Old Town Crier – You – Jim Lough 2022

Von Matthias Bosenick (13.10.2022)

Alt.-Country steht als eines von vielen Etiketten auf dem Minialbum „You“ von Old Town Crier, dem Solo-Projekt des Multiinstrumentalisten Jim Lough, der mit dieser EP drei demokratische US-Politiker bei den Mid-Term-Elections unterstützen will. In den fünf Pop-Perlen liegt noch viel mehr: Der unterschwellige Fuzz und die Rotzigkeit von 60s-Garage-Rock etwa, die balladeske Melodieseligkeit weit gefasster Gesten, der Galopp des Punkrock, 50s-Verve. Abgesehen davon, dass man es mit knapp einer Viertelstunde klasse Musik zu tun hat, ist es nicht nur derzeit überall notwendig, Demokraten zu unterstützen.

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Goatwhore – Angels Hung From The Arches Of Heaven – Metal Blade Records 2022

Von Guido Dörheide (10.10.2022)

Was hatte ich jüngst noch über erste Songs auf Alben geschrieben? Entweder fast an Stille grenzendes Instrumentalintro oder gleich losballern? Goatwhore haben sich für Ersteres entschieden und das von mir überaus geschätzte laut.de hat dieses Intro a) als „komplett überflüssig“ und b) als „die letzte Chance zur Flucht“ bezeichnet. Zweiteres unterschreibe ich blind und lege gerne noch sowas wie „die Ruhe vor dem Sturm“ nach. Mit „Born Of Satans Flesh“ haut die wunderbare Kapelle aus New Orleans dann auch gleich so nachhaltig auf die 12 (und 12 ist mehr als 10, sogar mehr als 11!), dass man gar nicht mehr fragen mag, wo Bartel den Most herholt. Hauptsache, er holt ihn, und wenn nicht er, dann nehmen Goatwhore den sprichwörtlichen Korb in die Hand und rennen los. Egal wohin, Hauptsache, es tut weh.

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Pixies – Doggerel – Infectious Music 2022

Von Guido Dörheide (10.10.2022)

Dies ist ein Lied über etwas dort. Da ist etwas dort über dieses Lied. Subbachultcha. Hätte mir jemand sammama 2014, als das erste Pixies-Reunion-Album „Indie Cindy“ erschien, gesagt, dass ich dereinst im Zusammenhang mit einem neuen Werk der legendären Pixies auf die Großtaten des 1991er-Abschiedsalbums „Trompe le monde“ referenzieren würde, ohne mich dabei schlecht zu fühlen, ich hätte ihn oder sie a) mit der sprichwörtlichen rhetorischen Wasserwaage vom Hofe gejagt, b) ihn/sie mit derselben im Anschlag noch um einige Häuserblocks gejagt und c) gesagt: „Hömma“, und gemeint: „Hömma auf. Die Pixies sind Geschichte und hätten sich nimmermehr reunifizieren dürfen. Wenn wir die Stimme von Black Francis hören wollen, können wir die Alben von Frank Black erwerben und nebenbei Morrissey hören, die Smiths werden sich ja auch nicht mehr wieder neu zusammentun.“ Nun ist 2022, besagte Wasserwaage ist Geschichte, die Smiths gibt es glücklicherweise immer noch nicht wieder, Frank Blacks Soloalben langweilen und die Pixies haben eine neue Langrille am Start. Kann ja nur wieder nichts werden. Und der überaus gestrenge Herausgeber erwartet einen Verriss – oisdann, gemmas o!

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Nuit D‘Encre – De l‘autre côté – Bitume Prods 2022

Von Matthias Bosenick (10.10.2022)

Fett, groovig, athmosphärisch, abwechslungsreich zwischen Doom, Sludge, Post und Groove Metal herumriffend – und fast alles von nur einer einzelnen Person eingespielt? Hinter Nuit D‘Encre aus Paris steckt jemand namens François „Franswa“ Felt, der mit „De l‘autre Côté“ sein zweites Album unter diesem Projektnamen präsentiert. Seine Variante von niedrigtourigem Metal kommt ohne Gesang aus, und der fehlt auch kein Bisschen, schließlich weiß der Multiinstrumentalist mit seinem Instrumentarium effektvoll umzugehen. Und auch wenn der Bandname, also ungefähr „tintendunkle Nacht“, oberflächlich ganz gut passt, straft die Musik den Musiker im Detail Lügen: Hier funkeln die Sterne, nicht zu knapp!

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Spezial: Sireena Records/Shack Media aus Ostenholz-Scharmbeck

Von Matthias Bosenick (04.10.2022)

Fünf Alben aus dem Hause Sireena Records und Shack Media landeten innerhalb kürzester Zeit im Briefkasten: „A Floating City“ von Nautilus, „Live in Haldern 1985 & 1986“ von The Radio, „Waiting For The Daylight“ von Erja Lyytinen, „The Universe By Ear III“ von The Universe By Ear und „Saba“ von The Electric Family. Also Ambient, Achtzigerrock, Bluesrock, Progrock und Indie.

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Tankard – Pavlov‘s Dawgs – Reaper Entertainment 2022

Von Guido Dörheide (01.10.2022)

Ei gude, liebe Krautnick.de-Lesende! Deutscher Thrash Metal 2022: Erst Destruction, dann Kreator, auch das bereits 2020 erschienene neue Sodom-Album lässt unsere Trommelfelle noch immer erzittern, und nun liefert auch die Nummer 4 der Big Four of Teutonic Thrash ein neues Album (nicht No. 4, sondern bereits Nr. 18 in ihrer seit 40 Jahren andauernden Karriere) ab: Pavlov‘s Dawgs. Mit dem Cover-Artwork machen Tankard aus Frankfurt am Main wieder einmal aufs Neue deutlich, dass sie mutmaßlich den „Alcoholic [Thrash] Metal“ erfunden haben, auch der Refrain der Vorab-Single „Beerbarians“ geht in diese Richtung: „They’re calling us Beerbarians – Spreading out around the globe – We’re Cosmoproletarians“. Cosmoproletarians – sowelche Wortneuschöpfungen muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen, bzw. mit einem Pint Ebbelwoi runterspülen. Den Konsum weingeisthaltiger Erfrischungsgetränke zu glorifizieren geißele ich selbstredend als Teufelswerk und sowohl ich als auch Krautnick.de in seiner Gesamtheit lehnen sowas total ab – aber den wackeren Jungs um Andreas Fritz Johannes „Gerre“ Geremia nimmt man selbst den albernsten Blödsinn ab, ohne ihnen ernsthaft böse sein zu können.

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Teen Prime – No. 4 – Schneider Collaborations 2022

Von Matthias Bosenick (01.10.2022)

Gitarre und Schlagzeug, das klingt doch erstmal nach irgendeiner Art von Rock‘n‘Roll, oder? Nicht für Teen Prime: Das Duo zerlegt den Rock‘n‘Roll und macht auf dem irritierender- und erklärbarerweise „No. 4“ betitelten Debütalbum aus den Trümmern ein abstraktes Mosaik. Ganz frei von Harmonien ist das nun doch nicht, was Sebastian Fäth und Jörg A. Schneider hier improvisieren – auch ohne konkreten Rhythmus oder mitsummbare Melodien bekommt man auf dieser Schallplatte eine Musik, die man angenehm goutieren kann. Und kurz vor Schluss sogar mit Piano dazwischen, dann drängt sich spätestens noch mehr der Gedanke an ein anderes Genre auf: Jazz, und das sicherlich nicht zu Unrecht.

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Nikki Lane – Denim & Diamonds – New West Records 2022

Von Guido Dörheide (01.10.2022)

Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht Queens Of The Stone Age höre (die mit „QotSA“ eine der abstoßendsten Band-Abkürzungen haben, nur noch getoppt von „Very Wicked“ aus WOB, ich weiß aber nicht, ob es die noch gibt [im Grunde nicht, aber Sänger Marco Schrieber gründete mit Lars Conrad das Duo FleshTric (Red.)]), aber mit der Musik von Joshua Homme werde ich nicht warm. Der musikverarbeitende Teil meines Hirns wird geflutet mit einem tief empfundenen Gefühl der Langeweile, sobald Meister Homme zur elektrischen Gitarre greift. Und wenn er dann spielt, wird es nicht besser. Also erging es mir mit dem hier rezensierten Werk – und jetzt kommen wir endlich zum Thema, nämlich dem neuen Album der wundervollen Outlaw-Country-Singer/Songwriterin Nicole Lane Frady aus South Carolina, die unter ihrem Künstlernamen Nikki Lane mit „Denim & Diamonds“ ihr viertes Album seit 2011 veröffentlicht hat.

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Moon‘s Mallow – Against All Gods/Long Lost – Gioia Coppola 2021/2022

Von Matthias Bosenick (26.09.2022)

Indierock ohne breite Beine, kann man sagen, groovend, spröde, gefühlvoll, gesangsstark, der volklosen Folklore so nah wie dem Anti-Britpop der Auteurs, mit einem Hauch Psychedelik: Moon‘s Mallow sind da, aus Bari ganz im Süden Italiens, wo sich Bandchef Gioia Coppola zunächst mit den brasilianischen Musikern Leila Isaac und Luís Marino sowie dem renommierten Bassisten Michele Rossiello zusammentat, um „Against All Gods“ aufzunehmen. Nachdem die beiden Brasilianer das Land aus beruflichen Gründen verließen, holte sich Gioia als Ersatz Damiano Ceglie und Claudio Colaianni dazu, um „Long Lost“ einzuspielen, das nicht wirklich den Eindruck erweckt, es zur Hälfte mit anderen Leuten zu tun zu haben. Moon‘s Mallow bleiben ohne Posen, eher im Dunkel der Nacht, nicht eben vor Fröhlichkeit sprühend, also überaus vortrefflich genießbar. Und nun gibt‘s beide Alben auf Vinyl.

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Blind Guardian – The God Machine – Nuclear Blast 2022

Von Guido Dörheide (09.09.2022)

Von Melodeath über Thrash hin zu Power Metal und Speed Metal – willkommen zu einer weiteren Metal-Rezension auf dieser einen und einzigartigen Seite im weltweiten Internetz. Dieses Mal will ich mich über „The God Machine“ von Blind Guardian auslassen – das neue Album der legendären Truppe um den Frontmann mit dem second most metal name of all time: Hansi Kürsch.

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