Friedrich Liechtenstein Trio – Live beim Festival Theaterformen am Haeckelschen Gartenhaus in Braunschweig, 17. Juni 2016

Von Matthias Bosenick (18.06.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Wenn jemand durch eine Fernsehwerbung zum Star wird, hat er bei mir Schwierigkeiten, dass ich ihn nicht mit Leuten wie Verona Pooht in einen Topf werfe und ignoriere. Wenn derjenige aber in diesem TV-Spot mit einer salbungsvollen Stimme von sich Reden macht, die Musikpostille sein nachgeschobenes Album „Bad Gastein“ lobhudelt und dieser Mensch dann auch noch an einem Freitagabend beim Festival Theaterformen auftritt, so hat er zumindest meine skeptische Aufmerksamkeit. Friedrich Liechtenstein nun nutzt diese und schlägt vom ersten Kontakt an bei mir ein wie eine Bombe: Der Mann ist phänomenal, fast bin ich sogar dazu geneigt, ihn „supergeil“ zu finden, wäre dieses Attribut nicht viel zu offensichtlich. Diesen Edeka-Song indes spart er mit seinem neuen Trio aus. Stattdessen gibt es enorm vielschichtige Ambientgeschichten, Soulchansons und Erwachsenenclubmusiken. Völlig unerwartet und absolut hörenswert. Ich bin hin und weg.

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Stereo Total – Live beim Festival Theaterformen, Haeckelsches Gartenhaus, Braunschweig, am 11. Juni 2016

Von Matthias Bosenick (12.06.2016, editiert am 14.06.2016) / Auch erschienen auf Kult-Tour Der Stadtblog

An diesem Braunschweiger Turbosamstag kommt selbst an nur einer Veranstaltung schon zweierlei Gigantisches zusammen: Das Livemusikprogramm des Festivals Theaterformen findet wie immer am Haeckelschen Gartenhaus statt, das seinerseits dieses Mal Bestandteil des am selben Tag eröffneten vierten Lichtparcours’ ist. So ist der idyllische Platz heute trotz des immensen Konkurrenzprogramms so voll, wie ich ihn beim Festival Theaterformen noch nie erlebt habe. Der Grund ist sicherlich die Band dieses Abends: Stereo Total. Nicht ganz mein Fall, aber hierher lockt mich ohnehin mehr als nur die Musik.

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Outside The Box – Philip Koch – D 2015

Von Matthias Bosenick (09.06.2016)

Zynisch und spöttisch, gutes Drehbuch, gute Dialoge, aber Laiendarsteller: „Outside The Box“ ist trotzdem ein guter Film, der die Managemenschen und das Wirtschaftssystem in allen Fassetten bloßstellt. Ein herrlicher Spaß, der durchaus auch besser sein könnte, aber in seiner Form schon sehr zufriedenstellt. Leider kein „Bang Boom Bang“, aber gottlob auch kein Schweiger-Schweighöfer.

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Melvins – Live im Logo, Hamburg, am 7. Juni 2016

Von Matthias Bosenick (08.06.2016)

Ist das noch Metal? Ach nee, war’s ja nie. Als Trio knüppeln die Melvins das Logo trotzdem in Schweiß und Boden, mit einer Stilvielfalt, wie sie andere im Leben nicht mal zu Gehör bekommen. Sludge und Punk und vieles dazwischen. Kein Wunder, dass es irgendwann selbst im tosendsten Moshpit nach Kiffe riecht: geht beides. Eines nur lässt den Zuschauer etwas unberührt: Es kommt kein Kontakt zwischen Band und Publikum zustande, das Konzert endet kommentarlos nach CD-tauglichen 80 Minuten. Trotzdem: geil gewesen.

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Akasha Project – Spheres (Outside/Inside) – Klangwirkstoff Records 2016

Von Matthias Bosenick (06.06.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Wie aus einer Zufallsbekanntschaft die Tür zu einem neuen Universum wird, und das mit Blick auf das neue Album im doppelten Sinne: Barnim Schultze veröffentlichte unter seinem Ambient-Alias Akasha Project dank Crowdfunding ein Doppel-Album, auf dem er das Konzept seiner bisherigen Werke und der vorausgegangenen Liveshows vertieft; die „Kosmische Oktave“ sei hier als schnelles Stichwort genannt. Er errechnete aus den Frequenzen von sehr großen und sehr kleinen sich drehenden Dingen eine Tonhöhe und einen Takt und komponierte drumherum chillige Trancestücke. Für den Dancefloor ist das nicht geeignet, auch live erzeugt Schultze etwas mehr Dynamik – aber eine träumerische Entdeckungsreise ist das Album mindestens. Hier passiert mehr, als man zunächst wahrnimmt. Und hier gilt das Rock’n’Roll-Diktum: laut aufdrehen!

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Fear Of Domination – Atlas – Inverse Records 2016

Von Matthias Bosenick (03.06.2016)

Shock Metal“ nennen Fear Of Domination ihre Musik. Das ist so beliebig wie für jeden unzutreffend, der sich schon mal mit Metal befasst hat. Der Metal hier ist druckvoll uptempo groovend mit Keyboardbegleitung, Geschrei und Popinterludien – also typisch finnisch. Nicht schlecht, aber auch nicht innovativ. Doch je öfter man das vierte Album „Atlas“ hört und zufrieden feststellt, dass es gar nicht so richtig nervt, desto mehr mag man es dann. Das wiederum haben Fear Of Domination vielen anderen zweitrangigen Metalbands voraus.

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The Witch – Robert Eggers – USA 2015

Von Matthias Bosenick (01.06.2016)

Was „The Witch“ fehlt, ist die zweite Ebene. Er bildet lediglich einige Sagen aus den Wäldern Neuenglands zu Zeiten der Puritaner ab, ist mithin so geradlinig, dass er überraschungsarm bleibt. Darüber hinaus ist er auch noch extrem flach und wiederholt die wenige Handlung unablässig. Nicht zuletzt erinnern die markanten Merkmale zu sehr an andere Filme. Das ist sehr verschenkt, weil die Grundidee ganz gut ist. Aber ein paar dunkle Baumstämme reichen heute nicht mehr zur Gruselatmosphäre.

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Underworld – Barbara Barbara, We Face A Shining Future – Caroline/Universal 2016

Von Matthias Bosenick (21.05.2016)

Barbara Barbara, wo führt das alles hin? Underworld sind eine der wenigen Bands, die in ihrer Karriere kein lediglich mittelprächtiges Album unter die Leute brachten. Selbst die eher unbeliebten ersten zwei Nicht-Techno-Alben sind gut, ebenso das Vorgänger-Projekt Froeur. Mit „Barbara“ verhält es sich indes etwas anders, ein bisschen wie mit „The Slip“ von den Nine Inch Nails: Die Knallersongs sind richtig geil, aber dazwischen tummelt sich zu viel Füllstoff. Also nicht schlecht, aber. Trotzdem bleiben Underworld einfach mal verlässlich gut. Und nie zuvor hat jemand so ansteckend „Bla bla“ gesungen.

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Solbrud – Tape – Solbrud 2016

Von Matthias Bosenick (17.05.2016)

Die Jugend ist noch oldschool! Zumindest, was die Darreichungsform ihrer Musik betrifft, nicht ihre Musik: Als „Tape“ veröffentlichen die Jungzwanziger von Solbrud aus Kopenhagen ihren modernen Black Metal. Enthalten sind ein neuer und ein Live-Track, zusammen über 20 Minuten Musik – und komplett frei von Downloads und Streaming. Man braucht wirklich ein Kassettenabspielgerät. Und Tempo, denn von den 120 Exemplaren kommen nur 100 in den Vertrieb.

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Beledo – Dreamland Mechanism – Moonjune Records 2016

Von Matthias Bosenick (16.05.2016)

Wer diese Art von Fusion Jazz vorgesetzt bekommt, sie aber nicht gewohnt ist, mag von der schieren Progressivität überfordert sein. Dabei passieren die musikalischen Absonderlichkeiten hier gar nicht so vermeintlich unübersichtlich wie beispielsweise beim Free Jazz; es ist doch etwas dichter am Progrock. Und wer sich für die Hörspielmusik des Europa-Labels der Jahre 1979 bis 1984 begeistern kann, also für Bert Brac alias Carsten Bohn schwärmt und idealerweise auch noch dessen „Brandnew Oldies“ im Schrank hat, bewegt sich mit „Deamland Mechamism“ auf einigermaßen vertrautem Terrain. Mit weltbewegenden Gastmusikern.

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