Phillip Boa And The Voodooclub – Reduced! – Constrictor 2013; Deine Lakaien – Acoustic II – Chrom 2013

Von Matthias Bosenick (14.07.2013)

Zwei deutsche vornehmlich dem Gothic zugeordnete Indie-Bands veröffentlichen gleichzeitig ihre Variante eines Unplugged-Albums. Phillip Boa And The Voodooclub sind „mehr oder weniger akustisch“, indem sie ihre Songs zwar verstärkt, aber sanfter instrumentiert darbieten, und Deine Lakaien setzen ihr 1995er-Projekt „Acoustic“ fort, indem sie wie weiland ihre eigentlich elektronischen Synthie-Songs auf einem präparierten Klavier nachspielen und ihnen überraschenderweise mehr Qualität verleihen als zuletzt auf den Studioalben. Beide Alben eint, dass sie live aufgenommen wurden und nicht regulär im Handel erhältlich sind.

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The Eden House – Half Life – Jungle Records 2013

Von Matthias Bosenick (16.06.2013)

Trip-Goth nannten The Eden House die Musik ihres Debüts „Smoke And Mirrors“ vor vier Jahren. Damals waren die musikalischen Einflüsse der Bands, aus denen sich die Musiker rekrutierten, auch noch deutlicher zu hören, allen voran Fields Of The Nephilim. Das ist beim Nachfolger reduzierter, selbst von Goth kann kaum noch die Rede sein. Was nicht schlimm ist, Gothic war ja in seiner Urform nie das, was die heutigen Protagonisten darunter veröffentlichen. Auch Post Rock oder Shoegaze passt nicht, Ambient Rock oder Dream Pop schon eher; es fehlen ein wenig die Widerhaken. Geblieben ist das erbauliche Konzept, ausschließlich Frauen singen zu lassen, dazugekommen sind Gastmusiker unter anderem von The Mission und Roxy Music.

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Daft Punk – Random Access Memories – Columbia 2013

Von Matthias Bosenick (15.06.2013)

Das ganze Album ist eine einzige positive Überraschung. Aus vielen Gründen: Nach dem eher belanglosen „Tron Legacy“-Soundtrack ist es mal wieder richtig gut, es ist hörbar handgespielt und deutlich chilliger, als man es von dem Frenchhouse- und Dance-Duo erwartet hätte.

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Killing Joke – The Singles Collection 1979-2012 – Spinefarm Records 2013

Von Matthias Bosenick (05.05.2013)

So dicht liegen Übervollständigkeit und Unvollständigkeit beieinander. Killing Joke veröffentlichen eine Singles-Sammlung auf zwei CDs (oder wahlweise auch 33) mit einer Raritäten-CD als Bonus. Es überrascht, was im Bunde der 33 alles auftaucht, da bleiben tatsächlich so gut keine Lücken, und es überrascht auch, was das Quartett aus den Archiven kramt, worüber selbst Eingeweihte staunen, und doch, gerade dort fragt man sich dann: Wenn schon jener Remix drauf ist, warum nicht die anderen auch? Egal, eine lohnenswerte Anschaffung ist die Dreier-CD auch für den Sammler, und für Entdecker sowieso, die können gleich mal karriereüberspannend bei Killing Joke herausfinden, wo ihre neueren Lieblingsbands so geklaut haben.

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Henke – Maskenball der Nackten/Zeitmemory – Dryland Records/Samsonido 2013

Von Matthias Bosenick (01.05.2013)

Alles ist neuerdings besser bei Oswald Henke, das muss man einfach mal feststellen. Selbstverständlich gebührt seiner Ur-Band Goethes Erben großes Verdienst in Sachen Eigenständigkeit, Stichwort „Neue Deutsche Todeskunst“, aber musikalisch ist sein aktuelles Bandprojekt, das er unter seinem Nachnamen führt, deutlich versierter, voller, rockiger. Geblieben ist Henkes akzentuierte Sprachweise, mit der er seine gesellschaftskritischen und Ansichten und emotionalen Betrachtungen postuliert. Henke schielt nicht nach Applaus aus der Grufti-Ecke, der die Erben einst angehörten, sondern lässt seine jungen Musiker Alternative-Rock spielen, flüssiger, als er sich auf dem letzten Erben-Album schon andeutete, und doch, auch aus der Indie-Ecke wird er wegen seiner Stimme keinen Applaus bekommen. Das ist mal eigenständig. Okay, musikalisch fügt die Band der Welt nichts Umwälzendes hinzu, aber es macht Spaß, sich die neuen Alben und EPs anzuhören.

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!!! – Thr!!!er – Warp 2013

Von Matthias Bosenick (29.04.2013)

„Thr!!!er“ ist wahrscheinlich schon jetzt der beste Albumtitel des Jahres, der beste für die Disco-Punk-Band !!! ist es auf jeden Fall. An das Album muss man sich als langjähriger !!!-Fan jedoch zunächst gewöhnen. Bestanden die alten Stücke zumeist aus langen organischen filigranen handgespielten Grooves, sind die neuen synthetischer und kompakter ausgefallen. Damit büßen !!! zwar etwas von ihrer Einzigartigkeit ein, sind aber als Tanzkapelle nicht weniger mitreißend.

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Dead Can Dance – In Concert – PIAS/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (29.04.2013)

Eine Armee lebender Toter überrollt die Welt. Zurzeit veröffentlichen längst dahingeschiedene Bands allerorten erste und zweite Alben nach jahrzehntelanger Pause, nach ebensolangen „Wir kommen niemals wieder“-Beteuerungen, nach Hickhack und internen Streitereien, nach erfolglosen Soloversuchen und Drogenentzugsprogrammen. Auch Lisa Gerrard und Brendan Perry von Dead Can Dance stritten und kloppten sich, wo es nur ging. Indes waren sie auch solo mehr oder minder erfolgreich und hatten die mehrfach dementierte Wiedervereinigung finanziell offenbar eigentlich gar nicht nötig. Dann gab’s da aber doch mal eine Tour (mit rund zwei Dutzend limitierter Livealben dazu), dann gab’s da mit „Anastasis“ ein neues Studioalbum, dann gab’s noch mehr Touren und dann gab’s ein Livedokument. Darauf zelebrieren die Streithähne ihre wundervolle Mischung aus Ethno, Historik und Groove, allerdings weniger voluminös als auf dem anderen Live-Album „Toward The Within“ und den Studioalben. Und dennoch, warum haben all diese Untoten plötzlich so einen Zulauf? Liegt es vielleicht daran, dass selbst die mediokren Comebackalben abgehalfterter Altstars immer noch besser sind als das Gewurste der unerfahrenen Epigonen?

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How To Destroy Angels – Welcome Oblivion – Sony Music 2013

Von Matthias Bosenick (30.03.2013)

Ein mehr als zwiespältiges Werk, dieses verschleppte Debüt von How To Destroy Angels. Es kommt nach der Meldung, dass Trent Reznor seine Nine Inch Nails reaktivieren will, und macht sich selbst damit noch redundanter. Denn es klingt ohnehin wie eine Resteverwertung von NIN-Sounds mit gelangweiltem Frauengesang, was man vermutlich höher bewertet hätte, wäre da nicht die Aussicht auf das Bessere, nämlich NIN pur.

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Atoms For Peace – Amok – XL Recordings 2013

Von Matthias Bosenick (05.03.2013)

Mal ehrlich: Weit weg von Radiohead ist „Amok“ nicht. Thom Yorke singsangt einnehmend, Elektronik klickert, blubbert, schachtelt, und bei aller Kunst kommen – für aufgeschlossene Hörer – feine Popsongs dabei heraus. Wer Radiohead auch seit „Kid A“ noch liebt, wird bestens bedient, wer sich von der Teilnahme des Red-Hot-Chili-Peppers-Bassisten Flea zum Kauf verleiten lässt, wird vermutlich eher enttäuscht.

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Son Of Rogues Gallery – Anti- 2013

Von Matthias Bosenick (05.03.2013)

Ein zweiter Teil, wie schön, dabei hat selbst vom ersten Teil kaum jemand etwas mitbekommen, was mal ernsthaft verwundert, bei dem Zusammenhang, in dem der entstand, und bei dem Promiaufkommen, das daran beteiligt war. „Rogues Gallery“ und sein Kind beinhalten Aberdutzende von Piratenliedern sowie Gesängen, die mittelbar mit Nautik zu tun haben, vorgetragen von der Crême de la Crême des gepflegten Rumpelrock. Auslöser war seinerzeit der erste „Fluch der Karibik“-Film, auch Johny Depp alias Jack Shit schüttelt im Rund der Versierten seine Jack-Sparrow-Mähne. Teil zwei nun ist zwar auch gut, guckt aber an mancher Stelle musikalisch zu weit über den Tellerrand hinaus.

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