Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Beastie Boys – Ewigkeit oder Bedeutungslosigkeit

Von Onkel Rosebud

Unter den vielen Dingen, die für meine Freundin das Leben verändern können, sind Basslinien sicher nicht die häufigsten, aber wenn sie den Lauf der Dinge mal bestimmen, hat das doch eine ganz eigene Schönheit. Beispiel gefällig? „Sabotage“ von den Beastie Boys. Das mächtig losprustende Bass-Riff dauert nur drei Minuten, die sich wie eineinhalb anfühlen, auch weil der Song ziemlich genau in der Mitte kurz endet. Und, wenn dann der Euphorieschub durch Adam Yauchs hysterischen Pogo-Befehl einsetzt… ach, herrlich, und seit über 30 Jahren enorm wohltuend.

Als dieses alles dominierende Riff, 1994 auf „Ill Communication“ (Capitol Records) erschien, eine Art Zwillingsalbum zum zwei Jahre zuvor veröffentlichten „Check Your Head“, und mit diesen beiden Werken kämpften die Beastie Boys nach ihrem prolligen Frühwerk eine Entscheidungsschlacht: Ewigkeit oder Bedeutungslosigkeit. Auch heute noch macht sich, wenn ich es auflege, meine Freundin bei „Fight For Your Right (To Party)“ über die ehemaligen bierseligen Austauschstudenten lustig, die heute die Kinderwagen in die Sandkästen schieben.

Die Karriere der Beastie Boys hatte viel damit zu tun, zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein. Das hieß in diesem Fall: New York, zu Beginn der 80er-Jahre. 1978 als Hardcore-Punk-Band angefangen, polte sie Rick Rubin auf Hip-Hop um und sie gaben sich entsprechende Pseudonyme. Aus Adam Yauch, dem Mann am Bass, wurde MCA, aus Michael Diamond am Schlagzeug Mike D und aus Gitarrist Adam Horovitz Ad-Rock. Beastie stand der Legende nach für „Beings Entering Anarchistic States Towards Internal Excellence“.

Das wirft die Frage nach der kulturellen Aneignung eines Genres durch drei weiße, jüdische Wohlstandsrüpel auf. Zugutehalten muss man den Beasties, dass die drei männlichen, weißen Party-Rapper von einem schwarzen Manager (Russell Simmons) erfunden wurden. Aber zu homophoben und frauenfeindlichen Spaßvögeln haben sie sich mit dem Song „Girls“ selbst gekürt. „Girls – to do the dishes, girls – to clean up my room, girls – to do the laundry.” Immerhin hatten sich die Beastie Boys offiziell im Nachhinein immer etwas geniert dazu geäußert, auch haben sie den Song nie live zum Besten gegeben.

Adam Yauch, Lückenschließer zwischen Melodie- und Rhythmus am Bass, Status-quo-Großinfragesteller und Kreativ-Genie des Trios, ist 2012 an Krebs gestorben. Danach beschlossen Diamond und Horovitz, nicht weiterzumachen. Wie Led Zeppelin nach dem Ableben von John Bonham. Gute Entscheidung, weil Ewigkeit, nicht Bedeutungslosigkeit.

Onkel Rosebud