Jurassic World – Colin Trevorrow – USA 2015

Von Matthias Bosenick (12.06.2015)

Der Film fängt noch viel beschissener an, als man zu fürchten wagte: US-Amerikanische heile Welt, glückliche Familie mit zwei Kindern, davon ein frisch verliebter Teenager, der unbeholfen von seiner Auserwählten Abschied nimmt. Alles in Pastell, in altbekannten Dialogen, mit Dudelmucke unterlegt, kitschig-süßlich arrangiert. KOTZ!!! Das ist unfassbar schlimm. Das Allerschlimmste daran ist, dass das zwar ironisch aussieht, oder besser: dass man hofft, es sei zumindest ironisch gefärbt, dass es aber komplett ernst gemeint ist. Die wollen einem ernsthaft als Rahmenhandlung zu einem Dinosaurier-Actionfilm so einen kindertauglichen RomCom-Schwachsinn andrehen. Und bei dieser Rezeptur bleibt es: Keine Figur ist auch nur halbwegs durchdacht, sie agieren und reden allesamt und durchgehend stereotyp. Damit sind auch fast alle Zwangsgags vorhersehbar. Inklusive dem Showdown, und dabei fällt einem ein, dass es ja auch noch animierte Dinosaurier in dem Film gibt. Ja, die Reptilienpassagen sind ansehnlich und turbulent und besonders in 3D sehenswert. Sie rechtfertigen aber den gehirnschmelzenden Scheiß drumherum nicht.

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Armored Saint – Win Hands Down – Metal Blade/Sony 2015

Von Matthias Bosenick (09.06.2015)

Und plötzlich gibt es ein neues Album von Armored Saint. Und dann auch noch so ein gutes. Die ehemaligen Ritter-und-Mittelalter-Metaller haben ihren eigenen Sound gottlob weiterentwickelt, er klingt heute bisweilen sogar nach der Interimsband des Sängers John Bush, Anthrax nämlich, weniger als jene auf Riffs basierend, aber im Sound doch recht vergleichbar, was natürlich auch vordergründig an der Stimme liegen mag. „Win Hands Down“ ist hymnisch, melodiös, temporeich und heavy ohne Brutalität. Sehr oldschool also.

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Lord Schadt – Das wahre Buch vom nördlichen Bettenland: Eva G. Hamilton im Gespräch mit Maren von Monkiewitsch – CreateSpace Independent Publishing Platform 2015

Von Matthias Bosenick (08.06.2015) / Auch auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Meta meta fake meta fake fake meta fake – oder so: Lord Schadt generiert ein Interview zwischen seiner erfundenen Performancekünstlerin Eva G. Hamilton, unter deren Namen er in der Vergangenheit tatsächlich existierende Werke anfertigte, und Maren von Monkiewitsch, einer eigens dafür erfundenen Redakteurin eines pseudointellektuellen Brüsteheftchens. Dieses Gespräch quasi seiner selbst mit sich selbst nutzt der Lord nun, um seine eigene nonkonforme Haltung unter die Menschen zu bringen, durchmengt von satirischen Übertreibungen sowie sexuellen und pornografischen Fantasien, die besonders dann möglich sind, wenn man sie jemand anders in den Mund (oder sonstwohin) legen kann. In diesem Rundumschlag zeigt sich der Autor als ausgesprochen fantasievoll, kenntnisreich, kritisch und humorvoll. Er vergießt Spott und Häme, er fabuliert schmierig herum, er schwärmt aber auch von den Dingen, die es ihm wert sind, und formuliert Gegenentwürfe zum bestehenden Gesellschaftskonstrukt. Selten war ein Schlagwort so passend wie hier dieses: „Mindfuck“.

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Code 37: Staffel 2 – B 2011/Edel:Motion 2015

Von Matthias Bosenick (06.06.2015)

Die zweite Staffel der Belgischen TV-Serie „Code 37“ schlägt diverse andere Richtungen ein, verglichen mit der ersten: mehr Humor, mehr Explizität, mehr Gewalt, mehr Nacktheit, mehr Gewicht auf die Rahmenverschwörung, komplexere Fälle. Nicht jeder dieser Aspekte ist positiv, wenngleich das der hohen Qualität dieser Serie an sich keinen Schaden zufügt. Da die Serie im Sittendezernat spielt, sind die geschilderten Sachverhalte in vielerlei Hinsicht schwerer Stoff, sei es in Sachen Gewalt gegen andere oder in Bezug auf die psychischen Folgen solcher Erlebnisse. Die Serie punktet mit den vierköpfigen Ermittlerteam, dessen Mitglieder in ihrer Verschrobenheit sehr liebenswürdig sind, und mit einer eigenen angenehm ästhetischen Bildsprache.

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Violent Femmes – Happy New Year – Add It Up Productions 2015

Von Matthias Bosenick (04.06.2015)

Schon wieder eine Reunion! Das Akustik-Depri-Folk-Party-Punk-Trio Violent Femmes aus Milwaukee beehrt die Menschheit 15 Jahre nach ihrem bis dato letzten Album mit einer neuen Vinyl-12“, veröffentlicht Ende April zum Record Store Day und betitelt nach dem Jahreswechsel, an den zum VÖ-Zeitpunkt niemand mehr oder noch niemand wieder denken mag. Mit an Bord sind erneut die Horns Of Dilemma, die bei aller Teenage-Angst-Schwermut schon immer für die musikalischen Pointen im Oeuvre der Gewalttätigen Weichlinge sorgten. Das Ergebnis sind 13 Minuten Akustik-Depri-Folk-Party-Punk in alter Manier und mit neuem humorvollen Ernst. Damit ist diese Reunion zumindest nicht überflüssig.

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E-Egal – Ich hätt gern Pommes zu der Wahrheit – E-Egal 2015

Von Matthias Bosenick (02.06.2015) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – der Stadtblog

Das Braunschweiger Quintett E-Egal steht als Beleg dafür da, dass Punk als Musikrichtung nicht so limitiert ist, wie sein Ruf es gerne suggeriert. Ohne typische Insignien kommen natürlich auch E-Egal nicht aus, sonst hätte man ja nun auch Probleme, deren Musik noch überhaupt im Punk zu verorten, aber die Jungs haben Ska, Funk, Pop, Metal und vieles mehr im Blut und genieren sich nicht, diese Bastarde ungebremst von der Kette zu lassen. Das macht diese erste LP der Band auch für Leute interessant, die beim reinen Punk womöglich weghören würden. Übrigens zeigt sich der Rezensent stolz, die handnummerierte 1 von 500 Exemplaren dieses Vinyls sein Eigen nennen zu dürfen.

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Kaltmiete – Auf Wiedervorlage – Bauchpfannen Aufnahmen/Danse Macabre 2015

Von Matthias Bosenick (28.05.2015)

Ganze 18 Jahre liegen zwischen dem Debüt „300,- DM“ von Kaltmiete und dem vorliegenden, klammheimlich veröffentlichten zweiten Album „Auf Wiedervorlage“. Ein Umstand, den man der Musik anhört: Das Braunschweiger Trio wildert im – gottlob unkommerziellen – Indierock der 90er Jahre. Da der in der Gegenwart ansonsten eher nicht so stark vertreten ist und da die Band den Sound nicht einfach kopiert, sondern zur Hochzeit des Genres mitgestaltet hat, ist es ein Vergnügen, sich diese ganze Stunde technisch und kompositorisch einwandfreier Retroorientiertheit anzuhören. Einzig die Tocotronismen tun bisweilen etwas weh.

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A Girl Walks Home Alone At Night – Ana Lily Amirpour – USA 2014

Von Matthias Bosenick (28.05.2015)

Wäre die Handlung blöd, man hätte trotzdem ein riesiges Vergnügen an diesem Film, denn Ana Lily Amirpour liefert eine einhundertminütige Sammlung großartiger Bilder, mit allen Tricks und Kniffen, die die Filmkunsttheorie so hergibt. Nun hat man zusätzlich das Glück, dass die Handlung zwar sperrig und entschleunigt, aber gut ist, also einen Mehrwert, der den schwarzweißen „A Girl Walks Home Alone At Night“ mit stark westlicher Prägung alternativer Art und vermutlich orientalischem Erzählstil nicht zu einem genretypischen Vampirfilm verkommen lässt.

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Die drei ??? – 175: Schattenwelt – Europa/Sony 2015

Von Matthias Bosenick (25.05.2015)

Die Jubiläums-Dreifachfolgen der drei Fragezeichen sind in der Regel um einiges attraktiver als die normalen Folgen, seit die Nummern dreistellig sind. Das ist bedauerlich, weil man sich auch für die normale Serie als Fan der frühen Stunden eine dauerhafte Mindestqualität wünscht. Dreifach überzeugten besonders die Episoden 100, „Toteninsel“, und 150, „Geisterbucht“, mit komplexen Handlungen und kompetenzübergreifenden Zusammenhängen, abgesehen von tatsächlichen Abenteuern, die die drei Ü40-Teenager zu bestehen hatten. Nummer 125, „Feuermond“, hatte so einige Längen, aber nicht so starke wie die aktuelle Nummer 175, „Schattenwelt“, an der erstmals drei Autoren arbeiteten: Anstatt dass sich ein einzelner eine lange Geschichte ausdachte, liefert hier ein Trio drei aufeinander bauende Fälle mit einem Gesamtergebnis ab. Die Geschichten sind, um es milde auszudrücken, ereignisarm.

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Nachtbarden – Live mit Schepper und Insa Kohler im TAK in Hannover-Linden am 19. Mai 2015

Von Matthias Bosenick (20.05.2015)

Eine Bombenstimmung herrschte wortwörtlich im Theater am Küchengarten, dem TAK, im schönen Linden: In der Südstadt evakuierte man die Gebäude, weil man eine Weltkriegsbombe zu entschärfen hatte; das Thema drang bis in den kulturellen Abend der Nachtbarden. Die Nachtbarden, das ist eine Lesebühne, bestehend aus Ninia LaGrande, Tobias Kunze, Kersten Flenter und Johannes Weigel, die sich monatlich Gäste ins TAK holen. Dieses Mal waren es der Braunschweiger Solobassist Schepper und eigentlich die Hamburger Autorin Sabrina Schauer, die leider aus gesundheitlichen Gründen absagte und ihre Berliner Kollegin Insa Kohler als würdige Vertretung nach Hannover schickte. Ein Bombenabend: Das heimelige TAK war gerammelt voll, die Gastgeber waren freigiebig und freundlich und die Beiträge qualitativ hochwertig und ausgesprochen unterhaltsam.

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