Die Stadt ist eine Erbse – Schoten aus dem Café Riptide – Buchbauer-Verlag 2015

Von Matthias Bosenick (31.08.2015)

In eigener Sache: Der Betreiber dieses Blogs hat aus Auszügen eines anderen Blogs ein Buch zusammengestellt. Seit acht Jahren schreibt er monatlich auf www.cafe-riptide.de davon, was ihm in ebenjenem Café Riptide in Braunschweig alles so zugetragen wird und widerfährt. Da es sich bei dem Café auch um einen Schallplattenladen, eine Galerie und einen Veranstaltungsort handelt, sind die Erlebnisse recht vielfältig. Neu-Verleger Toddn Kandziora teilte mit dem Autoren die Vision, die angesammelten Inhalte in gedruckter Form einer erweiterten Leserschaft anzubieten, und veröffentlichte in seinem Buchbauer-Verlag nun „Die Stadt ist eine Erbse – Schoten aus dem Café Riptide“. Darin enthalten sind 23 Einträge aus dem Riptide-Blog, leicht überarbeitet sowie um Erläuterungen und Anmerkungen ergänzt, die das Buch auch außerhalb Braunschweigs nachvollziehbar machen.

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Myrkur – M – Relapse Records 2015

Von Matthias Bosenick (31.08.2015)

Wie es klänge, wenn Loreena McKennitt einmal Black Metal machen würde, zeigt „M“ von Myrkur. Nach ihrem selbstbetitelten und -gebastelten Debüt ist es einigermaßen überraschend, dass Amalie Bruun ihrem Experiment tatsächlich ein weiteres Album folgen lässt. Offenbar hat die dem Poprock entsprungene Dänin mächtig Geschmack am Gebolze gefunden. Sie macht es aber erfreulich anders als andere: Choralgesänge, mittelalterliche Melodien und Klavierpassagen sind in ihrer Version von Black Metal normal. Das verärgert die Puristen, die sich auf die Schrei-und-Bolz-Stücke stürzen und den Rest negieren. Sollen sie. Haben wir Nicht-Puristen eben auch mal Black Metal, der uns gefällt.

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Andreas Reiffer (Hg.) – Die Wahrheit über Braunschweig – Verlag Andreas Reiffer 2015

Von Matthias Bosenick (28.08.2015) / Auch erschienen auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Vermutlich gibt es 250.000 Wahrheiten über Braunschweig, in diesem Buch sammelt Verleger Andreas Reiffer mindestens 14: So viele Autoren lassen sich nämlich in diesem Sammelband über ihre (Wahl-)Heimat aus. Daraus ergibt sich eine Stil- und Themenvielfalt, die angemessen beachtlich ist, aber Reiffer selbst stellt in seinem Vorwort berechtigt fest, dass es ein gewagtes Unterfangen ist, „Die Wahrheit über Braunschweig“ überhaupt breitenwirksam zusammenstellen zu wollen. Das vorliegende Ergebnis ist gottlob recht vollständig, doch hätte auch das Nichterfüllen dieses Vorhabens nichts ausgemacht: Die Crème de la Crème der Braunschweiger Literatenszene reicht sich den Staffelstab hin und her, dazwischen tummeln sich eher Unbekannte und sogar ein offensichtlich Ausgedachter. Zwischen Lobhudelei und Lästerei pendeln die Beiträge, entsprechend zwischen Humor und Herzangelegenheit. Und: Nach der zweifelsfrei unterhaltsamen Lektüre fühlt man sich dazu animiert, ergänzend sein eigenes Kapitel hinzuzufügen; nicht wegen einer vermeintlichen Unvollständigkeit, sondern aus Leidenschaft. Zumindest, wenn man Braunschweiger ist.

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Soulfly – Archangel – Nuclear Blast 2015

Von Matthias Bosenick (23.08.2015)

Die Fresse ist das erklärte Ziel von Max Cavaleras Projektband Soulfly, auch auf deren zehntem Album „Archangel“. Damit setzt die Band den eingeschlagenen Weg fort, weg vom Experiment, hin zum oldschooligen Thrashgebolze. Oberflächlich belauscht ist das selbst mit Bonustracks nur eine dreiviertel Stunde lange Album die pure, stumpfe, substanzlose Metalballerei. Kompositorisch mag das sogar stimmen, da zieht Maxe nicht mehr so viele Heringe vom Teller, doch kann er sich auf Mitmusiker berufen, die es verstehen, mit ihren Instrumenten atmosphärische Gimmicks zu kreieren, die das Genaulauschen belohnen.

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Fear Factory – Genexus – Nuclear Blast 2015

Von Matthias Bosenick (13.08.2015)

Die neue Fear Factory ist zwar ein Brett, aber keines aus Vollholz, sondern eine Spanplatte: Irgendwie zweckmäßig, aber nicht wirklich heavy; aus diversen Splittern zusammengeleimt, ohne eigenen Charakter und vermutlich ohne lange Einsatzdauer. Im Regal wird sie eher hinten bei „Digimortal“ und den jüngeren Alben der Zehnerjahre verbaut, während „Demanufacture“, „Archetype“ und „Soul Of A New Machine“ die repräsentativen Elemente darstellen. Wiedererkennbar ist der Sound schon, dank Burton C. Bells Gesang und der elektronisch zerhackten Stakkatoriffs. Was hier aber fehlt, sind markante Songs, Seele und Atmosphäre sowie ein warmer Bass, der den Groove besorgt.

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Flix – Schöne Töchter – Carlsen 2015

Von Matthias Bosenick (06.08.2015)

Wer Flix als schnöden Witzebildchenzeichner abtut, verpasst ein Universum warmherziger, selbstreflektierter und fabelhaft gezeichneter Geschichten. Humor kommt in ihnen natürlich auch vor, aber es ist kein handelsüblicher Nonsens, sondern ein die vorhergenannten Attribute einhaltender. So auch in „Schöne Töchter“, einem großformatigen Sammelband mit den Einseitern, die Flix seit fünf Jahren monatlich für den Berliner „Tagesspiegel“ anfertigt. Darin untersucht er die Liebe mit allen erdenklichen Aspekten und Referenzen. Und mit vielen Abschweifungen, die eher indirekt mit dem Thema zu tun haben.

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The Chemical Brothers – Born In The Echoes – Virgin 2015

Von Matthias Bosenick (25.07.2015)

So kehren sie nach einiger Zeit der Stille also wieder zurück auf den Tanzflur, die Chemical Brothers. Man spricht davon, dass der Vorgänger „Further“ von vor fünf Jahren eine musikalische Ausnahme zum üblichen Oeuvre dargestellt habe und dass „Born In The Echoes“ wieder zu alter Form zurückkehre, doch stimmt dies nicht ganz. Zum einen lag „Further“ deutlich dichter an der logischen adulten Fortentwicklung dessen, was die Chemical Brothers als Bigbeat-Miterfinder und Dance-Connaisseure bislang produziert hatten, und zum anderen ist „Born In The Echoes“ zwar tatsächlich in gewisser Weise retro, aber nicht vordergründig auf sich selbst bezogen, also auf die Hochzeit Ende der Neunziger und Anfang der Nuller, sondern auf die Zeit weit davor, nämlich Endachtziger-Acid-House und Frühachtziger-Minimal-Electro. Sol heißen: Die neuen Tracks sind vergleichsweise leer, nicht so üppig ausgestattet wie die alten. Das hinterlässt zunächst einen unbefriedigten Eindruck, aber das Album wächst, und wie immer bleiben nach einigen Durchlaufen die Songs hängen und kommen die Beine in Bewegung.

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Men & Chicken (Mænd & høns) – Anders Thomas Jensen – D/DK 2014

Von Matthias Bosenick (19.07.2015)

Über „Dänische Delikatessen (De grønne slagtere)“ und „Adams Äpfel (Adams æbler)“ lachte man vor zwölf und zehn Jahren, weil man den Humor schwarz und subversiv fand. Mit dem Blick zurück als, nun, etwas Erwachsenerer beschleicht einen der Eindruck, dass die Filme doch recht albern und nur pseudoprovokant waren. Regisseur Anders Thomas Jensen und sein damaliges Ensemble legen nun mit „Men & Chicken“ nach, und mit dem Eindruck der Vorgänger im Hinterkopf und dem doch recht klamaukigen Trailer vor Augen fragt man sich, ob man sich den Film wirklich antun muss. Man überredet sich selbst und kommt zu Folgendem: einer halben Handvoll guter Gags sowie der Erkenntnis, dass man sich den Film dafür nicht antun muss.

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Meat Beat Manifesto – Kasm 2.2 – Skam 2015

Von Matthias Bosenick (19.07.2015)

Nicht nur die plötzliche Hintenrum-Veröffentlichung an sich ist eine unerwartete Überraschung, schließlich liegt das letzte Lebenszeichen von Meat Beat Manifesto, die „Test EP“, schon drei Jahre zurück; auch inhaltlich erstaunt es: „Kasm 2.2“ bietet rein elektronische Frickelbeats, die nahezu melodielos und recht entspannt die Beinmuskulatur stimulieren, mit den üblichen Atmosphären, die man von MBM-Kopf Jack Dangers kennt. Also keine Jazzexperimente mehr, kein Live-Schlagzeug, keine basslastigen Breakbeat- und Dubstep-Ausflüge. IDM in Reinkultur – kein Wunder, stellt doch Skam eines der führenden IDM-Labels schlechthin dar und etabliert jenes mit Kasm zurzeit ein neues 10“-Sublabel.

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Automat – Plusminus; Automat & Max Loderbauer – Selekt 01 – Bureau B 2015

Von Matthias Bosenick (13.07.2015)

Das ist Sommermusik für Erwachsene. Für Leute, die bereits erfahren haben, dass das Leben aus einem schweren Bisschen mehr besteht als in stylishen Restklamotten gechillt am Strand rumzuhängen, klebrige In-Cocktails und andere Bewusstseinsmanipulatoren in sich reinzukippen und den nächsten Nachtabschnittsbegleiter für sich klar zu machen. Auch gute Laune kann schwarz sein, auch die Dunkelheit kann strahlen: Automat machen Dub in einem reichlich weiten Sinne. Ihre Musik beschallt die Party danach, für die Gäste, die erst dann zu feiern beginnen, nachdem die Hedonisten dumpf in den Vulkan gekippt sind. Wer dann nämlich noch übrig ist, tanzt zum Automat’schen Postapokalypse-Reggae.

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