Patti Smith – Banga – Sony Music 2012

Von Matthias Bosenick (27.06.2012)

Da muss etwas passiert sein mit und bei Patti Smith: Auf „Banga“ hält sie die Rebellin zurück. Von Poesie-Punk (1975) über Rock (1996) zu – ja, Pop, oder? Dabei sind die inhaltlichen Zutaten geblieben: Literatur („Banga“ ist der Hund von Pontius Pilatus in dem Roman „Der Meister und Margarita“ des sowjetischen Schriftstellers Michail Afanassjewitsch Bulgakow), Religion, Umweltzerstörung, Geschichte, Tod, Freunde. Offenbar regt der Zustand der Welt die 61-Jährige aber nicht mehr so sehr auf wie früher. Macht nichts: „Banga“ ist trotzdem ein tolles Album geworden.

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Deus – Following Sea – Play It Again Sam 2012

Von Matthias Bosenick (27.06.2012)

Das erstaunlichste an „Following Sea“, dem neuen Deus-Album, ist, dass es schon jetzt existiert, nur ein Jahr nach „Keep You Close“, anstatt dreien, wie sonst, und das auch noch beinahe ohne jede Vorankündigung. Plötzlich ist es da, voll mit feinem Indiepoprock aus Antwerpen. Es ähnelt dem Vorgängeralbum, in Sound und Ideen, setzt die schon Jahre zuvor eingeschlagene Entwicklung aber fort: Waren Deus (bzw. dEUS) am Anfang ihrer Karriere vor nunmehr fast 20 Jahren noch eine krachige Indierockband mit schrägen Harmonien, dominiert heute der Wohlklang und wirkt die Musik vergleichsweise gebremst. Man könnte fast von Pop sprechen, allerdings von gutem, nicht von solchem wie in den Charts oder im Radio. Denn dafür haben Deus doch viel zu viel Erfahrung, als dass sie ihre Kompromisslosigkeit gegen Angepasstheit austauschen würden. Vertraut klingt das, was Deus heute machen, nämlich nur beim oberflächlichen Hören.

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Sigur Rós – Valtari – Parlophone/EMI 2012

Von Matthias Bosenick (26.06.2012)

Vor „Valtari“ musste man als Sigur-Rós-Fan Angst haben. Nachdem sich Sigur Rós beständig und nachvollziehbar von der musikalisch schwer greifbaren, aber emotional mitreißenden Ambientband zur Tanzkapelle entwickelten, zerfaserten die Isländer. Denn nach dem bislang letzten Album „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ und der dazugehörigen Tour stoppte das Quartett 2008 die gemeinsamen Aktivitäten. Sänger Jónsi veröffentlichte danach ein leicht nerviges, wildes und stumpfes Solo-Album, die Band selbst mit „Inni“ einen rumpeligen Konzertmitschnitt von der letzten Tour. Sollte das der vorgegebene Weg der Band sein, musste „Valtari“ enttäuschen. Doch dann die Überraschung: „Valtari“ klingt mitnichten nach der Walze, die der Titel bedeutet, und macht musikalisch sogar einen Schritt um zehn Jahre zurück. Und wirft damit die Frage auf, wie relevant die Band dann noch ist.

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Fear Factory – The Industrialist – AFM/Soulfood 2012

Von Matthias Bosenick (17.06.2012)

Da waren’s nur noch zwei. Nachdem sich Sänger Burton C. Bell und Gitarrist Dino Casarez nach sieben Jahren Funk- bzw. Metalstille vor drei Jahren wieder vertrugen, schmissen sie erst per Rechtsstreit Gründungsmitglied Raymond Herrera und Langzeitmitglied Christian Olde Wolbers aus der Fabrik, setzten dann die Substitute Byron Stroud und Gene Hoglan vor die Tür und treten nun auf „The Industrialist“ nur noch als Duo mit Gästen auf. Man müsste Schlimmes von solchen Methoden halten, spräche nicht die Musik für sie: Arkaea, die neue Band von Herrera und Olde Wolbers, die behaupten, Fear Factory maßgeblich gestaltet zu haben, klingt mal so richtig schmierig und mies nach Kitschmetal. Wenn die also das Rückgrat von Fear Factory waren, dann müssten Fear Factory heute ohne die beiden ja noch schlimmer sein. Tja, die Realität sieht anders aus: „The Industrialist“ setzt dem Vorgänger „Mechanize“ noch eins drauf und führt fort, was „Demanufacture“ 1995 druckvoll und hochtechnisch auf die Metal-Masse losließ.

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Donnerstag: Rock Of Ages + Nightlife in der Schweinebärmannbar 14.06.12

Von Michael „Schepper“ Schaefer (16.06.2012)

Moin,

naja, dass mein freier Donnerstag so ganz im Zeichen der 80er Jahre stehen sollte, war eigentlich auch nicht so geplant, aber cool.

Das Ganze fing schon morgens an, als mir quasi beim Aufwachen ein ziemlich dämlicher Text und eine hartrockende Melodie im Kopf rumschwirrten. Also schnell den Bass geschnappt, harte Riffs und dämliche Textzeilen aufgeschrieben und fertig war mal wieder ein Songgerüst. Heißt „Hardrock Woman“ und klingt verdammt nach 80er-Hairmetal (mach ich sonst nicht…).

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Nils Koppruch – Live beim Festival Theaterformen in Braunschweig, Gartenhaus Haeckel, am 7. Juni 2012

Von Matthias Bosenick (08.06.2012)

Was fehlte: Die tanzenden Theaterleute vor der Bühne. Eigenartig eigentlich. So blieb es bei dem großen Abstand zwischen Publikum und Künstlerduo – Gitarrist Nils Koppruch hatte sich einen Bassisten zur Seite gestellt –, der daraus resultierte, dass sich der bequeme Teil der Zsuchauer mit Klappstühlen fernab der Bühne niederließ und so jedem anderen den Mut nahm, sich davorzustellen. Diese Distanz blieb auch mental bis zum Schluss des einstündigen Konzertes erhalten: Bis auf einige Fink-Fans, die an ihren lauten Begeisterungsrufen zu erkennen waren, sobald die ersten Zeilen vertrauter Lieder oder die letzten Töne der Songs erklangen, schienen die Braunschweiger nur – immerhin – leise oder sich unterhaltend an dem Auftritt interessiert zu sein, nur bedingt jedoch jugbelnd oder lautstark applaudierend. Einige verließen das stimmungsvolle Konzertgelände gar vorzeitig, weil ihnen die Musik, wie sie sagten, zu langweilig war. Koppruch gehört nun mal konzentriert gehört: Seine Sprache lässt sich nicht ad hoc entschlüsseln, und dabei hat er doch so viel zu sagen.

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Meshuggah – Koloss – Nuclear Blast 2012

Von Matthias Bosenick (03.06.2012)

Komplex war die Sorte Metal der Schweden Meshuggah schon immer, auch auf dem Debüt „Contradictions Collapse“ von 1991. Mit dem hüpfbaren Nachfolger „Destroy Erase Improve“ setzten sie 1995 einen Pflock in die Metallandschaft und die Messlatte so hoch, dass sich jedes folgende Album daran messen lassen musste. Die logische Konsequenz war, dass Meshuggah in der Folge mehr und mehr die Pfade des mitschnipsbaren Songs verließen und auf „Catch Thirtythree“ 2005 sogar die Grenzen der Stücke vollkommen verwischten. Zurück zum Kompakten ging es 2008 auf „Obzen“, noch kompakter ist nun „Koloss“. Die Grundzutaten bleiben vertraut: unvorhersehbares temporeiches heftiges Gebolze und keifendes Geschrei. Anders als auf „Obzen“ gönnen Meshuggah sich und den Hörern auf „Koloss“ jedoch keine Atempause.

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Bohren & der Club Of Gore – Live beim Festival Theaterformen, Gartenhaus Haeckel, Braunschweig, am 2. Juni 2012

  

Von Matthias Bosenick (03.06.2012)
Fotos von Rüdiger Knuth

Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet das Konzert von Bohren & der Club Of Gore, der Doom-Jazz-Band, der der Ruf der extremen Langsamkeit anhaftet, zum wahrscheinlich lustigsten Konzert des Jahres – schon jetzt! – werden würde? Dabei lag es doch so nahe (und klang mit geschlossenen Augen auch so): Bohren kommen aus Mülheim an der Ruhr – wie ein anderer wichtiger zeitgenössischer Jazzer, nämlich Helge Schneider. Bei den enorm witzigen Ansagen und einem fast zweistündigen Programm, das sich musikalisch zwar nur wenig von den Alben unterschied, war es dann auch verkraftbar, dass das Schlagzeug komplett vom Band kam. Den Grund erläuterten die verbliebenen drei Musiker im Verlauf der Nacht.

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Die Ärzte – auch – Hot Action Records 2012

Von Matthias Bosenick (28.05.2012)

Ach ja, Die Ärzte. 50-Jährige mit Teenagern als Zielgruppe. Aufklärerisch behandeln sie lauter persönliche Entwicklungsschritte, die in die Generation ihrer Kinder gehören und nicht in ihre eigene. Im Gegenteil, ein Stück wie „Junge“ vom Vorgängeralbum „Jazz ist anders“ richtet sich im Grunde gegen sie selbst und macht sie damit unglaubwürdig. Noch schlimmer war nur „Lasse redn“ mit der Kindermelodie, die jeder Besoffene mitträllern kann. Was mit „Ein Schwein namens Männer“ 1998 ein Zufallstreffer war, begannen Die Ärzte nun immer wieder mal künstlich zu erzeugen: Ballermann- und Bravo-Hits („Manchmal haben Frauen“). „M + F“ vom neuen Album ist auch so einer, das Geschlechter-Thema sattsam gehasst dank Mario Barth, die Melodie ebenso sattsam bekannt aus dem Kindergarten. Auch musikalisch richtet sich das Oeuvre der Ärzte seit „Jazz ist anders“ zuvorderst an Jugendliche, indem das Trio in jeder aktuellen Strömung aalglatt mitschwimmt. Dabei können sie alles auch anders, sowohl den Humor als auch die Musik, wie die Economy-Edition von „Jazz ist anders“ bewies.

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Slash – Apocalyptic Love – Roadrunner Records 2012

Von Michael „Schepper“ Schaefer (23.05.2012)

Slash is BACK!

Nachdem der gute alte Ex-Guns’n Roses-Gitarrenheld im Jahre 2010 ein klasse Soloalbum mit diversen Sängergrößen und berühmten Musikern (Ozzy, Lemmy, Fergie, Chris Cornell, Ian Astbury, Iggy Pop, Dave Grohl, Duff McKagan, etc.) aufgenommen hatte, war es nun wieder an der Zeit, ein „Bandalbum“ zu verwirklichen.

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