Radiohead – A Moon Shaped Pool – XL Recordings 2016

Von Matthias Bosenick (18.10.2016)

Endlich ist auch die speziell verhüllte Vinylversion des jüngsten Radioheadwerkes draußen: Als Doppel-LP im wunderschönen Album mit Buch und sogar zwei CDs, zwei Bonustracks mithin. Das können Radiohead, Wertanlagen schaffen. Und gute Musik: Erfolgreicher kann komplexe progressive kreative eigensinnige Rockmusik dieser Tage einfach nicht sein. Was seltsam genug ist. Welt, hör Qualität! Die bekommst Du auch auf „A Moon Shaped Pool“, aber einmal mehr anders dargereicht als noch zuvor. Ruhiger nämlich. Mit weniger verstörenden Geräuschen und Experimenten. Aber auch mit noch weniger Rockmusik. Die Musik ist träumerisch, aber nicht leichtfüßig: Das Dunkle lauert überall. Darauf muss man sich einlassen können. Und dabei entspannt im Büchlein blättern. Und sich über „Spectre“ auf CD freuen.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Blank Expression – Vertigo/Capitol/Universal 2016

Von Matthias Bosenick (15.10.2016)

Sicherlich, Phillip Boa ist einer der kreativsten und umtriebigsten Indiemusiker des Landes (Malta). Aber. Seit Jahrzehnten schon gibt es Anlass, sich über seine Veröffentlichungspolitik zu wundern, mit limitierten Bonus-12“es, Bonus-Tracks, Rereleases mit davon abweichenden Bonus-Tracks, Best-Ofs mit Exklusivtracks, limitierten Versionen mit abweichenden Extrasongs zur Standardversion und so weiter. „Blank Expression“ setzt diesem Vorgehen die Krone auf: Der Fan bekommt ein neues Studioalbum namens „Fresco“ lediglich als Bonus der limitierten Version einer neuen Best-Of. Nun kann man sagen: Lustiger Einfall, der Sammler erhält ein Geschenk. Oder auch: Boa ist sich der Irrelevanz seiner neuen Musik so gewiss, dass er sie lediglich versteckt veröffentlicht. So geil sein Indierock auch ist: Letzteren Eindruck verfestigt das Album. Leider. Zunächst.

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Die Insel der besonderen Kinder (Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children) – Tim Burton – USA/B/GB 2016

Von Matthias Bosenick (13.10.2016)

So sehr man Tim Burton auch vergöttert, nicht zwingend jeden seiner Filme will man mehr als einmal sehen („Sweeney Todd“), manche sogar nicht mal überhaupt einmal („Big Eyes“). Es war Zeit für einen neuen Lieblingsfilm von ihm, und „Die Insel der besonderen Kinder“ ist dies ganz leicht. Gute Geschichte, zweckdienliche Effekte, pralle Ideen, morbid-brutale Überraschungen, stringente Erzählung: Burton schöpft aus dem Vollen, aus dem er schon so viele andere Meisterwerke fütterte. Schön auch in 3D.

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Axel Klingenberg – Die Wahrheit über Niedersachsen – Verlag Andreas Reiffer 2016

Von Matthias Bosenick (12.10.2016)

Die Wahrheit über „Die Wahrheit über Niedersachen“ ist, dass Axel Klingenberg hier mit Fleiß und aus eigenen Erlebnissen einen zeitgleich sachlichen und unsachlichen Blick auf das zweitgrößte Bundesland der Republik wirft (Niedersachsen ist sogar größer als ganz Dänemark). Das etwa lückenhafte Ergebnis fällt aber nur denjenigen Lesern auf, die schon mal in diesem Land zwischen Bergen (Harz) und Meer (Nordsee) unterwegs waren (also in der Heide), denn Klingenberg zieht hier mit einer wohl platzbedingten Eile ins Feld, die über Lücken einfach hinwegfegt. Sein Tonfall wechselt dabei zwischen ironisch und bitterernst, den Themen angemessen. Als Reiseführer dient dieses Büchlein zumindest anteilig, das ist nicht die Hauptintention; in den meisten Fällen liegt das aber auch einfach am betrachteten Gegenstand: Wer nach Niedersachsen will, fährt eben schlicht in die Berge, ans Meer oder in die Heide und braucht dafür keine Details. Die es dennoch gibt und die den Blick lohnen.

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The Mission – Another Fall From Grace – Eyes Wide Shut/SPV 2016

Von Matthias Bosenick (06.10.206)

Und plötzlich klingen The Mission wieder wie The Mission, wie viele es sich seit Jahrzehnten wünschen und wie man es als jemand, der sich auch mit den Abwegen einverstanden sieht, trotzdem lieben kann. Der Gothic Rock der Engländer ist jetzt also wieder weicher, waviger, hymnischer, schöner als beim Comebackalbum „The Brightest Light“. Das war so grobschlächtig, dass viele Fans sich abwandten; zu Unrecht natürlich, denn es war ein gutes Album, gerade deshalb. Doch scheint sich Bandchef Wayne Hussey damit ausgetobt zu haben, denn „Another Fall From Grace“ könnte auch ungefähr rund um „Children“ und „Carved In Sand“ stattgefunden haben. Die limitierte Version des Albums ist indes nur so halb wichtig.

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The Wedding Present – Going, Going … – Scopitones/Cargo 2016

Von Matthias Bosenick (04.10.2016)

Going, Going …“ beginnt mit dem Outro. Mit vier Outros sogar. Denen folgen dann noch 16 Stücke, die musikalisch in allen Lebensphasen von The Wedding Present verankert sind. Die Engländer sind ja schon lange nicht mehr die reinen Schrammelkönige wie in den Achtzigern, sondern auch harmonische Indierocker mit Tiefgang und Dunkelheit. Und auch mal Spaß. An Sexualität sicherlich, wenn er denn schon so oft betrogen wird, der David Gedge. Die Rückkehr der Frauenstimme im Duettgesang ist erfreulich, das Album gut, und wer etwas Geld investiert, bekommt es als Büchlein mit Bonus-CD. Man kann von The Wedding Present ja nie genug bekommen.

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Myrkur – Mausoleum – Relapse Records 2016

Von Matthias Bosenick (01.10.2016)

Ach, dieser Metal, und dann auch noch der Schwarze! Amalie Bruun bringt ihr drittes Werk heraus, das sie unter dem Namen Myrkur in den Black Metal einsortiert. Dafür bekommt sie aus der Ecke jener Fans ordentlich Schelte, weil ihre Musik nicht dem klassischen Wesen des Genres entspricht, aber dafür umso mehr Aufmerksamkeit von aufgeschlossenen Leuten. In einem Osloer „Mausoleum“ nun nahm die Dänin mit dem isländischen Namen (Dunkelheit) unter Zuhilfenahme eines Pianos und eines Kinderchores eine EP live auf. Sakral, folkloristisch, besinnlich, schön.

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Ziguri – Onetwothreefour – Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (28.09.2016)

Das Label Sireena hat ein Händchen dafür, Bands zu veröffentlichen, deren Namen und Albumcover aussehen wie aus einer Rockmusikpersiflage. Und wie bei Sireena ebenso üblich, sollte man sich davon nicht beirren lassen. Ziguri sind drei alte Männer mit Krautrockerfahrung, die seit kurzer Zeit wieder zusammen musizieren und der Jugend mal zeigen, was man alles aus den gegebenen Instrumenten so herausholen kann. Hier dudelt, dröhnt, rockt, gniedelt, rumpelt, spacet es nach Herzenslust und ohne zeitliche Beschränkung. Die Musik bildet Kreise, die sie als Grundlage für Experimente nutzt. Was ist das: Speed Ambient, Rock Goa, Stoner Krautrock, Psychedelic Postrock? In jedem Fall: beachtlich gut.

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B. Trinker (Hg.) – Braunschweig schön trinken – Verlag Andreas Reiffer 2016

Von Matthias Bosenick (26.09.2016)

Stimmt schon, bisweilen muss man sich „Braunschweig schön trinken“. Ist aber keine ganztägige tägliche Lösung. Besser, man sucht sich in der Stadt seine Eckchen, die man schön findet. Vorliegendes Kompendium bietet dazu eine Betrachtung beträchtlicher Kneipen an, von denen einige definitiv Inseln des Schönen sind. Die Betrachter rekrutieren sich hier aus jungen Kunststudenten und alteingesessenen Trinkerprobten. Da die HBK Auslöser für das Projekt war, tat es diesem gut, dass sich die Autorenschaft durchmischt. Vollständig ist diese Übersicht natürlich nicht, aber ausreichend kenntnisreich selektiert.

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Blinky Blinky Computerband – For A Better World – Blinkypix 2016

Von Matthias Bosenick (09.09.2016)

Auf seinem neuen Album „For A Better World“ gibt Olaf Krautwurst seiner selbstgewählten Stilbezeichnung „Strange Electro Pop“ für sein Projekt Blinky Blinky Computerband eine gewaltige Ladung zusätzlicher Durchschlagskraft: So abwechslungsreich wie hier war sein elektronisch dominierter Sound noch nie. Das liegt nicht nur an seiner eigenen großen Bandbreite in synthetischer Musik, sondern auch an seinen Gastmusikern, allen voran Michael Arnold alias Arni, der auf fast der Hälfte der Songs an der E-Gitarre zu hören ist. Und außer der des Schreibers dieser Zeilen und des Synergy-Bandchefs Henning Reuter sticht besonders eine Gaststimme hervor: die von Darrin Huss, seines Zeichens Kopf des einst kanadischen Synthie-EBM-Projektes Psyche. Ja, hier geht was!

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