Afsky – Ofte jeg drømmer mig død – Vendetta/Broken Silence 2020

Von Matthias Bosenick (10.08.2020)

Von dem freundlichen Intro mit Akustikgitarre und Cello sollte man sich nicht beirren lassen: Auf „Ofte jeg drømmer mig død“, dem zweiten Album von Afsky, hat man es mit Black Metal zu tun. Mit der postmodernen atmosphärischen Variante, also der, die man sich schmerzfrei anhören kann, die nämlich die Basiselemente mit genrefremden Anteilen zu etwas Gutem transferiert. Die Musik blastbeatet nicht nur, sondern lässt Raum für Atmosphäre – unabkömmlich im Post Black Metal – und Groove. Da Ole Luk – ansonsten bei Solbrud – aber weiß, wo Bartel den Most holt, fällt er zu keiner Zeit in den Verdacht, seine Idee von Black Metal mit Weichspüler durchtränkt zu haben. Sein Debüt „Sorg“ ist damit sogar noch gesteigert.

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Paul Weller – On Sunset – Polydor/Universal 2020

Von Matthias Bosenick (06.08.2020)

So klingt das also, wenn der Modfather allmählich in sein Alterswerk übergleitet. „On Sunset“ ist ein schönes handgespieltes souliges Popalbum von Paul Weller, mit Songs, die spätestens beim dritten Hören in Kopf und Herzen feste Plätze gefunden haben – und mit dem wohl hässlichsten Cover seiner Karriere. Was indes fehlt: Biss, Experimente, Rock’n’Roll. Das kann man verkraften, wenn die Lieder so frisch und hübsch sind, nur feiert man Weller damit dann nicht gerade als den musikhistorischen Visionär, der er eigentlich ist. Es lohnt sich, wie immer, übrigens die Deluxe-Version der CD mit den Bonus-Tracks.

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Roman Bunka Band – Dein Kopf ist ein schlafendes Auto – Edition Goldader/Sireena 1980/2020

Von Matthias Bosenick (04.08.2020)

Soso: „Dein Kopf ist ein schlafendes Auto“, behauptete Roman Bunka 1980 auf seinem Solo-Debüt. Mag man gar nicht glauben, dass es dieses Album vor 40 Jahren wirklich gegeben hat und dass dies kein Fake vom Label Sireena ist, das sich mit Musikfreunden einen Prank erlaubt. Dafür ist diese Wundertüte viel zu speziell: Nicht richtig Art- oder Progrock, aber enorm kunstvoll, dann orientalisch und dann wieder experimentell jazzig. Man hört an er Schwelle zum Synthiejahrzehnt die Siebziger noch eindeutig heraus, und das ist auch gut so. Eindrucksvolle (Wieder-)Entdeckung!

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Dream Invasion – 7.7.49 – db2fluctuation 2020

Von Matthias Bosenick (31.07.2020)

Zwei Alben in 15 Jahren: Erwin Jadot aus Belgien veröffentlicht mit „7.7.49“ unter seinem Pseudonym Dream Invasion ein Ambient-Album klassischer Art, das Anklänge an die analoge Berliner Schule ebenso in sich trägt wie an moderne computergenerierte Synthieflächen. Gelegentlich generiert Jadot sogar Beats, zumeist bleibt er aber flirrend, flächend, fluid, allerhöchstens Dank der Pattern rhythmisch strukturiert. Nicht abgrundtief dunkel, aber auch beileibe nicht fröhlich, huldigt Jadot vielseitig der Zahl 7 und lässt aufkommende Fragen angenehm unbeantwortet.

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Xchnum Miiimiiikry – I – Jems 2020

Von Matthias Bosenick (30.07.2020)

Mit dem Projekt Xchnum Miiimiiikry hebt Jonas Kolb sein künstlerisches Wirken von Machyyre auf das nächstdüstere Level: Die Zweisongsingle ist mit dem Etikett Black Metal beklebt, aber das ist nicht die ganze Wahrheit, denn dafür ist die Musik zu experimentell. Wer Machyyre kennt, hat zumindest eine Ahnung davon, was ihn bei Xchnum Miiimiiikry erwartet: Theatralisch, abgrundtief, dunkeldüster, schmerzvoll, leer, blutig und böse sind die Songs. Zur Nachahmung nicht empfohlen!

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Sandkamper – Narzissmus – RecordJet 2019

Von Matthias Bosenick (30.07.2020)

Stoner-Sound mit Grunge-Riffs – auf Deutsch: Sandkamper ist das Solo-Alter-Ego des Wolfsburgers Maurizio Menendez Cina, der unter anderem bereits mit Squintaloo auf sich aufmerksam machte. Mit seiner EP gibt er einen groovenden Einstand als Solist, komplett frei von Bandverpflichtungen und Mitmusikermitsprache, feiert seine Vorbilder und verarbeitet seine Erlebnisse. So aggressiv kann Enttäuschung klingen.

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Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways – Columbia Records 2020

Von Matthias Bosenick (20.07.2020)

Die lebende Legende™ hat ein neues Album: Bob Dylan (79) bringt mit „Rough And Rowdy Ways” seine 39. Studioplatte seit 1962 heraus. Die ist voll schön geworden, vornehmlich besinnlich und langsam, dennoch frisch, kraftstrotzend, agil, mit Oldschoolmitteln auf das Amerika (also die USA) der Gegenwart blickend. Über die Texte des Literaturnobelpreisträgers sollen sich die Dylanologen (eine Art Donaldisten für Robert Zimmerman) auslassen, man kann die Doppel-CD auch ohne deren Entkryptung genießen.

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(0) – SkamHan/(0) – Napalm Records 2020/2017

Von Matthias Bosenick (15.07.2020)

Fröhliches Googeln: Für den Bandnamen „(0)“ gibt es eine grandiose Ergebnisauswahl. Sobald man fündig ist, zudem auch noch grandiose Musik: Die Kopenhagener machen Blackmetal, selbstredend modern mit atmosphärischen Passagen, aber auch mit groovendem Indiefresse. Der Spagat überrascht, einerseits die flächigen Ambientdrones, andererseits beinahe holzfällerartiger Deathmetal. Und wer behauptet, die Besetzung des Quintetts sei ein Geheimnis, ist nur zu faul zum Recherchieren.

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Real – Avalon – Nagelwork/Real-Musik 2020

Von Matthias Bosenick (14.07.2020)

Das erste öffentliche musikalische Lebenszeichen von Jens Nagel seit dem Aus von Phase V: Unter dem schwer zu googelnden Projektnamen Real veröffentlicht der Wolfenbütteler sein Debütalbum und gibt damit seinen Einstand in einer ganz anderen Ecke. Von Hip Hop oder Crossover ist auf „Avalon“ nicht mehr zu hören, stattdessen konzentriert sich der Keyboarder und Sänger auf trockenen Synthiepop, frickeligen Wave und dunklen Electro – mit einer unüberblickbaren Menge an weiteren Genreausflügen, darunter Acid House und Breakbeat. Geblieben sind die deutschsprachigen Texte, ansonsten klingt Phase V in Real nicht weiter nach.

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Tamikrest – Tamotaït – Glitterbeat 2020

Von Matthias Bosenick (09.07.2020)

Die Wüstenblueser aus Mali gehen konsequent weiter und vertiefen die „westlichen“, mithin US-amerikanischen und europäischen, Einflüsse in ihrer Tuaregmusik. Der Hybrid bleibt als solcher erhalten, lediglich die Schwerpunkte verlagern sich, und so lebt auch „Tamotaït“ von der Mischung aus vertraut und fremd, zugänglich und sperrig. Innerhalb der Lieder sind Experimente gar nicht erforderlich – das ganze Konzept ist bereits ein Experiment. Und „Tamotaït“ klingt melancholischer als die früheren Alben, dem Schicksal der Band geschuldet vermutlich.

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