One More Time With Feeling – Andrew Dominik – AUS 2016

Von Matthias Bosenick (09.09.2016)

Interesse wecken durch Verknappung: „One More Time With Feeling“, die Dokumentation zum neuen Album von Nick Cave & The Bad Seeds mit dem Titel „Skeleton Tree“, läuft weltweit nur einmal in den Kinos, und zwar am Vorabend der Albumveröffentlichung. In dem fast zweistündigen Film offenbart der Bandchef Einblicke in seine Seele, die der Tod seines Sohnes traumatisierte. Die Auswirkungen schlagen sich in Texten und Musik seiner Bad Seeds nieder. Ergreifend, überwiegend schwarzweiß, musikalisch unerwartet, poetisch und trotzdem nicht frei von Humor.

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Krüger – Banana Holiday – Bauchpfannen Aufnahmen 2016

Von Matthias Bosenick (04.09.2016)

Der Mann kann nicht ohne Melancholie. Auch auf einem augenscheinlichen Sommeralbum wie „Banana Holiday“ dringt sie aus fast allen Liedern. Daran ändert auch die dreijährige Pause seit dem Vorgängeralbum „Der Masterplan“ nichts: Krüger bleibt seiner Grundstimmung treu. Musikalisch unterscheidet sich „Banana Holiday“ stark vom Vorgänger: Das Album klingt im Schlagwerk synthetischer, die Gitarren tragen nicht mehr die Vorliebe für rockigen Britpop im Sound. Zu diesem Sommeralbum würden sich Hedonisten aufhängen, für sensible Gemüter hingegen ist es erheiternd und stimulierend. Ein bemerkenswerter Hybrid also.

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New Model Army – Winter – Attack Attack 2016

Von Matthias Bosenick (03.09.2016)

New Model Army sind eine der wenigen langlebigen Bands dieser Erde, die noch kein einziges schlechtes Album veröffentlicht haben, und auch das 14. Album „Winter“ ist wieder gut geworden. Anders als die Vorgänger „Between Dog And Wolf“ und „Between Wine And Blood“ sind auf „Winter“ die seinerzeit erstmals starken perkussiven Anteile wieder zurückgenommen, an ihre Stelle tritt der Wille zum reinen Rock. Nicht heavy, aber mit der gewohnten gebremsten Heftigkeit und einem Hang zur Atmopshäre; die 13 Stücke sind mehrheitlich im gehobenen Midtempo gespielt. Zur Sache geht es vielmehr in den Texten, auch das ist vertraut. Und Justin Sullivan (60) hat einfach eine geile Stimme.

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Harri Kauppinen – Helvetin laulut – Concorde Music Company/Inverse Records 2016

Von Matthias Bosenick (31.08.2016)

Ein einsamer Mann mit langen, dünnen schwarzen Haaren, die unter einer schwarzen Wollmütze hervorsprießen, sitzt im herbstwinterlich kahlen Wald und tippt murmelnd auf seiner Schreibmaschine herum. Zwischendurch holt er seine Klampfe heraus und intoniert dunkle, doomige, folkige Gothicrocksongs auf halblustigem Finnisch. „Höllenlieder“, wie der Albumtitel „Helvetin laulut“ übersetzt heißt. Harri Kauppinen war einst Sänger der Darkmetaler Beyond The Dream, von denen auch keiner je etwas gehört hat. Sein Debyyttialbumi indes überrascht: Besonders der harte finnische Zungenschlag, den man dank Eläkeläiset eher in Lustig kennt, kontrastiert den gar nicht so stark klischeebeladenen schleppenden Gruftrock sehr angenehm.

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The Shallows – Jaume Collet-Serra – USA 2016

Von Matthias Bosenick (30.08.2016)

Hei, was für ein Spaß für eine junge Frau: Surfen an einsamem mexikanischen Strand, lustige Leute treffen, Wellen, Wind und Wetter spüren und dabei den Krebstod der Mutter verdrängen. Die Trauer bekommt jedoch plötzlich eine Gestalt, und zwar die eines mörderischen Hais, der es auf die eskapistisch verblendete Blondine abgesehen hat. Dieser Film macht ganz viel ganz richtig und ist enorm spannend. Und: „The Shallows“ hat mehr mit dem „Weißen Hai“ gemein als dessen Sequels.

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The Tubes – The Musikladen Concert 1981 – Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (21.08.2016)

Niemand kennt The Tubes, außer Nina Hagen, und die will wiederum niemand kennen. Sie coverte den Tubes-Song „White Punks On Dope“ nur drei Jahre später, also 1978, als „TV-Glotzer“; das dürfte zumindest für einen Aha-Effekt reichen. Davon jedoch sollte man nicht auf das vorliegende Konzert schließen: Nicht nur fehlt „White Punks On Dope“ offiziell in der Setlist, die Band gebar sich zudem 1981 vorrangig als Show- und Theatertruppe mit Musikuntermalung, die mit Punk möglicherweise die Haltung, weniger jedoch die Musik gemein hatte. Am ehesten ist der Sound vergleichbar mit dem der Talking Heads aus der Zeit, und als Vertreter der CBGB-Szene gehörten die ja irgendwie doch noch zum Punk. Inspiriert haben dürfte die Show Musiker wie Deichkind oder Wayne Coyne, der vieles davon mit seinen Flaming Lips exponenzierte.

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The Claypool Lennon Delirium – Monolith Of Phobos – Prawnsong 2016

Von Michael „Schepper“ Schaefer (19.08.2016)

Moin.

Ui, die kreativen Tausendsassas Les Claypool (Bass, Gesang) und Sean Lennon (Gesang, Gitarren, Mellotron, Drums) auf einem Album? Das könnte ja interessant werden. Und das wurde es auch.

Währen man Herrn Claypool als Bassisten extraordinaire von u.a. „Primus“ oder „Oysterhead“ kennt (übrigenz einer der wenigen Bassisten, bei denen mir die Slap-Technik nicht auf den Sack geht), ist Sean Lennon als Sohnemann berühmter Eltern als Musiker u.a. bei der „Plastic Ono Band“ und bei „the ghost of a saber tooth tiger“ unterwegs. Auch das coole Artwork von CD-Cover und Booklet gehen auf sein Konto.

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Julieta – Pedro Almodóvar – E 2016

Von Matthias Bosenick (10.08.2016)

Eine Wohltat, dieser Film: Er ist in mehr als nur einem oder zwei Aspekten gut. Er hat ein großartiges Ende, schöne Bilder, eine mitnehmende Geschichte, passende Musik, attraktive Figuren, eine überzeugende psychologische Basis und geschickt ausgelegte Selbstreferenzen. Jede Komponente für sich allein genommen hätte ohne die anderen keinen guten Film ergeben, aus allen zusammen kreiert Almodóvar, wie sich das frühere Entfant Terrible des europäischen Kinos inzwischen nur noch nennt, ein wahres Kunstwerk. Man verlässt das Kino mit einem „wow“ auf den Lippen.

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Van Damned – 4 Track Demo CD – Van Damned 2014

Von Matthias Bosenick (02.08.2016)

Yes, I want it, and I need it: Mit nur vier Songs empfehlen sich die musikhistorisch regional stark aktiven drei Jungs von Van Damned für eine Live-Performance mit erwartbar astreinem Partycharakter. Macht die behaarten Oberkörper frei, Männer, und holt die Luftgitarren raus: Hier rockt der Blues nach Art der Siebziger, er lässt dabei reichlich Platz für Verspieltheiten. Das Trio beherrscht eine ansteckende Dynamik, die sich nicht hinter vordergründigem Rockertum verstecken lässt. Wenn diese Vorgeschmacks-CD auch nur ansatzweise exemplarisch für den Livespirit stehen sollte, ist da sicher einiges rauszuholen. Auch ohne Clubatmo lässt die CD die Füße wippen und den Kopf nicken. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass diese CD live im Studio eingespielt wurde – das merkt man. Yes, I want it!

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Rosi – Grey City Life – In A Bad Mood 2016

Von Olaf Krautwurst (27.07.2016)

Als erstes muss ich mich bei Guido Wein aus Hameln bedanken, der mir in unserem Gespräch auf dem Owls’n‘Bats-Festival die Band Rosi empfohlen hat. Ohne Guido würde es entsprechend die Rezension nicht geben. Als ich nun sah, dass das Album „Grey City Life“ bestellbar war, wurde spontan mein Interesse geweckt und ich bestellte ein Exemplar der LP, welches auch zwei Tage später bei mir eintraf. Wie ich am Empfangstag erfuhr, bekam ich die LP durch meine Direktbestellung als einer der ersten und weit vor dem offiziellen VÖ im September 2016.

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