Sigur Rós – Variations On Darkness/22° Lunar Halo – Krúnk 2019

Von Matthias Bosenick (13.08.2019)

Erst nur für den Records Store Day im April veröffentlicht, nun für alle zugänglich, wenn auch nicht preisgünstiger: Zwei experimentelle Schallplatten der ätherischen Postrocker Sigur Rós füllen die Lücke seit dem letzten richtigen Album „Kveikur“ von vor sechs Jahren. Auf zusammen vier Seiten der beiden LPs „Variations On Darkness“ und „22° Lunar Halo“ präsentieren sich die Isländer von einer eher ungewohnten Seite, indem sie auch mal harsche, harte Elemente in ihre Wattewolken packen und von Songstrukturen jeden nur möglichen Abstand nehmen, dabei aber in ihren Sounds wiedererkennbar bleiben. Spannend!

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Point Whitmark – (42) Der Ruf des Wellengängers – Decision/Sony 2019

Von Matthias Bosenick (05.08.2019)

Plötzlich und unerwartet landet nun auch die zweite bereits seit Jahren fertig produzierte Episode von Point Whitmark im Handel. In „Der Ruf des Wellengängers“ behandelt Serienchef Volker Sassenberg sein eigenes Schicksal als mimosischer Hörspielproduzent, der von allen Beteiligten ausgebootet wird und deshalb zu drastischen, aber für die Hauptfiguren Jay, Tom und Derek nachvollziehbaren Maßnahmen ergreift. Wischt man diese kindhaften Selbstgerechtigkeiten beiseite, bekommt man einen angenehm entdrehten Fall mit Mystik, Action und Humor – aber leider nicht die Aussicht darauf, dass es mit der Serie danach auch weitergeht.

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Pet Shop Boys – Agenda – X2 2019

Von Matthias Bosenick (31.07.2019)

Als satirischen Kommentar zur Weltlage veröffentlichen die Pet Shop Boys parallel zu ihrer Live-DVD „Inner Sanctum” eine 12”-EP mit vier neuen Songs über Reiche, Social Media, Dummheit und andere globale Probleme, die sie auf ihrer Kritik-„Agenda“ haben. Haltung und Humor des Synthiepopduos passen, very british indeed, nur klingt der Synthiepop sogar für die Pet Shop Boys etwas zu synthetisch. Musste wohl schnell gehen. Und ist physisch inzwischen auch schon so etwas wie vergriffen.

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Jambinai (잠비나이) – Onda (온다) – Bella Union 2019

Von Matthias Bosenick (29.07.2019)

Der sicherste Anwärter auf den Posten „Album des Jahres 2019”: Auf ihrem dritten offiziellen Album „Onda“ entwickeln Jambinai ihren ohnehin schon eigenständigen Stil weiter, verfeinern ihn, fordern die Hörer noch mehr heraus. Einsortiert unter Metal, steuert die Band aus Seoul heuer vielmehr in Richtung Post Rock – und gibt den traditionellen Südkoreanischen Instrumenten noch mehr Raum als zuvor. Wer moshen will, muss zuhören können. Und wer das tut, erlebt ein musikalisches Abenteuer, wie es kompromissloser ist als so viele andere.

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Leid und Herrlichkeit (Dolor y Gloria) – (Pedro) Almodóvar – E 2019

Von Matthias Bosenick (26.07.2019)

Kein überbordend extrovertiertes Meisterwerk, aber in seinem gebremsten Tempo, seiner positiven Stimmung und seiner Farb- und Formgebung mindestens richtig gut ist Pedro Almodóvars jüngster Film mit dem etwas abschreckenden Titel „Leid und Herrlichkeit“ („Schmerz und Ruhm“ wäre passender gewesen). Seine Homies Antonio Banderas und Penelope Cruz veredeln diese Selbstreflexion, die manche als den Abschiedsfilm Almodóvars auffassen. Dabei lässt das wundervolle Ende auch andere Schlüsse zu.

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Die Drei ??? – (200) Feuriges Auge – Europa/Sony 2019

Von Matthias Bosenick (24.07.2019)

Es ist kompliziert. 200 Folgen der erfolgreichsten und beliebtesten Jugendbuchserie des Universums sind ein Grund zum Feiern, sicher, nach all den superben Abenteuern, die man mit den drei Jungdetektiven aus Rocky Beach seit 1979 auf Hörspielen erlebte. Aber von den zurückliegenden 100 Folgen war höchstens ein Viertel noch goutierbar, was Form und Inhalt betrifft. Der Fans liebster gegenwärtiger Autor André Marx verfasste nun die Buchvorlage zum Jubiläumsband, der auf die Klassikerepisode „Der Fluch des Rubins“ (als Hörspiel die Nummer 5) zurückgreift, das Trio zunächst trennt, den Rubin zum Gegenstand der Ermittlungen macht und die Drei Fragezeichen sogar bis nach Indien führt. Das Hörspiel ist auf fünfeinhalb Stunden gestreckt und erzählt die Geschichte zwar dranbleibbar, aber ohne Atmosphäre. Gemischtes Jubiläum.

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Veit Heinichen – Borderless – Piper 2019

Von Matthias Bosenick (18.07.2019)

Da nutzt Veit Heinichen die Form des Thrillers, um seine sehr wertvolle linksbasierte Rundumschlag-Kritik an Europa zu transportieren: Hier geht es um Flüchtlinge, Korruption und undemokratische politische Verstrickungen, vom italienischen Adrianest Grado ausgehend quer durch Europa. Fundiert recherchiert und bisweilen recht spannend aufgearbeitet, aber etwas konstruiert und behäbig zusammengefügt.

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Spezial: Addicted/noname Label aus Moskau, Teil 2

Von Matthias Bosenick (16.07.2019)

Einen ganzen Stapel CDs aus dem Oeuvre des Labels Addicted oder noname oder abhängig oder wasauchimmer aus Moskau schickte Anton Kitaev quer durch Osteuropa nach Braunschweig. Was da an Perlen in Sachen Psychedelik, Doom, Stoner, Prog und Experiment alles so drinsteckt, das ansonsten kaum den Weg in überregionale Lautsprecher findet! Ein zweiter Überblick, zwischen sechs Jahre alt und topaktuell:

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Stranger Things 3 – The Duffer Brothers – Netflix 2019

Von Matthias Bosenick (15.07.2019)

Was tut man, wenn eine Geschichte eigentlich längst auserzählt ist, aber überraschenderweise so viele Anhänger fand, dass man sich von Marktes Seite dazu getrieben sieht, sie fortzusetzen? Man baut äußere Umstände wie das Erwachsenwerden der Jungschauspieler in die Story ein, zitiert die rahmengebenden Achtziger wie nix, dreht an der Action- und Gewaltschraube und vergisst, worum es vor drei Jahren mal ging. In Staffel 3 der Netflix-Serie „Stranger Things“ findet man sich als Fan der ersten Stunde kaum noch zurecht. Zwar ist die Geschichte – nachdem man die unsäglichen ersten Episoden überstanden hat – spannend, aber nicht im Sinne der Serie, sondern lediglich aus sich selbst heraus. Ein, zwei Staffeln sollen noch folgen, heißt es. So geht das im Kapitalismus, der ist stärker als die Kunst. Zum Beispiel die Kunst, aufzuhören.

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Meat Beat Manifesto – Opaque Couché – Flexidisc 2019

Von Matthias Bosenick (26.06.2019)

„Opaque Couché“, oder auch „Drab Dark Brown“, oder auch „Pantone 448 C“, oder auch „Die hässlichste Farbe der Welt“: Was beabsichtigt Jack Dangers damit, wenn er sein neuestes Album unter dem Projektnamen Meat Beat Manifesto danach benennt, wie in diversen Ländern Zigaretten abschreckend verpackt werden? Und darauf dann Musik veröffentlicht, die es wie eine Kopie des Vorgängers „Impossible Star“ erscheinen lässt? Also abstrakte Komplexbeats, losgelöst von sowohl Popstrukturen als auch solchen, mit denen Dangers seit über 30 Jahren andere große Hitmacher beeinflusst, von Bigbeat über Dubstep bis IDM. Kann man zwar gut hören, aber eine Offenbarung ist es nicht.

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