Nick Cave And The Bad Seeds – Push The Sky Away – Bad Seed Ltd/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (28.02.2013)

Alles neu: Grinderman zu den Akten gelegt, Gründungsmitglied Mick Harvey verabschiedet (das letzte außer Nick Cave selbst), Soundtrack-Mitkomponist Warren Ellis an die Seite gesetzt, das Gerumpel entrümpelt. Heraus kommt „Push The Sky Away“, ein Album, das so entspannt ist, dass man – ohne es böse zu meinen – prima dazu schlafen kann. Das Gute daran: Wer konzentriert zuhört, hat auch etwas davon.

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Yo La Tengo – Fade – Matador 2013

Von Matthias Bosenick (28.01.2013)

Ach, wie schön, das Indierock-Trio aus der Krachmacherstraße hat wieder ein superbes Album gemacht. Gerade Krachmacher wissen ja umso besser, wie man so richtig schöne Musik macht, die dann oft trotzdem mit einem Anflug von Krach durchzogen ist, und auf „Fade“ packen Yo La Tengo den Pop raus, aber sowas von. Das Tempo bleibt gemäßigt, der Einfallsreichtum nicht. Was noch vor 20 Jahren die Orgel war, als Neuerung im Sound, sind heute – wenn auch nur einmal – Bläser und Streicher. Wie schon auf dem Vorgänger „Popular Songs“ aus dem Jahr 2009 klingt „Fade“ fast wie ein Sampler, so heterogen und doch durchweg typisch für die Band. Ein fantastischer Jahresauftakt.

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Simple Minds – 5X5 Live – Virgin 2012

Von Matthias Bosenick (20.01.2012)

Alles in allem ist dieses Doppel-Live-Album eine echte Überraschung, eine positive gar. Zum einen bringt die Band die noch in den 90ern verhassten Songs der verleugneten ersten fünf (eigentlich vier und zwei halbe) Alben auf die Bühne, zum anderen zeigt das nachgeschobene Live-Dokument, wie ausgesprochen gut es den Schotten gelang, sich in die alten geilen monoton-elektronischen Songs hineinzufühlen – mit mehr Gitarre. Und: Das vorherige Live-Album „Live 2011“ hatte nicht die Hälfte der hier nachspürbaren Intensität, die Band hat wieder Bock.

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Anne Clark & Murat Parlak – Enough – Anne Clark 2012

Von Matthias Bosenick (29.12.2012)

Es gibt die Lieder von Anne Clark in den unterschiedlichsten Bearbeitungen, bei den vorrangig elektronischen Studioaufnahmen angefangen bis hin zu Live-Alben in Electro- („R.S.V.P.“), reduzierter Folk- („Psychometry“), wuchtig tanzrockender („Live“-DVD) und reiner akustischer („From The Heart“) Fassung bis hin zu Clubmixen („Wordprocessing“) oder ganz ohne Musik („Notes Taken, Traces Left“). Und nun auch mit zumeist reiner Klavierbegleitung, live mitgeschnitten bei einer Tanzperformance in Zürich. Man könnte also fast meinen, dass dem Werk der Anne Clark eigentlich nichts mehr abzuringen sein kann, doch weit gefehlt: Zum einen besteht die Trackliste nicht nur aus den altbekannten Hits, zum anderen verleihen die Musiker ebenjenen mit neuer Interpretation neue Seelen.

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Krüger – Der Masterplan – Bauchpfannen Aufnahmen 2012

Von Matthias Bosenick (25.11.2012)

Der Herr Krüger ist einfach ein großartiger Arrangeur. Hier eine Akustikgitarrenmelodie nebenbei, dort ein wiederkehrendes E-Gitarrenthema, hüben percussive Einsprengsel, drüben eine Zweitstimme oder ein Klavier. Sein neues Album „Der Masterplan“ beleuchtet ein Thema von verschiedenen Seiten: Eskapismus. Das Verträumte trägt Krüger auch mit seiner Rockmusik; so fügen sich Form und Inhalt perfekt zusammen und ergeben eine konstante gemeinsame Stimmung. Das wiederum kann den Nachteil haben, dass man die einzelnen Stücke nur schwer voneinander unterscheiden kann, weil das ganze Album eher ein zusammengehörendes Stück ist.

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Front Line Assembly – AirMech – Mindbase/Dependent 2012

Von Matthias Bosenick (25.11.2012)

Nur ein kleines Zwischenspiel, nur eine Fingerübung, nur ein Produkt zwischen zwei Haupt-Alben, nur der Soundtrack zu einem Computerspiel ist „AirMech“. Da haben die „AirMech“-Macher aber aufs richtige Pferd gesetzt: Selbst wenn Front Line Assembly nur mal eben nebenbei einen 72-minütigen Spielescore einspielen, kommt dabei etwas Großartiges zum drin Vertiefen heraus. Die können’s einfach, Electro, EBM eigentlich, auf höchstem Niveau, sowohl kompositorisch als auch klanglich.

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Fraktus – Millenium Edition – Staatsakt 2012

Von Matthias Bosenick (19.11.2012)

Natürlich ist „Millenium Edition“, stilecht mit falsch geschriebenem lateinischen Jahrtausend, kein gutes Album im musikkritischen Sinne. Dafür ist es zu sehr Witz, das aber auf einem wiederum hohen musikalischen Niveau, wie es die drei Studio-Braun-Mitglieder Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger in ihrer langjährigen Karriere auch hinter grobem Unfug versteckt immer wieder unter Beweis stellten. Diese Wiedersprüchlichkeit unterscheidet den Studio-Braun-Witz von Comedy, also fast dem ganzen Rest der deutschsprachigen humorschaffenden Welt. Und Widerspruch als solcher ist auch der Kern dieser Veröffentlichung, die den Film „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ begleitet.

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Neurosis – Honor Found In Decay – Neurot Recordings/Cargo 2012

Von Matthias Bosenick (19.11.2012)

Unbestritten sind Neurosis der Impulsgeber für viele, wenn nicht sogar alle Bands, die seit Mitte der 80er irgendeine Musikrichtung wie Sludge Metal, Post Rock, Doom Metal, Slow Core, Dark Ambient, was auch immer spielen. Also: irgendwie heavy, aber schleppend, repetetiv, malmend, brachial, brutal, und doch mit filigranen Einsprengseln durchsetzt. Neurosis rammten Monolithen in die Musiklandschaft – und da wundert es schon, dass das zehnte Album „Honor Found In Decay“ so widerhakenlos am Hörer vorbeidröhnt.

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Cowboy Junkies – The Nomad Series – Razor & Tie/Sony 2012

Von Matthias Bosenick (29.10.2012)

Das stand zu hoffen: Wenn die Cowboy Junkies schon ankündigen, dass sie vier Alben in anderthalb Jahren als zusammengehörige Serie veröffentlichen, ist eine Gesamt-Box am Ende des Zyklus‘ obligatorisch. Und ja: Die Box liegt jetzt vor, sogar je nach Format mit einer Bonus-CD sowie einer Bonus-LP und einer weiteren EP. Komplett alles, was die Kanadier im Rahmen der „Nomad“-Reihe veröffentlichten, erhält man aber trotzdem auf keinem der Formate – dazu war das melancholische Indie-Rock-Quartett einfach viel zu kreativ: Es fehlen die beiden mp3-Bonus-EPs, die sie zu zwei der Alben veröffentlichten, sowie der ganze andere Download-Kram, den es auf deren Webseite gibt. Puh. Und all das nach 25 Jahren Bandexistenz.

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Steve Hackett – Genesis Revisited II – Insideout/EMI 2012

Von Guido Hörster (24.10.2012)

Da ist sie nun also, Hacketts zweite „Retro-Werkschau“ seiner eigenen musikalischen Vergangenheit.
War beim Erstling („Genesis Revisited“, 1996) noch der Ansatz, durch teilweise abenteuerliche Neuarrangements den alten Genesis-Klassikern neue Aspekte abzugewinnen, was imho zumindest im Instrumentalteil von „Firth Of Fifth“ in die Hose ging, ging es Herrn Hackett diesmal darum, die Songs weitgehend werkgetreu neu einzuspielen, um dank der 35-40 Jahre jüngeren Studiotechnik Nuancen herauszuarbeiten, die damals im detailärmeren Klangbild einfach drohten, unterzugehen.
Und tatsächlich – ist man in der Lage, die zwangsläufig nicht wie Gabriel bzw. Collins klingenden Stimmen der Gastsänger mental auszublenden, hat man im direkten Vergleich häufig den Eindruck, die Originale klängen, als stünden die Boxen hinter einem Vorhang. So viel differenzierter und klarer kommen die Neueinspielungen aus den Boxen.

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