David Rothenberg, Bernhard Wöstheinrich, Ali Sayah – Homayoun – Iapetus Media 2023

Von Matthias Bosenick (16.03.2023)

Dieses offenbar spontan im Studio zusammengefügte namenlose Trio aus David Rothenberg, Bernhard Wöstheinrich und Ali Sayah macht keine Kompromisse. Drei multidisziplinäre Menschen verbringen mit ihren Instrumenten und einiger moderner Technik Zeit in Berlin, starten ihre Session noch mit Rhythmen, lassen die alsbald fahren und verlieren sich in – nun: vermutlich sich selbst, bevor sie doch wieder in einem gemeinsamen Tritt geraten. Grob sortiert sich dieses Album wohl selbst automatisch unter Jazz ein, auch wenn mit den elektronischen Anteilen etwas Industrial, Techno und Ambient Einzug finden. Mit den Klarinetten, die vorrangig zu hören sind, birgt „Homayoun“ einen grundsätzlich warmen Sound, das scheinbar Willkürliche und die hintergründige Leere machen den Zugang indes nicht allzu leicht.

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Yo La Tengo – This Stupid World – Matador 2023

Von Matthias Bosenick (14.03.2023)

Zuverlässig wie ein Nähwerk tackert das Schlagzeug, und ebenso zuverlässig bringen Yo La Tengo aus Hoboken, New Jersey fortwährend neue Alben heraus, die nicht nur qualitativ nie unter Höchstniveau liegen, sondern dazu auch noch experimentell, emotional, noisy, stoisch, variantenreich, zart, durchgeknallt und wunderschön sind. „This Stupid World“ reiht sich da ein, je nach Zählung Studioalbum Nummer 17 bis 564.194 in fast 40 Jahren. Der Indierock des Trios ist seit jeher durchsetzt von Herumprobieren, Lärm und tiefster Schönheit, diese Art zu Mausen lässt die Katze nimmermehr. Das Doppel-Vinyl ist dreiseitig kreditiert, aber vierseitig bespielt und transparent blau, also ebenso experimentell und schön wie die Musik darauf.

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slowthai – UGLY – Method Records 2023

Von Guido Dörheide (12.03.2023)

Haaach – was ist das für 1 Jahr! Gerade mal knapp mehr als zwei Monate dran am seien, und schon neues Material von zwei meiner liebsten dedicated followers of the UK: Eine Woche vor „UK GRIM“ von Sleaford Mods veröffentlicht slowthai als weiterer Chronist des decline of the British Empires sein drittes Album und lässt wiederum kein gutes Haar an den rauchenden Trümmern desselben.

YNWA – You‘ll never walk alone. Das kennen wir. Und nun lernen wir: UGLY – You gotta love yourself. So heißt slowthais neues Album nämlich ausgeschrieben. Tyron Kaymone Frampton, wie slowthai mit bürgerlichem Namen heißt, begeisterte mich im Jahr 2019 mit „Nothing Great About Britain“ zutiefst, schoss sich dann Anfang 2020 mit einem missglückten und glücklicherweise schnell verziehenen Auftritt bei den NME Awards zunächst ab, um dann ein Jahr später mit „Tyron“ ein Brett von einem Doppelalbum herauszubringen, das mehr als neugierig auf sämtlichen weiteren Output machte.

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Sleaford Mods – UK Grim – Rough Trade 2023

Von Guido Dörheide (12.03.2023)

Haaach – was ist das für 1 Jahr! Gerade mal knapp mehr als zwei Monate dran am seien, und schon neues Material von zwei meiner liebsten dedicated followers of the UK: Erst slowthai und dann Sleaford Mods veröffentlichen innerhalb einer Woche ihre neuen Alben und lassen wiederum kein gutes Haar an den rauchenden Trümmern des British Empire.

Sleaford Mods, das sind Jason Williamson und Andrew Fearn aus Nottingham, East Midlands, UK. Und so hören sie sich auch an: Williamson kotzt sich im wunderschön anzuhörenden Dialekt seiner Heimat über die Missstände in seiner Heimat aus und spart dabei wie immer nicht an Kraftausdrücken. Unter diese herrlichen Tiraden mischt Fearn wie gewohnt elektronische Beats, die sich immer ein wenig anhören wie auf einer leicht defekten alten Snaredrum eingespielt, sowie zahlreiche elektronische Effekte, Keyboardsounds und vieles mehr. So oder so ähnlich bereichern Sleaford Mods schon seit ihrem Debütalbum im Jahr 2007 das Leben all derer, denen das Vereinigte Königreich und eine nennenswerte Zahl an dessen Einwohnern (zuvorderst sei hier ein wunderbares und mehr als liebenswürdiges schottisches Ehepaar genannt, das mir persönlich bekannt ist) sehr am Herzen liegt und die dessen Niedergang kaum mit ansehen können.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Die Band mit dem Video, wo die Frau die Straße runtergeht.

Von Onkel Rosebud

In dieser Folge wollen wir Abschied nehmen von der Großartigkeit des Klangkörpers Massive Attack. Die sind natürlich kein Phil Collins, den man immer gnadenlos damit konfrontieren muss, sich endlich um seinen Garten zu kümmern, statt zu singen und Musik herzustellen. Ich muss jedoch vorausschicken: Ich war richtiger Fan von Massive Attack. Ich besitze alle Singles. Elf Stück! Und alle Platten natürlich auch. Das kann ich sonst nur noch von einer Überband vorweisen, deren Namen jetzt hier nicht hingehört.

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Dobbeltgjenger – The Twins – Apollon Records 2023

Von Matthias Bosenick (07.03.2023)

Fetzige Melancholie und melodische Tanzbarkeit als catchy Rockmusik, so kommen Dobbeltgjenger aus Bergen auf ihrem vierten Album „The Twins“ daher. Darauf mischt das Quartett Anlehnungen an guten Achtziger-Pop, den Dance Rock (offizielle Wikipedia-Klassifizierung) von !!!, den Funk von INXS und den Synthierock (ebenfalls Wikipedia) des Debüts der Dänischen Nachbarn Spleen United zu einer gutgelaunten Depressions-Verarbeitungs-Platte. „The Twins“ ist ungemein ohrwurmlastig und mitreißend, die Norweger kombinieren Rockinstrumente und Electroeffekte auf eine organische Weise zu einer Radiomusik, wie man sie sich 2023 viel viel lieber wünschte als die, die man stattdessen zu hören bekommt.

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Spezial: addicted/noname Label aus Moskau, Teil 14

Von Matthias Bosenick (01.03.2023)

Ein kleiner Blick in die zurückliegenden Monate und wie sie sich auf das fabelhafte Moskauer Label addicted/noname auswirkten. Zu finden ist wie immer eine breite Palette an Stilen und Sounds: Flötendominierter Psychedelic Rock mit Бур, psychedelischer Doom mit Spaceking, tanzbarer Avantgarde-Indierock mit ЛАНЬ, vielseitiger Black Metal mit Gigrøma, melodischer In-die-Fresse-Thrash-Doom mit Crust und schleppender Hardcore-Sludge mit Erbo.

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Hellripper – Warlocks Grim & Withered Hags – Peaceville 2023

Von Guido Dörheide (28.02.2023)

Wer bei Ein-Mann-Kapellen noch an den Hund aus der C&A-Werbung denkt, der immer abwechselnd auf die Bassdrum haut und in die Tröte pustet – es geht auch anders. Hellripper aus Aberdeen, Schottland, zeigen das sehr eindrucksvoll. Hellripper bestehen aus James McBain, und das schon seit knapp zehn Jahren. McBain singt sehr schön und spielt alle Instrumente selber. Fast. Doch dazu später mehr. Gesangstechnisch ist Hellripper mehr sowas wie Dunkelripper – James McBain keift, als gelte es, ein Black-Metal-Album der zweiten Welle aufzunehmen, aber das ist meines Erachtens auch schon der einzige Bezug zum Black Metal. Der Rest ist Speed/Thrash und ganz viel Old School NWoBHM.

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Dream Invasion – 8.8.64 – db2fluctuation 2023

Von Matthias Bosenick (23.02.2023)

Der Mann liebt Zahlenspiele, und auf seinem dritten numerisch betitelten Studioalbum als Dream Invasion dreht Erwin Jadot die Schraube noch acht Umdrehungen weiter: Nicht nur sind sämtliche acht Tracks auf „8.8.64“ exakt acht Minuten lang, es beginnen alle Titel mit dem achten Buchstaben des Alphabets und bestehen aus exakt acht Buchstaben. Auf diesen acht Tracks – plus einem Bonus-Track im Download – bewegt sich der Soundtüftler aus Belgien im weiten Feld des Ambient, von dräuenden Drones über zarte Synthieflächen bis ab ins All. So chillig Ambient üblicherweise auch sein mag, Jadot vertritt die Ansicht, dass Musik auch mal wehtun darf, und fordert die Hörenden mit vereinzelt gesetzten Spitzen oder dunklen Sounds heraus. Nehmt euch in Acht!

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AVA Trio – Ash – Tora Records/Chilli Chilli Agency 2023

Von Matthias Bosenick (21.02.2023)

Was man halt so macht, wenn man epidemisch bedingt dazu gezwungen ist, sich musikalisch anderweitig zu betätigen als gewohnt: Man isoliert sich zu dritt in Groningen im Studio und imaginiert sich in historisch von Asche verschüttete Städte. Auf diese Weise generiert das AVA Trio auf der EP „Ash“ zwei überlange Tracks, improvisiert, assoziiert, ursprünglich, vielmehr eine abstrakte Variante dessen, was man sich so unter Weltmusik vorstellt, als freier Jazz, und obschon chillig, doch zu aufgekratzt, um als Entspannungsmusik durchzugehen. So also klingen „Knossos“ und „Pompeii“ unter einer Staubschicht!

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