Manager und Jetset durcheinander, und das alles nur, weil sie sich von einader und vom eigenen Leben entfremdet haben. Regisseurin Maren Ade schont niemanden und hält bis zum Exitus drauf. So kommen locker zweieinhalb Stunden Film zusammen, in denen man sich schon bisweilen fragt, ob eine Stunde weniger die Wucht aus dem Ablauf genommen hätte. Denn der Film ist so hyperrealistisch, dass der Kontrast zu den absurden Sequenzen dadurch erst so bewusst wird.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kino

Akte X: Die neuen Fälle – Chris Carter – Fox 2016

Von Matthias Bosenick (16.07.2016)

Das ist also das Reboot mit sechs Episoden, ein gutes Dutzend Jahre nach dem Aus der Serie und acht Jahre nach dem letzten Kinofilm. Man fragt sich: War „Akte X“ schon immer so öde und unstringent und man hat es nur deshalb nicht gemerkt, weil man die Serie kontinuierlich verfolgte und sich so schleichend an den Verfall gewöhnte? Oder ist die zehnte Staffel tatsächlich besonders mittelmäßig geraten? Hier halten sich Gut und Schlecht die Waage, was sich somit leider zuungunsten von Gut auswirkt. Immerhin: David Duchovny und Gillian Anderson sind die weitaus besseren Schauspieler als der Nachwuchs, der hier zu etablieren versucht wird. Ein Hoch auf die Alten!

Weiterlesen

Sonic Wolves – Before The End Comes – Taxi Driver Records 2016

Von Matthias Bosenick (09.07.2016)

Verdammt: Indianer! Extrem tief verwurzelt in psychedelisch heavyrockenden Siebzigern, hieven die vier Musiker aus Alessandria bei Genua den Stoner Rock ins Classic-Rock-Regal, nur rotziger. Man hört diesem Debüt an, dass sie allesamt schon zum Teil langjährige Erfahrungen in anderen Bands haben; genannt seien hier unter anderem Pentagram und Ufomammut. Das gibt auch grob die Spannweite dieses gut halbstündigen Albums wieder.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Album

High-Rise – Ben Wheatley – GB 2015

Von Matthias Bosenick (08.07.2016)

Ach ja, da war ja noch was: An sich ist „High-Rise“ gar nicht so übel, aber kaum kommt man aus dem Kino, hat man den Film schon vergessen. Das liegt zum einen an den wenig Identifikation stiftenden Figuren und zum anderen an der Erzählweise, die nach der Einführung der Thematik den interessantesten Teil im Schnellverfahren durchhudelt und sich dann auf die plakativen Standards Sex und Gewalt konzentriert. „High-Rise“ ist eine Gesellschaftsanalyse, die recht treffend ist, aber ein immanentes Schulterzucken transportiert, das der unterstellten Intention entgegenwirkt. Man kann auch sagen: „High-Rise“ ist das längste Musikvideo, das Portishead je gemacht haben.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kino

Swans – The Glowing Man – Young God Records/Mute 2016

Von Matthias Bosenick (02.07.2016)

Überraschend unlärmig ist der – ja, auf das Wortspiel kommt jeder – Schwanengesang der jüngsten Swans-Inkarnation. Leichte Kost wird dieses zweistündige Album dennoch für die meisten Menschen kaum sein. „The Glowing Man“ klingt, als hätten Michael Gira und seine nicht mehr lange um ihn kreisenden Mannen das Vorgängeralbum „To Be Kind“ entkernt und hier die herausgearbeiteten Kerne neu verfugt. Repetetives Ausufern ist die Basis der meisten Stücke, mit flirrenden, nur latent dissonanten Semimelodien darüber. Selbst das Tempo bleibt reduziert, die musikalische Wucht dadurch aber kaum. Was man mit den herkömmlichen Bandinstrumenten nicht alles selbst im Jahre 2016 noch Unerhörtes kreieren kann. Respekt, ihr alten Männer!

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Album

Lassigue Bendthaus – Matter – Dark Entries 2014 (Original 1991)

Von Olaf Krautwurst (30.06.2016)

Eigentlich wollte ich aus Zeitgründen keine Rezensionen mehr schreiben. Warum ich dies nun doch wieder mache, ist einfach erklärt. Ich habe angefangen, mir wieder Schallplatten, ja Vinyl, zu kaufen und da ich mich daran so erfreue, möchte ich euch hier ein paar Sahnestücke meiner Einkäufe vorstellen.

Weiterlesen

The Neon Demon – Nicolas Winding Refn – USA/DK/F 2016

Von Matthias Bosenick (29.06.2016)

Das Modeldasein frisst Dich auf. Okay. Bekannte Erkenntnis. Und weiter? Nix weiter. Nicht in „The Neon Demon“ zumindest. Der Film ist so glatt wie die Gesellschaft, die er darstellt. Da gibt es keinen Bruch und keinen Tiefgang. Die Handlung ist so plump, dass der Film sogar komplett ohne sie deutlich attraktiver geworden wäre. Man sieht, wer oder was Nicolas Winding Refn gern gewesen wäre, aber geworden ist er es nicht. Nett zu betrachten, mehr nicht – und das ist sicherlich nicht der Effekt, den das vermeintliche Enfant Terrible sich hiermit erhofft hat.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kino

Der Weg einer Freiheit, Fäulnis, Fit For An Autopsy, Ära Krâ – Live im Jugendhaus Ost in Wolfsburg, 24. Juni 2016

Von Matthias Bosenick / Fotos von Nils Koopmann und Matthias Bosenick (25.06.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Von Würz- nach Wolfsburg: Die schonnichtmehrjunge Neo-Black-Metal-Hoffnung Der Weg einer Freiheit gibt sich ein Stelldichein im sympathischen selbstverwalteten Jugendhaus Ost in Wolfsburg. Als Beifang bekommt man die metalbasierte Stilmixbesonderheit Fäulnis aus Hamburg, die Deathcorer Fit For An Autopsy aus New Jersey und die Postschwarzmetaller Ära Krâ aus Berlin dazu. Ein herrlich breites Spektrum und eine lustige Party nicht nur für langhaarige Schwarzgewandete. Für die inoffizielle Rahmenunterhaltung sorgen Patch-Bingo und eine Werprinzessin.

Weiterlesen

Gojira – Magma – Roadrunner Records 2016

Von Matthias Bosenick (21.06.2016)

Magma ganich glaum, dass sich Gojira von Album zu Album weiterbewegen. Zwar benennt die französische Metalband ihr sechstes Album nach der wichtigsten französischen Progband, doch nimmt sie den Proganteil in ihrem Death Metal bedauerlicherweise weit zurück. Noch nie waren Gojira-Songs eines ganzen (hier nicht mal 45-minütigen) Albums so kompakt wie auf „Magma“. Stattdessen arbeiten sie ihre anderen Qualitäten aus: Harmonien, Melodien, Instrumentenbeherrschung, Wucht, Most, Atmosphären, Fingerfertigkeit, Stilmix. Es gibt im zeitgenössischen Metal kaum eine bedeutsamere Band als diese. Das untermauert „Magma“. Punkt.

Weiterlesen

Tribute – Terra Incognita – Sireena Records 2016 (Original 1990)

Von Matthias Bosenick (19.06.2016)

Nicht Totengräber, sondern Schatzsucher sind die Leute von Sireena: Hiermit veröffentlichen sie den Schwanengesang des schwedischen Progkonglomerats Tribute (ungeschickter Name aus der Prä-Google-Zeit). Interessanterweise klingen viele zeitgenössische Progalben so ähnlich, „Terra Incognita“ (nicht zu verwechseln mit dem grandiosen Debüt von Gojira) könnte genau so auch von heute sein. Das sagt einerseits etwas über das vermeintlich Neue im Biz dieser Tage aus und andererseits über die offenbar nicht flächendeckend ausgefallene Berücksichtigung der Band im weltweiten Progkosmos. Zumindest mir sind sie vorher nicht untergekommen. „Terra Incognita“ ist so abwechslungsreich, dass im Wortsinne für fast jeden etwas Ansprechendes dabei ist – aber auch etwas, das er vielleicht nicht so mag.

Weiterlesen