Von Matthias Bosenick (20.05.2026)
Wenn einer der fünf Musiker der Pariser Band Dead Tree Seeds auf dem Promo-Foto schon ein Slayer-T-Shirt trägt, ist viel gespoilert: „Toxic Thoughts“, das frisch digital neu zugänglich gemachte, zwei Jahre alte dritte Album des Quintetts, setzt genau bei jenen alten Helden an und lässt einen genretreuen Brocken an Oldschool-Thrash-Metal über der Hörerschaft herabbrechen. Mit diesem Album präsentierte die 2009 gegründete Band ihren neuen Mann am Mikro – und der trägt den munter passenden Namen Franck Le Hard.
„Toxic Thoughts“ hat wahrhaftig alles, was dazugehört: ultraschnelle Uffda-Rhythmen, palm muted Gitarrenstrecken, Gniedelsoli aus dem Achtziger-Powermetal, gern auch mal zweistimmig, geschriene, gegrunzte, gebellte und geknurrte Texte, okay: bisweilen kreischt er sie heraus wie die Kollegen aus der Spandexhosenzeit der Achtziger, ungefähr so, wie Phil Anselmo noch auf dem Nicht-Debüt „Cowboys From Hell“ von Pantera verfuhr, bis er sich eines Besseren besann. Und damit einem das Gebretter nicht nach einer Dreiviertelstunde den Kopf zermatscht, baut das Quintett einige zurückgenommene Passagen ein, in denen es vermutlich selbst nochmal Luft holen muss. Innovationen, Neuerungen? Nö, darauf legt es die Band nicht an, sie bedient die Schublade und fügt sich nahtlos in die Sortierung ein.
Dabei sind die Jungs gar nicht so alt, wie sie klingen: 2009 ging das Quintett aus der bereits 2007 gegründeten Band Triakanthos hervor und veröffentlichte aus dem Stand sein erstes Demo. Bis zum Debüt „Seeds Of Thrash“ vergingen hingegen vier Jahre und weitere sieben bis zum Nachfolger „Push The Button“, nicht von den Chemical Brothers. In der Pandemie erschien die EP „Back To The Seeds“, und nun eben der dritte Wurf „Toxic Thoughts“.
An dem beteiligt sind neben dem bereits vielseits erprobten Franck Le Hard die beiden Gitarristen Aurélien Gonzalez und Francois Odonnet, kurioserweise stets ohne Cedille aufgeführt, Schlagzeuger Alex Prudent und Bassist Sidi Assila. Nicht alle gehören zu den Gründungsmitgliedern, die Band verzeichnete einige Ab- und Zugänge – seit 2009 dabei ist lediglich der Mann am Schlagzeug.
