Hin- und weggesehen. Filme und Serien (20)

Von Chrisz Meier (20.05.2026)

Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.

Mittlerweile muß ich sagen, daß mich aber immer weniger Filme wirklich interessieren. Dann kann es schon mal vorkommen, daß ich schon kurz nach dem Betrachten eines Films nicht mehr weiß, um was es überhaupt ging.

So zum Beispiel bei „Keeper“ (2025, Regie: O. Perkins), bei dem ich tatsächlich erstmal recherchieren mußte. Es geht um ein Paar in einer einsamen Hütte, einen Kuchen und um eine Tat in der Vergangenheit, die Konsequenzen bis in die Gegenwart hat. Dabei bemüht sich der Film, die Bedrohung/die Angst langsam und gemächlich aufzubauen, was ihm auch ganz gut gelingt. Vielleicht wächst der Horror sogar zu gemächlich. Jetzt wo ich wieder weiß, worum es ging, würde ich „Keeper“ in die Kategorie „Neuer Horrorfilm“ stecken, wo schon solche Werke wie „Longlegs“ (auch von Perkins), „Hereditary“ oder auch „Bring Her Back“ stecken. Manche von denen funktionieren („Together“), andere nicht.

Ganz und gar funktionierte „Mission: Impossible – Final Reckoning“, der hoffentlich letzte Teil der „M:I“-Reihe mit T. Cruise. Hoffentlich deshalb, weil im Universum dieser Filme einfach keine Steigerung mehr möglich ist, was Spannungsaufbau und Action angeht. Ich hatte darüber schon in Hin- und weggesehen vom März geschrieben. „Final Reckoning“ macht genau da weiter, wo „Dead Reckoning“ aufgehört hat, baut noch ein paar schöne Rückblenden auf frühere Teile der Reihe ein, ist brutal spannend und endet natürlich happy, aber mit einer Träne im Knopfloch. Mission bestens erfüllt.

Als nächstes sah ich noch so einen Kracher: „One Battle After Another“ hat eindeutig Erinnerungsspuren hinterlassen. Einprägsam bleibt die Vehemenz, mit der die reaktionären Kräfte der USA gegen ihre vermeintlichen „Feinde“ von links vorgehen – mitunter über Jahrzehnte und mit rücksichtslosester Gewalt. Leidtragender ist in diesem Fall u.a. L. DiCaprio, der mal vor Jahren Teil einer Gruppe von AktivistInnen war, die politisch eben ein wenig radikaler drauf und heutzutage undenkbar wäre. Er wird gejagt von einem fanatischen Militär (S. Penn), dem wirklich alle Mittel recht sind, um an sein Ziel zu kommen: Die Ausrottung jeglichen progressiven Gedankenguts. „One Battle…“ ist über weite Strecken eine rasante Verfolgungsjagd fast ohne Atempausen. Hier stimmt alles. Drehbuch, Besetzung, Timing, Spannung, gesellschaftliche Relevanz – alles top. Unbedingt sehenswert.

Bei einigen Filmen fragt man sich nach der Sinnhaftigkeit, vor allem bei Remakes. So habe ich mich auch gefragt, ob es unbedingt notwendig war, „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ von 1957 nochmal zu machen, zumal „Der Mann, der immer kleiner wurde“ sehr nah am Original ist. Gut, die technischen Möglichkeiten sind fast 70 Jahre nach der ersten Verfilmung enorm verbessert worden und J. Dujardin sehe ich immer wieder gerne, trotzdem hätten Zeit und Geld auch in ein anderes, bisher nicht verfilmtes Projekt gesteckt werden können. So aber gibt es jetzt (mindestens) zwei Filme, in denen ein Mann einfach nur unaufhörlich kleiner wird.

Zeit und Geld zu investieren, um ein bisher nicht verfilmtes Drehbuch umzusetzen, kann aber auch gewaltig nach hinten losgehen wie in „Zero – Wettlauf gegen die Zeit“. Hier erwacht ein US-Tourist mitten in Dakar, Senegal, mit einer Bombe auf der Brust und ansonsten komplett ahnungslos. Die Zeit läuft, er hat zehn Stunden bis zum Bumm. Über ein Handy kommuniziert ein mysteriöser Mann mit dem Touristen und stellt ihm Aufgaben, die erfüllt werden müssen. Auf seiner Mission trifft der Tourist – One – auf einen anderen Weißen in der gleichen Lage: Two. Jetzt müssen sie zusammen Aufgaben erfüllen. Warum und wofür, bleibt sehr lange im Dunkeln. Wenn der Zuschauer aber nicht weiß, warum und wofür etwas geschieht, kommt keine Spannung auf, sondern Rat- und anschließende Interesselosigkeit. Als dann am Ende des Films das Geheimnis enthüllt wird, ist es auch noch so hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen, daß es schon ärgerlich ist, dafür Lebenszeit verschwendet zu haben. „Zero“: Finger weg.

Ähnliches gilt auch für „Cuckoo“ (2024), wenn auch Ausgangslage, Genre und Inhalt ganz anders sind. Ein 17-Jähriges Mädchen kommt samt Eltern in ein Ferienresort, das von einem – schon wieder – mysteriösen Mann (D. Stevens) betrieben wird. Der Film beginnt vielversprechend: Ein wenig Mystery, ein wenig Thriller, unerklärliche Sachen passieren… Leider wandelt sich das im Lauf des Films zum simplen Creature- bzw. Bodyhorror und endet in einem richtig langweiligen Shootout. Einzig der running gag, daß das Mädchen mit zunehmender Laufzeit immer mehr Verletzungen und damit einhergehende Verbände, Armschienen u.ä. ertragen muß… naja, so lustig ist das auch wieder nicht.

Durchgehend lustiger war da „Good Fortune“ mit K. Reeves als glückloser Engel mit Mini-Flügeln, der, weil es ihm lehrreich erscheint, in das Leben zweier Menschen eingreift. Den Armen macht er reich, den Reichen arm, um beiden zu zeigen, daß Geld nicht glücklich nicht. Den Armen macht Geld aber nunmal sehr glücklich und da ein Rücktausch der Leben nur unter Bedingungen möglich ist, steckt Engel Reeves in der Klemme und bekommt auch noch Druck von seinen Vorgesetzten. Das ist natürlich noch nicht alles, einige Überraschungen kommen noch. „Good Fortune“ punktet mit Situationskomik und Gesellschaftskritik, eine gelungene Mischung. Auch wenn einige Entwicklungen gegen Ende in der heutigen US-Gesellschaft, in der der Film spielt, absolut undenkbar wären, kann ich ihn guten Gewissens empfehlen.

Genauso wie den aktuellen Film des Vieldrehers Y. Lanthimos, „Bugonia“. Dies ist nämlich mal ein Remake, welches das Original nicht stumpf kopiert, sondern neu interpretiert. Angesichts des ziemlich abgedrehten koreanischen Originals „Save The Green Planet!“ von 2003 wäre eine Kopie wahrscheinlich auch ein finanzieller Reinfall gewesen. So aber spielen mal wieder J. Plemons und E. Stone die Hauptrollen, wie oft bei Lanthimos, und tun das gewohnt gut. Er als Verschwörungsexperte, sie als CEO eines Pharmakonzerns. Er ist überzeugt, daß sie eine Außerirdische von Andromeda ist, die auf Erden die Menschen in eine Art Bienenvolk verwandeln soll. Also entführt er sie zusammen mit seinem, äh, neurodivergenten Bruder und fordert sie auf, Kontakt mit ihrem Mutterschiff aufzunehmen. Mehr kann ich nicht verraten, es wird aber noch irrer. Y. Lanthimos ist für mich einer der z.Zt. besten Regisseure, von dem hoffentlich noch viel kommt.

Ok, einen habe ich noch. Einen mit D. „The Rock“ Johnson, ansonsten bekannt für viele Muckis und harmloses Popcorn-Kino. In „The Smashing Machine“ spielt er jemanden aus einem Milieu, in dem sich Johnson auskennt: Den real existierenden Mixed-Martial-Arts-Fighter Mark Kerr. Der Film wurde hochgelobt, weil Johnson mal eine Rolle mit Tiefgang spielt. Ja gut, es ist kein stumpfer Klopperfilm, hier werden schon tatsächlich einige Tiefen des Business erzählt, das stimmt. Trotzdem war ich am Ende etwas enttäuscht, denn der Film bietet keinen echten Höhepunkt, wenig Drama und kaum Spannung. Johnson Darstellung bleibt zudem recht flach, echtes Mitleid mag nicht aufkommen. Wer auf Kampfszenen einer wirklich saubrutalen „Sportart“ steht, kommt hier noch am ehesten auf seine Kosten. Geschmackssache. Deutlich besser und eines Wiedersehens würdig ist der im ähnlichen Milieu spielende „The Wrestler“ mit M. Rourke von 2008.

Soviel für heute, in der nächsten Folge geht es u.a. um ein weiteres verkorkstes Remake, bei dem aber auch das Original schlecht ist. Und jetzt raus aus dem Internet! Nur noch KI-Slop.