Raum (Room) – Lenny Abrahamson – CDN/IRL 2015

Von Matthias Bosenick (10.04.2016)

Das ist also der vielgepriesene „Raum“: Ein niedrigschwelliges Esoterik-liebe-das-Leben-Drama. Ein Wohlfühlfilm auf Kosten von Fällen wie dem von Natascha Kampusch. Das filmgewordene Nachdenkliche-Sprüche-Bild auf Facebook. Was sehr schade ist. Der kleine Junge spielt fantastisch, die Kameraarbeit ist sehenswert, die Konstellation vielversprechend. Doch „Raum“ hält seine Versprechen nicht, aber dafür eine viel zu gerade Linie ein, die Konflikte und Konsequenzen zwar zaghaft andeutet, aber letztlich ausspart. Alles ist harmlos, alles ist überwindbar, alles halb so schlimm. Wird schon. Iss mehr unterschiedliche Burger, dann liebst Du das Leben. Schließlich ist hier ein Kind die Hauptfigur, und darin liegt schon ein erhebliches Maß an inhaltlicher Belanglosigkeit.

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20 Years Of Nattefrost: Various Artists Interpreting Nattefrost – Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (25.03.2016)

Krasse Idee: 20 Electro-Ambient-Musiker covern Black Metal! „Blood & Vomit“ im Synthie-Chill-Out-Mix! Ach nee, Moment: Nattefrost gibt es zweimal, einmal als Black-Metal-Combo aus Norwegen und einmal als Vintage-Electro-Projekt aus Dänemark. Sie eint maximal, dass sie jeweils solo unterwegs sind und aus Skandinavien kommen, ansonsten sollte man die Nachtfroste vorsichtshalber nicht verwechseln. Schade, die Idee ist lustig, sich beim Anhören der Trancetracks von „20 Years Of Nattefrost“ vorzustellen, sie wären im Original todesfeierndes Schwarzmetallgekeife gewesen. Doch da der Rezensent den Dänen Nattefrost und dessen Oeuvre nicht kennt, stellt er zunächst immerhin fest, dass die Tributanten, die ebenfalls nicht eben Weltruhm erlangten, eine homogene Arbeit auf Doppel-CD ablieferten. Man kann die zwei Stunden druchhören und erfasst ein einheitliches Soundbild, das sehr zum Entspannen einlädt und in sich doch ausreichend Abwechslung parat hält.

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Soulsplash – Recovery – Timezone 2015

Von Matthias Bosenick (18.03.2016)

Das Debütalbum von Soulsplash macht es mir extrem schwer, muss ich gestehen. Wüsste ich nicht um die Beteiligten, skippte ich (fast) jeden Song weiter. So aber gebe ich der CD eine Chance, und noch eine, und weiß der Geier, wie viele Chancen, und bleibe beim ersten Urteil: Ohne das Wissen um die Beteiligten skippte ich (fast) jeden Song weiter. Einer der Beteiligten ist nämlich Matze Grün, mein Mitstreiter beim „indigo“-Magazin in Wolfsburg vor einem Dutzend Jahren und außerdem früherer Bassist bei Headshot, den Thrashern aus Braunschweig. Daher suche ich nach den Perlen in diesem klassisch gespielten Nu Rock, der eigentlich überhaupt nicht mein Ding ist – und werde natürlich und gottseidank fündig.

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Spotlight – Tom McCarthy – USA 2015

Von Matthias Bosenick (16.03.2016) / Auch erschienen auf Kult-Tour | Der Stadtblog

Spotlight“ ist ein Märchen: über Loyalität und Leidenschaft, über Empathie und für die Sache Einstehen, über unabhängigen Journalismus und die Wahrheit, über stürzende Systeme und Gerechtigkeit. Das Erstaunlichste daran ist: Alles an diesem Film ist (offenbar) wahr! Das lässt von einer guten Welt träumen. Außerdem ist dieser Film fein erzählt, dezent gefilmt und musikalisch angemessen unterlegt, also rundum eine Perle. Auch das ist heutzutage fast schon ein Märchen.

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Harry Payuta – Sweet Gloom – Tribal Stomp/Cargo 2016

Von Matthias Bosenick (08.03.2016)

Schon spannend, was einem gelegentlich in den Briefkasten kommt: Harry Payuta, ein Sitar-Spezialist aus Bremen, präsentiert sein elftes Soloalbum „Sweet Gloom“, das er mit dem Percussionisten Denis Barzaga Ilizastiqui aus Kuba aufnahm, und zwar im Baskenland. Und nichts an dieser Information ist ein Scherz, obwohl das Cover aussieht wie von jemandem gestaltet, der glaubt, dass Albumcover so aussehen, weil er davon mal gehört hat, aber zu faul war, mal zu Recherchezwecken in einen Plattenladen zu gehen, der weiter weg ist als die Drogerie mit ihren Billig-Best-Ofs um die Ecke, und der seinen zwölfjährigen Neffen bat, mal mit Gimp seine Ideen umzusetzen. Das musikalische Ergebnis ist ein irrsinniger Mix: Payuta benutzt die Sitar nicht wie weiland George Harrison auf seinem dritten Drogentrip, sondern wie ein Popsonginstrument, und die Rhythmen dazu erinnern an die Karibik, aber an die latent schwermütige, nicht die hedonistische Vorstellung davon. Krauses Zeug.

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Die Brücke III (Broen/Bron III) – Edel:Motion 2016

Von Matthias Bosenick (07.03.2016)

Das ist also der vermeintliche Abschluss der Trilogie: „Die Brücke“, dänisch-schwedische Vorlage zu „The Bridge“ und „The Tunnel/Le Tunnel“, behandelt obskure, düstere, blutige Kriminalfälle, die in Kopenhagen und Malmö stattfinden und deshalb von einem Ermittlerteam aus beiden beteiligten Ländern gelöst werden müssen. Im Zentrum steht Saga Norén aus Malmö, nur noch, denn in der dritten Staffel fehlt ihr bisheriger dänischer Kollege Martin Rohde. Wie man mit dem Wegfall der Figur umgeht, ist sehr gut gelöst. Saga bekommt mehr Tiefe, es kommen einige interessante Figuren ins Spiel, die Dialoge sind ansprechend – nur das Drehbuch verursacht an vielen Stellen Kopfschmerzen. Doch der letzte Teil entschädigt für alles. Und lässt es sogar zu, dass es irgendwie weitergehen könnte.

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Das Vollplaybacktheater: Die Drei Fragezeichen (2) und der Phantomsee – Live im Theater am Aegi, Hannover, am 1. März 2016

Von Matthias Bosenick (02.03.2016)

Während Hannover 96 in einem Dienstagsspiel der Fußballbundesliga der Herren mit dem VfL Wolfsburg als Kontrahent gegen den Abstieg ankämpfte, trat das Vollplaybacktheater nur wenige Meter weiter zum bereits zweiten Mal auf seiner Comebacktour mit dem zweiten Drei-Fragezeichen-Hörspiel „…und der Phantomsee“ im ehrwürdigen und trotz des massentauglichen Parallelprogramms wieder rappelvollen Theater am Aegi auf. In der Halbzeit, wohlgemerkt: des Stückes, nicht des Spiels, blickte der Nebenmann auf seinen Liveticker im Mobiltelefon und stellte beim Rückstand der Hannoveraner von 0:3 fest: „Hier her zu kommen, war die richtige Entscheidung.“ Je nachdem, für wen man hält, dachte sich der dies schreibende Braunschweiger und nickte verständnisvoll. Am Ende verloren die Gastgeber 0:4, dafür war das Theaterstück wenigstens oberes Mittelfeld der Ersten Liga. Und der Rezensent war vermutlich der einzige, der nach dem Schlusspfiff beider Veranstaltungen an einer Ampel von im Auto vorbeirollenden VfL-Fans erkannt wurde.

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Shred Kelly und Mandolinenterror – Live im Nexus, Braunschweig, am 25. Februar 2016

Von Matthias Bosenick (26.02.2016) und Stefanie Krause (27.02.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour | Der Stadtblog

Wenn Lebensfreude jemals einen neuen Soundtrack brauchen sollte, dann bitte den der kanadischen Band Shred Kelly, wie sie ihn im Nexus darbot. Was das Quintett auf dem Album „Sing To The Night“ zumindest ankündigte, setzte es auf der Bühne mehr als nur überzeugend um: Die allerbeste Laune übertrug sich auf alle, die 100 Gäste ebenso wie das Helferteam. Da war der Geburtstag des Gitarristen nur ein feiernswürdiger Randaspekt, aber sicherlich nicht die Haupterklärung für diese stark infektiöse Ausgelassenheit. Der Funken sprang ordentlich über. Sogar auf den skeptischen Rezensenten.

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Nevermen – Nevermen – Lex/Ipecac 2016

Von Matthias Bosenick (24.02.2016)

Hm. Da kriegen die Nevermen, das Trio mit vier Leuten, Vorschusslorbeeren sondergleichen, weil ihr Debütalbum so einen wirren Stilmix aufweist. Alles kreuz und quer, von Hip Hop bis Metal, heißt es. Wie kommt man nur auf all diese Sachen?, fragt es. Dergestalt angeheizt, führt man sich die LP zu Gemüte. Und nochmal. Und nochmal. Und kommt nicht umhin, festzustellen, dass es zwar ein sehr hübsches Popalbum ist, aber die Songs in sich so homogen sind wie nur irgend möglich. Seriösere Gorillaz vielleicht, synthetische Beats und Sounds mit Rockattitüde. Gerade ein Mike Patton als einer der drei Sänger (mit Tunde Adebimpe und Doseone) hat schon deutlich schrägere Platten gemacht. Das ist zwar enttäuschend, aber dann freut man sich eben über dieses ernsthafte Popwerk. Auch nett.

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Wonderland Band – No. 1 – Polydor 1971/Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (23.02.2016)

Was es nicht alles gibt. Und was Sireena Records nicht alles ausgräbt. Und woran Achim Reichel nicht alles beteiligt war. Und was macht „die Klofrau“ mitten in „The Liberal John F. Baverstock“? „No. 1“ ist auch heute noch ein schräges Album, das mutig alle möglichen Stile und Sounds mixt. Mariachitrompeten im Progrock, Mittelaltergetröte im Bluesrock, melodische Avantgarde, was nicht alles. Weitab vom Pop, aber bei weitem nicht so unhörbar wie „Die grüne Reise“. Experimentell, aber schön. Verdient es, wiedergehört zu werden.

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