Spezial: Klangwirkstoff-Records, Teil 2

Von Matthias Bosenick (02.11.2021)

Drei Veröffentlichungen, zwei davon auf dem Klangwirkstoff-Sublabel Separated Beats: Mit „Solarium“ eine Single von Labelchef Bert Olke alias B. Ashra, die „Secret Sessions“ – mit echten Glocken! – des Quintetts 70db, bei dem Olke ebenfalls mitmischt, sowie der Sampler „Durchströmungen 1 – Glaswolken“, alle drei im weitesten Sinne am Ambient angelehnt, mit Downbeat, Berliner Schule, Synthpop, Electro und sonstigen experimentellen elektronischen Spielarten. Nur als Download!

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Iron Maiden – Senjutsu – Sanctuary/Parlophone 2021

Von Matthias Bosenick (01.11.2021)

Schunkeln und Gniedeln: Das Epische walzen Iron Maiden auf ihrem neuen Album „Senjutsu“ noch weiter aus als auf denen davor, strecken – wie schon vor sechs Jahren bei „The Book Of Souls“ – ihre zehn Tracks auf zwei CDs und verlieren den Punkt aus den Augen, auf den sie kommen sollten. Natürlich bekommt man, was man von den NWoBHM-Miterfindern bekommen will, Operetten-Gesang, Powerchords, Galopp-Riffs, eingängige Melodien, schnieke Soli, doch hätten die Briten aus dem Material gern ein kurzes und knackiges Album formen sollen. Ist doch alles etwas viel und verliert sich bisweilen in Klischees, in denen sich bis dato vorrangig die Epigonen tummelten.

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Rosa Vertov – Day In Day Out – Crunchy Human Children 2021

Von Matthias Bosenick (25.10.2021)

In der Musik des Warschauer Quartetts Rosa Vertov passiert mehr, als man im ersten Eindruck wahrnimmt: Die chillige, melancholische, stille Indierockmusik birgt enorme Tiefen. Kaum gewöhnt man sich an das Ätherische, unterwandert der dezent eingestreute Lärm die Musik. Nicht durchgehend und allumfassend, und damit jedes Mal aufs Neue überraschend. Auch Album Nummer zwei, „Day In Day Out“, bewegt sich im Wortsinne traumwandlerisch zwischen Heavenly Voices und Noisrerock. Wunderschöne Musik mit dem wunderschönem Gesang der vier Musikerinnen!

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Manic Street Preachers – The Ultra Vivid Lament – Columbia/Sony 2021

Von Matthias Bosenick (21.10.2021)

Das ist immer ein Phänomen mit den Manic Street Preachers: Sie bringen Jahr um Jahr neue Platten mit tollen Poprocksongs heraus, und bei jedem neuen Album fragt man sich nach den ersten Läufen, was davon überhaupt hängen blieb, und wenn man es dann unter diesem Aspekt noch einmal auflegt, stellt man fest, dass man alle Lieder längst mitsingen kann, und wenn man dann durch den Tag tändelt und irgendeinen Mancis-Song im Ohr pfeifen hat, weiß man wiederum nicht mehr, ob der jetzt wirklich vom neuen Album ist oder von irgendeinem der drölfzig davor. „The Ultra Vivid Lament“ ist poppig mit Ansage, und wenn man das Überproduzierte satt hat, legt man halt die Bonus-CD mit den reduzierten, aber kaum weniger gigantischen Versionen auf.

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Tibet – Tibet – Bellaphon/Sireena 1978/2021

Von Matthias Bosenick (19.10.2021)

Werdohl! Da kann man als freakige Prog-Kraut-Rockband mit Orgel schon mal herkommen, so in den Siebzigern. Und sich dann Tibet nennen, weil das Sauerland ungefähr so hohe Berge hat wie der Himalaya. Nicht zum ersten Mal bringt das Label Sireena das selbstbetitelte Album erneut heraus, dieses Mal indes auf CD und mit Bonus. Musikalisch ist dies eine angenehm unspinnerte Reise mit vielen spannenden Umwegen, da erhebt sich die Band in der Tat über das Dach der Welt, und einem etwas anstrengenden Gesang. Die Orgel ist geil!

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Solbrud – Levende i Brønshøj Vandtårn – Napalm Records 2021

Von Matthias Bosenick (13.10.2021)

Endlich auf Vinyl und dann auch noch inklusive der DVD! Eine geile Idee überhaupt: Die Black-Metal-Band Solbrud spielte im November 2019 im titelgebenden Kopenhagener Wasserturm im Stadtteil Brønshøj zwei Konzerte, und da der Turm von sich aus einen fünfzehnsekündigen Hall hat, stimmte das Quartett die Songs der bisherigen drei Alben darauf ab und komponierte sogar einen neuen Song dafür. Klar, Black Metal ist Keifen, Blast Beats und Schrammelgitarre, wenn man nur oberflächlich hört, aber Solbrud sind dafür viel zu atmosphärisch, um damit abgekanzelt zu werden, und bauen außerdem nicht nur an diesem Ort in ihre Mucke unerwartete Elemente ein, von Ambient natürlich bis hin in Richtung Progrock. Episch!

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Sepultura – SepulQuarta – Nuclear Blast 2021

Von Matthias Bosenick (08.10.2021)

Das machen Kulturgesichter in der Pandemie-Quarantäne: exklusive Konzerte streamen, sich für jeden Song einen anderen Gast aus dessen Home Office dazuschalten und davon 15 Tracks als Live-Album herausbringen. Da ist es scheißegal, dass der Sound von „SepulQuarta“ nicht durchgehend lecker ist – die Mucke ist es, Sepultura haben Bock, die Gäste aus allen Spielarten des Metal ebenso. Moshen statt jammern!

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Erasure – The Neon Remixed – Mute 2021

Von Matthias Bosenick (06.10.2021)

Da freut man sich erst groß über die positive musikalische Entwicklung der Synthiepopper Erasure, da kommen sie mit einer Remix-Sammlung ihres jüngsten Albums „The Neon“ um die Ecke, das erschreckenderweise nahezu frei von Experimenten eine Allianz mit dem Schlager eingeht. Selbst die sehr wenigen populären Namen retten diese Doppel-CD nicht, immerhin der neue Song „Secrets“ überzeugt mit seinem im klassischen Achtziger-Erasure-Sound gehaltenen analogen Synthiepop. Neue Hörer erschließt man sich damit abseits des ZDF-Fernsehgartens eher nicht.

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GusGus – Mobile Home – Oroom 2021

Von Matthias Bosenick (03.10.2021)

Das geht gleich wieder geil los, mit knarzigen analogen Synthies, deepen Beats, grandiosen Melodien und souligem Gesang. Auf „Mobile Home“ sind GusGus aus Island wieder zu dritt, und zwar mit Margrét Rán Magnúsdóttir von der Band Vök als inzwischen 15. Bandmitglied seit 1995. Die Gesten sind nach wie vor groß, die Songs indes wieder näher am Pop als an der epischen Kathedrale, aber nicht weniger geil. Ein Ohrwurm jagt den nächsten, man mag das Album gar nicht mehr weglegen. Eine Großtat mit der Option auf das Album des Jahres!

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Goethes Erben – Elemente – Dryland Records 2021

Von Matthias Bosenick (05.09.2021)

Das mit der „duften Sache“ kam den Initiatoren schon selbst als Werbebotschaft in den Sinn, dennoch sei der hier zugestimmt. Öffnet man nämlich die „Elemente“-Box von Goethes Erben, verströmt sie einen überraschenden Seifenduft – weil ihr Seife beiliegt. Aus der „Seelenbalsam“-Kollektion von Bandchef Oswald Henke nämlich. Und noch viel mehr, darunter die vier 7“-Singles, die den Titel der Box definieren, sowie eine CD mit sämtlichen Songs und einigen Bonusstücken. Neben Liveversionen von Klassikern sind auch neue Stücke enthalten, und zusätzlich erhärten sie den Ruf nach einer geschmackvoll kuratierten Remix-Sammlung mit Neubearbeitungen von Hits und Kuriositäten aus 30 Jahren Neuer Deutscher Todeskunst.

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