Fear Factory – Aggression Continuum – Nuclear Blast 2021

Von Matthias Bosenick (30.06.2021)

Da ist es also, das Requiem auf Fear Factory: Der Streit zwischen Sänger Burton C. Bell und Gitarrist Dino Cazares überschattet die Veröffentlichung von „Aggression Contimuum“. Vermutlich lenkt die Freude über immerhin noch ein letztes gemeinsames Album der Industrial-Metaler den lechzenden Hörer davon ab, dass es eher überflüssig ist: Die gewohnte Rezeptur in zehn Tracks gegossen, die die Formel um tatsächlich aggressive Ausbrüche reduzieren und ansonsten auf Nummer Sicher setzen. Mehr Pflichterfüllung als Bock auf bretthartes Herumspielen. Die Trennung ist überfällig. Macht mal was Neues, Jungs!

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Nothing But Noise – Aeon 1-9 – db2fluctuation 2021

Von Matthias Bosenick (23.06.2021)

Entspannung kann ganz schön herausfordernd sein: Auf zwei CDs toben sich die Front-242-Mitbegründer Daniel Bressanutti und Dirk Bergen unter ihrem etablierten Alias Nothing But Noise (oder auch NothingButNoise, analog NoMeansNo) mit Berliner-Schule-basiertem Ambient-Elektro aus. Sie lassen ihren analogen Fuhrpark pluckern und kreieren repetetive Sounds dazu, die man bisweilen gar als Melodien verstehen kann. Auf diesen epischen Flächen geht es aber nicht um Songs, sondern um Atmosphären, selbstredend, und trotz aller Wiederholmomente auch innerhalb der Discographie kreiert das Duo ausreichend einnehmende Tracks, um auch die drölfte Veröffentlichung in wenigen Monaten noch geil finden zu können.

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Manuel Backert – Moss Wanted – TubeRecords/Records4you 2021

Matthias Bosenick (21.06.2021)

Abgang Bert Brac, Auftritt Phil Moss: Nach dem nicht eben harmonischen Rausschmiss Carsten Bohns als hauptsächlicher Hörspielmusikkomponist des Europa-Labels engagierte jenes unter anderem Manuel Backert als Nachfolger. Gegen die hochgradig guten Fusion-, Prog- und Artrockstücke Bohns konnte er nur verlieren, und Backert versuchte auch erst gar nicht, das Erbe anzutreten, sondern schlug neue Saiten an, nämlich fast gar keine: Seine Tracks sind vornehmlich synthetisch und im Stil der Zeit, heißt für die zweite Hälfte der Achtziger: cheesy Gebrauchsmusik. Das leicht Trashige hatten auch die Hörspiele dieser Zeit, die man indes auch wegen Bohns unschönem Weggang und der deutlich schlechteren neuen Musik nicht mehr so feierte, insofern ist das ein konsequenter Schulterschluss, und dass man aus heutiger Sicht sogar diese Hörspiele eher goutiert als die aktuellen, begünstigt den Erwerb dieser 40 Tracks auf Schallplatte: Nostalgie schlägt Qualität.

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Paul Weller – Fat Pop Volume 1 – Polydor 2021

Von Matthias Bosenick (17.06.2021)

Was macht der alte Modfather denn jetzt wieder? „Fat Pop“, und dann auch noch „Volume 1“? Mit den synthetischen Beat am Anfang und der Bratzgitarre klingt der erste Song sogar nach Phillip Boa! So bleibt es nicht, der Godfather des Britpop ™ fährt bis auf den räudigen Punk sein gesamtes Arsenal auf, das er von The Jam über The Stylce Council bis zu den zurückliegenden über 30 Jahren Solokarriere anhäufte und kreiert daraus ein gewohnt abwechslungsreiches Album – Fat Pop, in der Tat. Besonders attraktiv in der Drei-CD-Box.

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Gojira – Fortitude – Roadrunner 2021

Von Matthias Bosenick (10.06.2021)

25 Jahre Gojira aus Bayonne! Das siebte Album „Fortitude“ kombiniert die meisten Elemente der progressiven Metalerneuerer, die man auf den vorherigen Alben schon zu lieben lernte, also verschachtelte Breaks, einiges Gebretter, Hymnen, fein ausgestaltete Tracks, hier indes konzentriert auf griffige kürzere Songs mit größerem Popappeal als früher, aber trotzdem weitgehend heavy. Beim ersten Hören also eher enttäuschend, da die epischen komplexen Wutausbrüche hier sehr stark zurückgenommen sind, der Rest aber dafür konziser auf den Punkt fokussiert. Und mit einigen neuen Elementen: Maultrommel! Äh, ja? Früher war mehr Stahlhütte.

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Krügerglantzquartett – Keine Verhältnisse – Krügerglantzquartett 2020

Von Matthias Bosenick (07.06.2021)

Das Album zur Pandemie: Verteilt auf mehrere Monate im coronagebeutelten Jahr 2020 entstanden die Tracks zum dritten Album des aus zwei Leuten bestehenden Krügerglantzquartetts. Das Pandemische schlägt sich auch inhaltlich nieder, aber gottlob nicht ausschließlich. Mit der typischen theatergeschulten Art der beiden entstand ein Popalbum ohne Songs, dafür mit sprachlicher Performance, beinahe wie bei einem Hörbuch. Ohne Ohrwürmer geht man trotzdem nicht aus den elf Tracks heraus, und ohne über den hintersinnigen Humor zu lachen sowieso nicht.

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Deine Lakaien – Dual – Chrom/Prophecy 2021

Von Matthias Bosenick (03.06.2021)

Was ist das schön, nach all den Jahren mal wieder etwas Neues von Deine Lakaien zu hören! Ernst Horn pumpt die besten Samples aus seinem Equipment und Alexander Veljanov singt dazu im herrlichsten Gruftpathos. Alles wie immer, gleichzeitig wieder ein Schritt nach vorn, weil Horn nun mal nicht stillstehen kann und seine Sounds zusehends weiterentwickelt, weit über Gothictellerränder hinaus. Besonders ist das Konzept von „Dual“: Einem Album mit zehn Coverversionen stehen zehn Eigenkompositionen gegenüber, die sich auf die Cover beziehen. Man muss festhalten, so man die Originale kennt, dass die eigenen Stücke besser sind; der Schatten der Hits steht über der Interpretation. Lohnenswert ist die Deluxe-Version mit zwei weiteren Songs und einer Live-DVD.

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Jars – ДЖРС III – P.O.G.O. Records 2020

Von Matthias Bosenick (02.06.2021)

Noisecore, der seinen Noise melodiös unterfüttert und seinen Core amtlich grooven lässt: Ihr erst drittes Album rotzen Jars aus Moskau heraus, und es ist eine herrliche Freude, dieser Eruption von Rock’n’Roll im unklassischen Sinne beizuwohnen. Ein reines Rotzen ist das hier aber nicht: Breaks, Dynamik, Riffs, klare Passagen und ein Saxophonsolo zerstreuen den Lärm und das Geschrei. Eine schlechte Laune, die gute Laune macht!

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Wolfskull – #2/#3 – Schneider Collaborations 2021

Von Matthias Bosenick (31.05.2021)

Wie man komplett frei von Songstrukturen eine solche Schönheit generiert: Yvonne Nußbaum und Jörg. A. Schneider demonstrieren zum zweiten und dritten Mal unter dem Projektnamen Wolfskull, wie das geht. Nußbaum spielt Piano und Synthesizer warm und harmonisch, während Schneider mit elektronischen Mitteln und seinem zurückhaltend klickernden Schlagzeug jede Ahnung von einem Rhythmus verwischt. Die beiden gleichzeitig erschienenen Alben „#2“ und „#3“ vermitteln den Soundtrack zu einer Kopfreise, die man nur zu gern antritt und die den Hörenden in ungeahnte Areale seines Bewusstseins entführt. Da wird einem warm ums Herz. Und man erweitert seinen persönlichen Begriff von „Noise“.

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Devin Townsend – Devolution Series #1: Acoustically Inclined (Live In Leeds) – Inside Out 2021

Von Matthias Bosenick (27.05.2021)

Dev hat ein neues Live-Album! Sein drölfzigstes! Ein Acoustic-Live-Album! Sein drittes! Im Rahmen einer neuen Veröffentlichungsreihe namens „Devolution Series“! Gottlob: Teil 2 hat ein anderes Konzept, also steckt man eben dieses kleine Album ein und freut sich über geile Songs und launiges Gelaber vom mutmaßlich besten lebenden Gitarristen der Welt. Auch wenn man nach dem Erwerb von „Unplugged“ (2011) und „Iceland“ (2016) nicht wirklich ein weiteres Akustikalbum von ihm braucht. Ein Vorteil ist immerhin, dass es sich dabei ursprünglich um ein Bonus-Album der Hyper-Dyper-Delyxe-Edition von „Empath“ handelt, das er hiermit jetzt tauch dem Fußvolk zugänglich macht. Ist das noch Metal? Ja, schon.

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