The Tiger Theory (Teori tygra) – Radek Bajgar – CZ 2016

Von Matthias Bosenick (12.11.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Ah, das ist endlich mal wieder europäisches Kino ohne Weichspüler: Der Humor hier unterscheidet sich stark von der französischen Komödie und vom Hollywood-Strandard. „The Tiger Theory“ ist sarkastisch und lakonisch, schwarzböse mithin, und das so beiläufig, dass die Dialoge doppelt sitzen. Veterinärveteran Jan hat nach 40 Jahren Ehe die Schnauze voll von heiler, aber fremdbestimmter Welt und lässt sich angesichts kastrierter Kater und fehldiagnostizierter Gedächtsniskrankheiten bei Graupapageien erfolgreich dazu hinreißen, seiner Familie Alzheimer vorzugaukeln. Spannend sind hier die vielen Charakterentwicklungen, kollidierenden Lebenswelten und beratungsresistenten Stillstände sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Charaktere. Da rückt die nur wenig ausgefeilte Bildsprache in den Hintergrund: Der Film ist gut.

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DeXit – Lars Jordan – D 2016

Von Matthias Bosenick (11.11.2016)

Ist das ernst gemeint? Der Autor muss zugeben, zum ersten Mal seit Ewigkeiten das Kino vorzeitig verlassen zu haben. Das gibt zu sehr in Richtung fremdschämen. Da nun kaum mehr als eine halbe Stunde Film, also gut ein Viertel des Gesamten, als Grundlage für eine Besprechung nicht ausreichen, soll hier Schweigen sein.

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The Laundryman (青田街一号, Qīngtián jiē yī hào) – Chung Lee – Taiwan 2015

Von Matthias Bosenick (11.11.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Diesen Film gesehen zu haben, war eine mindestens doppelte Herausforderung: Erstens behandelt er übersinnliche Themen, die dem gemeinen Mitteleuropäer fremd sind, und zweitens hing bei der Präsentation die Spur mit den englischen Untertiteln dem Film um eine halbe Minute nach. Die Geschichte ist – schön, aber konventionell gefilmt – diese: Ein Mann arbeitet als Auftragskiller für eine Wäschereibesitzerin und sieht sich bald von den Geistern seiner Opfer bedrängt. Ein Medium soll ihm helfen, sie loszuwerden, doch die Lösungen dafür sind nicht förderlich für andere Lebende. Man sieht sich mit einem recht abenteuerlichen Humor und einer ungewöhnlichen Geschichte konfrontiert.

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Aloys – Tobias Nölle – F/CH 2016

Von Matthias Bosenick (09.11.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Filmfest!!! Der einzige Grund, sich auf den November zu freuen. In der Reihe „Neues Deutsches Kino“ läuft „Aloys“ aus Frankreich und der Schweiz, weil die Sprache zumindest an den Reihentitel angelehnt ist. Mit Titelfigur Aloys mäandert der Film durch diverse Genres, je nach Zustand dieser Person: Familiendrama, Detektivfilm, Psychogramm, Horror, Fantasy, Liebesgeschichte; alles indes nicht dem Genre gemäß, sondern sorgsam um die Figur herumdrapiert. Und in Motiven dargeboten, die der klassischen Bildkomposition folgen und damit bewundernswert ästhetisch sind. Für den umfassenden Genuss ist es indes unerlässlich, dass man sich auch auf Filme ohne galoppierendes Tempo einlassen kann. Dann hat man seine Freude.

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Opeth – Sorceress – Nuclear Blast 2016

Von Matthias Bosenick (07.11.2016)

Vom „Windowpane“ zum „Windowpain“: Opeth haben im Retrodudeln ein behagliches Nest gefunden. Vom progressiven Death- und Black-Metal mit ausufernden milden Gitarrenpassagen und eingeflochtenem Schönklang blieb seit drei Alben lediglich das Progressive übrig, und zwar grob in der Form, wie es der Progressive Rock in den Siebzigern vorgab, also irgendwie willkürlich komplex rockend mit ganz viel Orgel und sonstiger Orgelei. Erschreckend, wie langweilig die Schweden geworden sind.

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Placebo – Life’s What You Make It – Elevator Lady/UMG Recordings Services 2016

Von Matthias Bosenick (06.11.2016)

Wenn die kolportierte Geschichte stimmt, ist sie lustig: Placebo begehen ihr zwanzigjähriges Bestehen mit einer Best-Of-Doppel-CD und vergessen beim kompilieren, dass sie in ihrem eigenen Repertoire einen Song namens „Twenty Years“ haben. Um das glattzuziehen und den einzigen exklusiven Song auch anderswo unterzubringen, schieben sie halt die 12“ „Life’s What You Make It“ nach. Darauf gibt’s „Twenty Years“ in zwei unterschiedlichen Liveversionen und vier neue Songs, darunter das titelgebende Talk-Talk-Cover. Die EP belegt, dass sich Placebo zu Recht in der indierockigen Lücke zwischen Mainstream und Eigensinn gut eingenistet haben.

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Pixies – Head Carrier – Pixies Music/Play It Again Sam 2016

Von Matthias Bosenick (03.11.2016)

Betreutes Rocken: Dafür, dass die Pixies vor 25 Jahren den Indierock und indirekt den Grunge erfanden, gestaltet sich ihre neue Musik nach der fragwürdigen Reunion als selbstplagiierender Aufguss. Die interessantesten Passagen sind Eigenkopien, der Rest eine Melange aus nett und langweilig. Da war das frühe Solowerk von Chefquerulant Frank Black alias Black Francis deutlich innovativer. Die nunmehr Erwachsenen tauschen das Subversive gegen die fröhliche Retromanie ein. Oh wie schön war Panama, als wir es entdeckten. So richtig schlimm an „Head Carrier“ ist indes, dass das Album der Jugend immer noch etwas vormachen kann. Wer kann, wende sich dennoch den alten Alben zu.

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Meshuggah – The Violent Sleep Of Reason – Nuclear Blast 2016

Von Matthias Bosenick (02.11.2016)

Nicht viele Bands können immerzu das Gleiche machen und damit trotzdem permanent Neues kreieren. Weil das Gleiche bei einer Band wie Meshuggah so komplex ist, dass jederzeit Raum für Variationen bleibt, die fraglos als Neukreation durchgehen können. Zumindest, wenn man ein Ohr dafür hat und die Sorte Metal, die andernorts als Djent bezeichnet wird, nicht für schlichten Soundbrei hält. Den aufmerksamen Zuhörern schenken die Schweden nach 25 Jahren noch ein anspruchsvolles Brett, bei dem man wie gewohnt Schwierigkeiten hat, überhaupt den Takt mitzuwippen. Und dann garnieren sie das intellektuelle Gerumpel auch noch mit feinen Effekten und – ähm – Melodien.

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Saint Amour – Benoît Delépine & Gustave Kervern – F/B 2016

Von Matthias Bosenick (26.10.2016)

Sobald die Filme von Benoît Delépine und Gustave Kervern nicht im erfundenen Groland spielen, geht ihnen reichlich der Witz ab. Dabei beginnt „Saint Amour“ noch recht akzeptabel, kippt dann aber zur Hälfte in einen müden Sexwitz. Weder die Geschichte noch die Charaktere retten den Film, nur die verblassende Erinnerung an einige sehr witzige Dialoge aus der ersten Hälfte lässt das Werk nicht als kompletten Ausfall zurück. Zweimal sehen muss man „Saint Amour“ aber nicht.

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Moby & The Void Pacific Choir – These Systems Are Failing – Little Idiot 2016

Von Matthias Bosenick (23.10.2016)

Moby ist derbe angepisst. Er findet die Welt scheiße und brüllt dies auch raus. Zu einer Musik, die man nach 17 Jahren Jammerpop nicht mehr von ihm erwartet hätte: Postpunkige Gitarre, stumpfe Beats, technoide, fast an EBM oder wavigen Synthiepop gelehnte Elektroeffekte, Lärm, Tempo, In-die-Fresse. Ganz ohne seine Trademarksounds geht’s nicht, aber in diesem Kontext heben sie sich positiv vom handelsüblichen Achtzigerretrosound junger Postpunkepigonen ab. Und das, als man gerade denkt, nie wieder etwas von Moby seiner Sammlung hinzufügen zu wollen. Das war knapp, Richard Melville Hall!

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