Von Matthias Bosenick (24.07.2026)
Eigentlich sind die Zeichentrickfiguren Heckle & Jeckle ja Elstern, doch das gemischtgeschlechtliche Duo Heckel & Jeckel stellt sich als Krähen dar, immerhin Verwandte. Nach eigener Klassifikation machen die beiden vogelhaft pestmaskierten Franzosen „Disturbed Rock“, das kann man so stehen lassen, sollte es aber weiter ausführen, denn das allein verdeutlicht noch nicht, was das vierte Album „Corbacs In Black“ so faszinierend macht. Das Duo groovt seinen Noiserock irrsinnig, die Gitarre knarzt dreckig und zwischendrin gibt es einen Haufen Spielereien, die dem Lärm noch mehr Leben verabreichen.
Kategoriearchiv: Album
Prophän – Ana Lmalhi F Dnoubi أنا الملهي فذنوبي – Antibody Label 2026
Von Matthias Bosenick (23.07.2026)
„أنا الملهي فذنوبي“ heißt ungefähr „Ich bin abgelenkt von meinen Sünden“, phonetisch ergibt sich daraus der Titel „Ana Lmalhi F Dnoubi“ für das neue Album des marokkanischen Ein-Man-Projektes Prophän. Darauf verarbeitet Othman Cherradi aus Casablanca, der Prophän betreibt, seine Eindrücke, die er im Zuge einer Umsiedelung nach Paris erhielt. Musikalisch heißt das, dass er verlangsamte Industrial-Sounds und Sprachsamples mit marokkanischer Musik verbindet, minimalistisch, dunkel, schön und verstörend.
Dirk Serries – 252608 – Dirk Serries‘ Stream Of Consciousness 2026
Von Matthias Bosenick (21.07.2026)
Immer wieder begeistert es, wie Dirk Serries es schafft, seine Gitarre so klingen zu lassen, als wäre sie alles andere als eine Gitarre. „252608“ ist der neueste Teil seiner unüberblickbar reichhaltigen Reihe „Stream Of Consciousness“, in der er die Tiefen seiner eigenen musikalischen Biografie auslotet, indem er allein auf seinem Instrument mit einem Stapel Effektgeräte Ambient generiert. Mehr muss man auch gar nicht wissen, sondern einfach nur abtauchen.
Virgin Prozak – Sinecure – Virgin Prozak 2025/2026
Von Matthias Bosenick (20.07.2026)
Was in den Neunzigern, meistens, weil es noch neu war, noch parallel laufen musste, lässt sich heute, mit dem Blick in den Rückspiegel, während man sich nach vorn bewegt, kombinieren – etwa Grunge mit Hardcore, Alternative Rock mit Classic und Prog Rock, so in der Art, und das machen Virgin Prozak. „Sinecure“ ist das erste Album des Trios aus Namur in Belgien, nach diversen EPs, und mit der Musik kann man sich prima auf eine Zeitreise zurück in die Zukunft begeben. Ein Termin bei der Physiotherapie ist angeraten.
Dead Kiwis – Extreme Metal – Vollmer Industries 2026
Von Matthias Bosenick (15.07.2026)
Hätten die Dead Kiwis ihr neues Album mit „Christian Gothic Country“ oder so etwas betitelt, käme das sicherlich lustiger, denn der tatsächliche Titel „Extreme Metal“ trifft einfach nur zu. Geht aber mit dem in Neonfarben gehaltenen Covern mit futuristischen Rittern oder Dinosauriern eine durchgescheuerte Liaison ein, man denkt an vergleichbare Vertreter wie Electric Callboy. Nur dass die Dead Kiwis aus Lyon (und nicht aus Neuseeland) kompromisslos im extremen Metal verbleiben, den sie auf Punk und Hardcore errichten und mathematisch präzisieren.
Colonel Claypool’s Fearless Flying Frog Brigade – Return Of The Live Frogs: Volume 1 – ATO Records/Prawn Song 2026
Von Matthias Bosenick (14.07.2026)
Les Claypool schafft es, auch den Progrock-Verächtern den Progrock nahezubringen – indem er ihn auf seine Weise spielt und sämtliche Grenzen ignoriert. Seine Weise beinhaltet sehr viel Bass, selbstverständlich, so kennen wir es von seiner Hauptband Primus, und neben den genrespezifischen Ausuferungen auch solche mit Charaktereigenschaften, die der gewöhnliche Progrock nicht hat, wie Funk, Reggae, Walzer, Krautrock. 25 Jahre nach den ersten beiden Live-Würfen kehrt er nun mit Colonel Claypool’s Fearless Flying Frog Brigade zurück, sagt auch der Titel: „Return Of The Live Frogs: Volume 1“, und der lässt zudem auf eine Fortsetzung hoffen.
Reichenhall – Konzert für Zikaden – Iapetus Media 2026
Von Matthias Bosenick (10.07.2026)
Reichenhall behalten ihren Turnus von alle vier Minuten ein neues Zwei-Stunden-Album bei: Ein „Konzert für Zikaden“ ist das neueste Werk dieses Berliner Projektes, abermals eines mit einem Konzept. Dieses Mal bastelte Bandmitglied Lukas Radiomodul im Rahmen eines Aufenthaltes in Šibenik in Kroatien diese knapp 40 Minuten Musik aus bereits erfolgten Aufnahmen des gesamten Teams zusammen, und zwar analog zur Frequenz, in der die Zikaden in den umliegenden Bäumen ratschten. Die sind zwar bedauerlicherweise kaum zu hören, dafür aber mosaikartiges Chill-Out-Electro auf 91 BPM.
Omnitrocy – States Of Conscious Matter – Loud Rage Music 2026
Von Matthias Bosenick (10.07.2026)
Hier gibt’s eine halbe Stunde lang auf die Fresse. In ihren groovenden Brutal Death Metal bauen Omnitrocy aus Rumänien auf ihrem Debüt „States Of Conscious Matter“ zwar Brüche und Gimmicks ein, doch überrollt einen hier ein Hybrid aus Speed-Mähdrescher und sämtlichen Teilnehmern einer Box-Weltmeisterschaft. Mehrmals. Und hinterher fühlt man sich erfrischt, so geht das!
Red Sun – Songs From Hidden Places – Subsounds Records 2026
Von Matthias Bosenick (09.07.2026)
Das ist schon interessant: Auch ohne Kenntnis, dass es sich bei Red Sun um eine italienische Band handelt, käme man allein angesichts des Gesangs auf die Idee, dass dies der Fall sein könnte. Denn der Gesang von Elisa Brusati erinnert in Ausdruck und Intensität stark an den Italopop der Achtziger, man ahnt „Ti sento“ von Matia Bazar, beispielsweise. Da steckt ein Feuer drin, das noch heller lodert als die Musik drumherum, und die siedelt das restliche Trio im psychedelischen Spacerock an. Restlich deshalb, weil Gesang auf dem vierten Album „Songs From Hidden Places“ erstmals zum Einsatz kommt, es also bereits drei Alben zu dritt gibt. Und es gibt noch mehr Entwicklungen hier.
Spezial: addicted/noname label aus Moskau, Teil 20
Von Matthias Bosenick (08.07.2026)
So viel Neues bei unseren Freunden aus Moskau! Spacigen Post Rock mit The Invisible Machine Engine, Sludge-Punk mit Buddapropildzen, groovenden Stoner-Doom mit M/Eye, Doom mit Megalith Levitation und Dekonstruktor, Avantgarde-Noisecore mit Mrmraum, Jazzcore mit Topot Dark Trio, Breakbeat-Crossover mit Jammie Dong, Doom mit Zatvor und verspielt-progressive Musik mit Detieti.









