Dominic Razlaff – September 2015 – Stuklabel 2016

Von Matthias Bosenick (27.11.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Es bewahrheitet sich: Das Tape erfährt derzeit ein Revival, das, anders als das der LP, einfach mal nicht so erwartbar war. Was will man mit diesem Plastikgehäuse mit einem Magnetband drin, das beim Abspielen seine eigene Auflösung initiiert? Aber wofür gibt es denn Downloadcodes. Bevorzugt ist dieses Medium übrigens in den Genres Black Metal und Ambient zu finden. Der Braunschweiger Dominic Razlaff alias DR bestätigt dies mit seinem frisch auf dem japanischen Stuklabel erschienenen Album „September 2015“, das er mit einem beatlosen Ambient befüllt. Seine Spezialität sind bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Field Recordings, die er in seine Synthiemodulationen einwebt. Er selbst spricht von Drone, aber der Begriff klingt viel dunkler als die Musik, die man tatsächlich zu hören bekommt.

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Renatus Töpke & Martin Hoffmann – Wer malen will, muss Metal sein – Verlag Andreas Reiffer 2016

Von Matthias Bosenick (24.11.2016)

Malbücher für Erwachsene sind seit einiger Zeit der heiße Scheiß, und da liegt es nahe, auf dem Kamm dieser Welle das Spektrum zu erweitern: um Motive aus Heavy Metal und Rock, genau genommen deren Plattencover. Was für den einen ein flächiger Spaß ist, entlockt den anderen eine handfeste Genrediskussion. Und eine um die Auswahl der Alben und damit der Bands – aber die ist bewusst subjektiv, darauf muss man sich einlassen. So dient das Heftchen den nostalgischen Metaleltern zum gemeinsamen kunterbunten Horizonterweitern mit den Kindern. Die revanchieren sich dann in ein paar Jahren mit dem Malbuch rund um Hip Hop und R’n’B. Oder was sonst dann gerade modern ist.

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Devin Townsend Project – Transcendence – HDR/InsideOut 2016

Von Matthias Bosenick (23.11.2016)

Nein, dieser Devin! Im Sekundentakt haut er uns die Lieblingslieder in spe nur so um die Ohren. Gerade erst ist seine Autobiographie „Only Half There“ mit Bonus-CD („Iceland“) und -Tape („Ancient“) erschienen, schon legt er parallel das Doppel-Album „Transcendece“ nach. Im Vergleich zu noch kürzlich benutzte Dev hier weniger Weichspüler und Grauschleier, er entzog seinem Gospelmetal das Wattige. Wie anders er noch kann, belegt er auf der Bonus-CD. Muss das schön sein, seine Depressionen überwunden zu haben! Nur dafür extra erstmal welche bekommen? Och nö, lieber nur die Therapieergebnisse anderer Leute. Wie dieses.

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Paterson – Jim Jarmusch – USA 2016

Von Matthias Bosenick (21.11.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Mit diesem Puzzlespiel von einem Film beschäftigt Jim Jarmusch seine Zuschauer noch Stunden nach Verlassen des Kinos. Nimmt man nur die Zwillinge als Leitmotiv, kann man schon auf schier unendliche Entdeckungsreise gehen. Die kleine Geschichte am Rande nimmt man dann trotzdem gern mit, weil sie so warmherzig und anrührend ist. Typisch für Jarmusch sind die skurrilen Normalen in diesem Film, die fast märchenhafte Abwesenheit von Rassenunterschieden sowie die vielen pop- und sonstwie kulturellen Verweise. Ein Fest!

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Hoax und Warteschleife – Live bei der 5. Exil-Revival-Party in der Musikscheune Pollhöfen am 19. November 2016

Von Matthias Bosenick (20.11.2016)

Über Pollhöfen sieht man Sterne, die über Braunschweig seit Jahrhunderten von der urbanen Lichtverschmutzung verschluckt werden. Was man hingegen nicht sieht, ist Bebauung, zumindest in dieser Pollhöfen angegliederten Siedlung namens Kiebitzmoor. Die Scheune eines der drei Höfe dieser Siedlung birgt seit einigen Jahren ein Unterhaltungsetablissement, das sich sehr an der alten Schule alternativer Discotheken in der Lüneburger Heide orientiert. Eine davon hieß Exil und war bis zum feurigen Exitus vor rund 20 Jahren in Bodenteich angesiedelt. Weil die Gäste von damals heute kaum noch geschmacksgerechte Weggehgelegenheiten finden, haben sich allerorts Retro- und Revival-Partys etabliert. Die fünfte fürs allseits geliebte Exil sollten eigentlich die Bollock Brothers beschallen; krankheitsbedingt fand man in Hoax und Warteschleife gleichwertigen Ersatz. So viel Gegenwart liegt im Abfeiern der Vergangenheit: Die Freude an dem Ereignis war zwar vom „Weißt du noch“ durchdrungen, setzte aber einen kräftigen Anker für künftiges Rückerinnern auf genau diesen Moment.

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Theatre Of Hate – Kinshi – Kirk Brandon/Pledge 2016

Von Matthias Bosenick (19.11.2016)

Man fragt sich, woran Kirk Brandon es festmacht, dass er mal Spear Of Destiny und mal Theatre Of Hate reaktiviert. Bis man die jeweiligen Alben hört: Die früheren Wavepopper Spear Of Destiny sind längst eine mitreißende Rockband geworden, als Theatre Of Hate macht er deutlich kargeren Waverock mit Saxophon. Und beweist: Es gibt keine schlechten Instrumente, man muss sie nur zu nutzen wissen. Wie auch die Triangel. Vom amateurhaften Cover sollte man sich nicht abschrecken lassen: „Kinshi“ ist Kirk Brandon auf dem seit 35 Jahren andauernd hohen Niveau.

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Yello – Toy – Polydor/Universal 2016

Von Matthias Bosenick (15.11.2016)

Ein Spielzeug zwischen „Bostich“, „The Rhythm Divine“, „Desire“ und „Planet Dada“: Yello präsentieren sich 2016 mit einem Album, das Elemente aus allen Schaffensphasen kombiniert, und das auch noch schlüssig. Welten werden sie damit sicherlich nicht mehr bewegen, fügen aber zumindest ihrem eigenen Universum etwas Brauchbares hinzu, und das ist ja auch schon eine Menge wert. Heißt: Den Techno erfinden sie kein zweites Mal neu, machen aber trippiges Elektrozeug mit Jazzhaltung. Dazu grummelt Dieter Meier wie gewohnt und lässt sich manches Mal von Frauenstimme begleiten. Das ist sehr chic.

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Alcest – Kodama – Prophecy/Soulfood 2016

Von Matthias Bosenick (15.11.2016)

Und dann gab’s da ja auch noch den Black Metal in der Biographie von Neige alias Stéphane Paut alias Alcest (alias weitere Projekte). Vom Puristen-Black-Metal wandte sich der Franzose ja schon als Teenager ab; heute spricht man bei seiner Musik von Post-Metal oder, sofern man Hipster ist, von Blackgaze. Heißt: Die Gitarren türmen sich zu, ähm, Türmen auf, Härte wird nicht mit Blastbeats oder Tempo erzeugt, der Pop gewinnt bisweilen Oberhand, der Sänger ist in sich gekehrt. Ist schön, aber man vermisst das vertraute Pfund im Sound. Immerhin ist „Kodama“ nicht mehr ganz so watteweich wie der Vorgänger „Shelter“.

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Ich, Daniel Blake (I, Daniel Blake) – Ken Loach – GB 2016

Von Matthias Bosenick (13.11.2016) / Auch erschienen auf Kult-Tour Der Stadtblog

Wenn ein Regisseur es schafft, mit seiner Geschichte die Zuschauer so sehr zu berühren, dass sie wahlweise in Tränen ausbrechen oder stinkwütend werden, muss er eine besondere Gabe des Erzählens haben. Ken Loach ist so einer, ein seltener Glücksfall. Mit „Ich, Daniel Blake“ macht er sich einmal mehr zum Sprecher der kleinen Leute, indem er dieses Mal das britische Sozialsystem als Grundlage nimmt, das im Wortsinne die Leute umbringt. Das ist Europa. Leider. Ein hochgradig berührender Film.

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The Childhood Of A Leader – Brady Corbet – USA 2016

Von Matthias Bosenick (12.11.2016)

Stanley Kubrick verfilmt das „Nesthäkchen“: Ein Junge, der aussieht wie ein Mädchen, terrorisiert in Zeiten des ersten Weltenbrandes angesichts autoritärer Eltern sein Umfeld. Fazit: Arschlöcher zeugen Arschlöcher. Als Erklärung für politische Führerfiguren ist das reichlich kurz gedacht und als Film reichlich langatmig. Auch der wohlgepriesene Soundtrack von Scott Walker erzeugt bei Leuten, die schon mal avantgardistische Musik gehört haben, nur für Schulterzucken. Immerhin, die Bilder sind ansprechend und manche One-Liner erinnerungswürdig. Ansonsten wundert man sich, warum Brady Corbet daran zehn Jahre lang gearbeitet haben will.

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