Spezial: Marc Gordon Sloan

Von Matthias Bosenick (27.11.2020)

Das ist Bassmusik: Anlässlich seines Corona-Projektes „Reel To Real Volume 1“ steckte der New Yorker Bassist Marc Gordon Sloan gleich noch zwei weitere seiner Alben in den Briefumschlag, und zwar die Post-Punk-No-Wave-Retrospektive „Divine Bones“ sowie die Country-Überraschung „Portrait Of The Musician As Forever Moonlight“. Am Corona-Projekt beteiligten sich mit ihm zehn über die ganze Welt verteilte Künstler, darunter auch die Braunschweiger blackhole-factory.

Weiterlesen →

B. Ashra – The Sound Of DMT: A Sonic Ayahuasca Journey – Klangwirkstoff Records 2020

Von Matthias Bosenick (26.11.2020)

Wer sich beim Entspannen etwas gruseln möchte, liegt mit diesem Album genau richtig: Zwar orientiert sich auch Klangwirkstoff-Labelbetreiber B. Ashra bei der Erstellung seiner Musik an Hans Coustos Kosmischer Oktave, ähnlich wie auch Barnim Schultze alias Akasha Project, doch weicht das musikalische Ergebnis des Berliners erheblich von dem des Braunschweigers ab. „The Sound Of DMT“ feiert eine schamanische Droge, Ayahuasca nämlich, und das frei von Melodien, vornehmlich auf Rasseln und Samples basierend, bisweilen wohlig spooky. Der Trip ist ungewöhnlich, aber auf eine überraschende Weise einnehmend, hypnotisch.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

Devin Townsend – Order Of Magnitude: Empath Live Volume 1 – Inside Out 2020

Von Matthias Bosenick (24.11.2020)

Ein neues Live-Mega-Pack von Devin Townsend. Juhu. Und dann noch beindext mit Volume 1. Die Unterschiede zu bisherigen Livealben sowie den Studioversionen sind marginal, auch wenn hier andere Mitmusiker als sonst am Start sind. Gute Leute, sicherlich, doch fällt bei den Unterschieden sofort der etwas schlechtere Sound ins Ohr: Das Schlagzeug klingt wie Pappe und nicht alle Gitarrenriffs tragen die Wucht, die man von ihnen kennt. Und man fragt sich angesichts der Hawaii-Folklore: Ist das noch Metal oder doch schon weit mehr Operette und Schlager, als man bei früheren Auftritten schon befürchtete?

Weiterlesen →

Roji – Oni/Alexander – I – Schneider Collaborations 2020

Von Matthias Bosenick (23.11.2020)

Zwei Schlagzeug-Bass-Projekte von Jörg Alexander Schneider, die er im Spätsommer nicht nur digital, sondern auch als Schallplatte unter die Leute brachte: „Oni“, das zweite Freejazz-Album von Roji, seiner dritten Zusammenarbeit mit Gonçalo Almeida (nicht dem luxemburgischen Fußballspieler), und „I“, das Drone-Debüt von Alexander, seiner Allianz mit Kyle Alexander McDonald, mit dem er den titelgebenden Zweitnamen teilt. Beide Alben könnten unterschiedlicher kaum sein: „Oni“ der pure improvisierte Lärm, mit ausgewählten Gästen erzeugt, und „I“ beinahe entspannender schwermütiger Noise-Drone.

Weiterlesen →

Spezial: Rens Newland & Jive Music

Von Matthias Bosenick (20.11.2020)

Von Prog über Kneipenrock, Swing und Jazz bis Funk und Afrobeat: Mit einem beachtlichen Genrespektrum überrascht der Gitarrist und Labelbetreiber Rens Nieuwland. Ausgehend von seiner vor 45 Jahren noch in den Niederlanden betriebenen Progband Scope, erweiterte der Musiker ab seinem Umzug nach Wien Ende der Siebziger sein musikalisches Betätigungsfeld in unerwartete Richtungen, reduzierte gleichzeitig aber seinen Nachnamen um das I und das U. Ein kleiner Überblick über seine Alben und das Oeuvre seines Labels Jive Music:

Weiterlesen →

Toundra – Das Cabinet des Dr. Caligari – Inside Out/Sony 2020

Von Matthias Bosenick (19.11.2020)

Da kann man ganz tief abtauchen und entspannen, eine Wohltat in diesen Zeiten. Die spanischen Instrumental-Postrocker Toundra nehmen auf diesem angenommenen Soundtrack zu dem nun genau einhundert Jahre alten Film „Das Cabinet des Dr. Caligari“ dem Postrock auf weiten Strecken das Schlagzeug und legen den Fokus mehr auf das genretypische wavige Gitarrendudeln. Nach den rockigen Alben „(IV)“ und „Vortex“ sowie insbesondere dem emotional überwältigenden Exquirla-Projekt war dieser Rückzug ins Leise nicht zu erwarten, gefällt aber bestens, sobald man sich darauf einlässt, den Weg mitzugehen. Ein gottlob kitschfreier Höhepunkt der anstehenden Jahresbestenlisten.

Weiterlesen →

Dan Yell – Hirnfick, Scheusal & ich – Dan Yell 2020

Von Matthias Bosenick (18.11.2020)

Nach der Lektüre dieses Büchleins hätte der Rezensent dem Autoren davon abgeraten, es zu veröffentlichen. In „Hirnfick, Scheusal & ich“ macht Dan Yell seine Sicht auf eine toxische Beziehung zu einem anderen Punkmusiker öffentlich und legt sein Inneres offen. Für ihn ist es Verarbeitung, für den Genannten womöglich Provokation sowie für den Leser eine Art Brief mit der Nacherzählung der Geschichte und einer von sehr vielen Varianten, mit so etwas umzugehen – jedoch nicht in aller Augen die beste. Als psychologisches Lehrstück für die subjektive Auseinandersetzung mit Mobbing ist es passabel, als Hilfestellung nur bedingt. Dem Büchlein liegt wahlweise eine CD oder ein Tape mit der Punk- und Wave-Musik bei, die im Text Erwähnung findet.

Weiterlesen →

Ermes|Harms – Fingerhut – Sireena 2020

Von Matthias Bosenick (13.11.2020)

Vom Gothic Rock zum Ambient, so geht das mit den abgelegten Scheuklappen: Ein Doppel-Album veröffentlichen Axel Ermes und Hauke Harms, mit eher beatlosem Ambient auf der ersten und entfernt den Industrial anvisierendem Electro auf der zweiten CD. Die Einflüsse ihrer ehedem gemeinsamen Band Girls Under Glass lassen sich hier nicht zwingend heraushören, nicht einmal der Umstand, dass einige der Aufnahmen bis ins Jahr 1989 zurückreichen – für diese Sammlung plünderten Ermes|Harms ihre in 30 Jahren und über 20 Sessions angehäuften Archive und belegen, wie zeitlos solch eine vorwiegend analog generierte Entspannungsmusik doch sein kann.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

Goethes Erben – Flüchtige Küsse – Dryland Records 2020

Von Matthias Bosenick (12.10.2020)

Wer alles von Goethes Erben hat, hält einen sehr variablen musikalischen Schatz in den Händen: Zwei Jahre nach dem eher bandorientierten Album „Am Abgrund“ überrascht Oswald Henke, einzig konstanter Kopf der Erben, mit der klassisch instrumentierten Live-Doppel-LP „Flüchtige Küsse“ mit ausschließlich neuen Stücken. Henkes Lyrik – der Bandname kommt schließlich nicht von Ungefähr – ist darauf ausschließlich von Flügel und Cello begleitet. Seine Mitmusiker wählte der Dichter mit bedacht: Man hätte nicht gedacht, dass derartig reduziert gestaltete Musik so voluminös und dicht klingt. Und: Der ansonsten für sein rezitatives Sprechen gefeierte Henke singt! Gelegentlich.

Weiterlesen →

Ben Aaronovitch – Ein weißer Schwan in Tabernacle Street (False Value) – DTV 2020

Von Matthias Bosenick (09.11.2020)

Hat er gut gemacht! In den vergangenen fast zehn Jahren schien es, als habe Ben Aaronovitch zuletzt das Ziel verfolgt, so viel wie möglich aus seiner zum Kult erhobenen „Die Flüsse von London“-Serie um den Zauberpolizisten Peter Grant herauszuquetschen, koste es, was es wolle, und seien es Qualität oder Verständlichkeit. Im achten Band der Reihe hat er sich offenbar wieder gefangen: Die Story ist nachvollziehbar, die Nebenhandlungen fügen sich in die Hauptgeschichte ein und lenken nicht von ihr ab, die Vorbereitung auf die Lösung schließt etwas Neues mit ein und die ausreichend diffuse Lösung ist dann doch nicht vorhersagbar. Inklusive Humor und Ermittlungsarbeit ist alles drin, was man sich wünscht. Nur der Preis ist frech, aber dafür kann Aaronovitch wohl weniger.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Buch