Von Matthias Bosenick (08.12.2023)
Zum fünften Mal versuchen sich die Autoren der Drei Fragezeichen an einem Adventskalender-Fall, der sich also über 24 Türchen erstreckt. Im Falle von „Böser die Glocken nie klingen“ bedeutet dies: dreieinhalb Stunden auf sechs LPs, die Box ist teurer als alles, was es bisher von den drei Detektiven als Hörspiel zu kaufen gab. Den Fall erdachte André Minninger, der seit über 20 Jahren als Skriptautor die Hörspiele versaut, und genau so gestaltet sich dieser Fall auch: langatmig, labernd und konfus. Positiv ist: Die Box sieht geil aus, jede LP hat ein eigenes Sleeve, schick! Aber: Man darf sich vor der regulären Folge 225, „Der Puppenmacher“, im Januar nur fürchten: Es werden fünf LPs. Mit Minninger ist da leider einiges an Langeweile zu befürchten, denn so lang ist das Buch dazu ja gar nicht.
Archiv der Kategorie: Hörspiel
Die drei ??? und der dunkle Taipan – Live in der ZAG-Arena in Hannover am 12. November 2022






Von Matthias Bosenick (14.11.2022)
Dreidreiviertel Jahre zwischen Ticketkauf und Veranstaltung, das dürfte Rekord sein: Der dritte Nachholtermin des ursprünglich am allerersten Lockdowntag der Coronapandemie hätte stattgefunden haben sollenden Gigs der Originalsprecher der Hörspielserie „Die drei ???“ ging nun endlich über die Bühne, die zwischenzeitig sogar ihren Namen wechselte, von Tui- in ZAG-Arena nämlich. Routiniert servierten Oliver Rohrbeck als Justus Jonas, Jens Wawrczeck als Peter Shaw und Andreas Fröhlich als Bob Andrews eine eigens für die Tour zum vor drei Jahren begangenen 40. Geburtstag der Hörreihe konzipierte Geschichte, die sie fandienlich in die eigene Vergangenheit führt. „Der dunkle Taipan“ überzeugt mit gelungenem Fall, Meta-Humor und angemessener Bühnenshow – vor mehreren tausend Zuschauern, was bei einem Live-Hörspiel ja nun wirklich den Kopf explodieren lässt. Bei aller Glückseligkeit: Etwas mehr Herzblut hätte gern von der Bühne in den Saal fließen dürfen.
Manuel Backert – Moss Wanted – TubeRecords/Records4you 2021
Matthias Bosenick (21.06.2021)
Abgang Bert Brac, Auftritt Phil Moss: Nach dem nicht eben harmonischen Rausschmiss Carsten Bohns als hauptsächlicher Hörspielmusikkomponist des Europa-Labels engagierte jenes unter anderem Manuel Backert als Nachfolger. Gegen die hochgradig guten Fusion-, Prog- und Artrockstücke Bohns konnte er nur verlieren, und Backert versuchte auch erst gar nicht, das Erbe anzutreten, sondern schlug neue Saiten an, nämlich fast gar keine: Seine Tracks sind vornehmlich synthetisch und im Stil der Zeit, heißt für die zweite Hälfte der Achtziger: cheesy Gebrauchsmusik. Das leicht Trashige hatten auch die Hörspiele dieser Zeit, die man indes auch wegen Bohns unschönem Weggang und der deutlich schlechteren neuen Musik nicht mehr so feierte, insofern ist das ein konsequenter Schulterschluss, und dass man aus heutiger Sicht sogar diese Hörspiele eher goutiert als die aktuellen, begünstigt den Erwerb dieser 40 Tracks auf Schallplatte: Nostalgie schlägt Qualität.
Die drei Fragezeichen und das Dorf der Teufel – Hörspielaufführung im Planetarium Wolfsburg am 12. Juni 2021
Von Matthias Bosenick (13.06.2021)
Die zweite Graphic Novel der Drei Fragezeichen ist besser als die erste, weil sie sich mehr auf die grafische Seite der Geschichte verlagert und das Medium besser ausnutzt, und genau darin liegt das Problem für die Hörspielumsetzung: Die Geschichte hat zu wenig Handlung für 90 Minuten. Was in „Das Dorf der Teufel“ an visueller Atmosphäre vorliegt, schafft es nicht ins Hörspiel, denn trotz der Beteiligung des Autors Ivar Leon Menger dominiert hier das Wurschteln des Europa-Labels. Der Abend im Planetarium ist zwar grundsätzlich vergnüglich, lässt aber einiges vermissen, was „Der dreiäugige Totenkopf“ so herausragend machte.
Ulrike Rank – Ralf Rabinski … geht zu Fuß – Samsonido/Dryland Records 2020

Von Matthias Bosenick (27.01.2021)
Diese CD stellt in überraschend vielen Aspekten eine, nun, Überraschung dar: Bei „Ralf Rabinski … geht zu Fuß“ handelt es sich um ein Kinderhörspiel, veröffentlicht auf dem Gruftmucke-Label Dryland Records und eingesprochen von unter anderem Oswald Henke von Goethes Erben sowie dem früheren Wolfsheim-Sänger Peter Heppner. Erdacht ist die Geschichte von der Bremer Grafikdesignerin Ulrike Rank, die auch an diversen Dunkel-und-düster-Plattencovern beteiligt war. Mit nordischem Humor und einigem Einfallsreichtum erzählt das Stimmentrio – Rank ist selbst dabei – die kindgerechte und auch für Erwachsene lustige Geschichte vom Rabenjungen Ralf, der sich mit einer Hummel anfreundet und auf der Jagd nach Kirschen doch lieber spaziert als fliegt.
Point Whitmark – (42) Der Ruf des Wellengängers – Decision/Sony 2019

Von Matthias
Bosenick (05.08.2019)
Plötzlich und unerwartet landet nun
auch die zweite bereits seit Jahren fertig produzierte Episode von
Point Whitmark im Handel. In „Der Ruf des Wellengängers“
behandelt Serienchef Volker Sassenberg sein eigenes Schicksal als
mimosischer Hörspielproduzent, der von allen Beteiligten ausgebootet
wird und deshalb zu drastischen, aber für die Hauptfiguren Jay, Tom
und Derek nachvollziehbaren Maßnahmen ergreift. Wischt man diese
kindhaften Selbstgerechtigkeiten beiseite, bekommt man einen angenehm
entdrehten Fall mit Mystik, Action und Humor – aber leider nicht
die Aussicht darauf, dass es mit der Serie danach auch weitergeht.
Die Drei ??? – (200) Feuriges Auge – Europa/Sony 2019

Von Matthias
Bosenick (24.07.2019)
Es ist kompliziert. 200 Folgen der
erfolgreichsten und beliebtesten Jugendbuchserie des Universums sind
ein Grund zum Feiern, sicher, nach all den superben Abenteuern, die
man mit den drei Jungdetektiven aus Rocky Beach seit 1979 auf
Hörspielen erlebte. Aber von den zurückliegenden 100 Folgen war
höchstens ein Viertel noch goutierbar, was Form und Inhalt betrifft.
Der Fans liebster gegenwärtiger Autor André Marx verfasste nun die
Buchvorlage zum Jubiläumsband, der auf die Klassikerepisode „Der
Fluch des Rubins“ (als Hörspiel die Nummer 5) zurückgreift, das
Trio zunächst trennt, den Rubin zum Gegenstand der Ermittlungen
macht und die Drei Fragezeichen sogar bis nach Indien führt. Das
Hörspiel ist auf fünfeinhalb Stunden gestreckt und erzählt die
Geschichte zwar dranbleibbar, aber ohne Atmosphäre. Gemischtes
Jubiläum.
Point Whitmark (41) Rückkehr aus dem Totenland – Decision/Sony 2019

Von Matthias
Bosenick (15.05.2019)
Der Titel erscheint programmatisch,
dabei dürfte der schon vor der mehr als vierjährigen Pause
festgestanden haben, denn so lang lag diese Episode offenbar auf
Halde: Aus Gründen, die niemand kennt, veröffentlicht der
mimosische Serienboss Volker Sassenberg endlich die langerwartete
„Rückkehr aus dem Totenland“ seiner Hörspiel-Serie Point
Whitmark. Hier lohnt sich das Warten zwar überdeutlich mehr als bei
den konkurrierenden Drei Fragezeichen, aber über den gehobenen
eigenen Durchschnitt kommt dieser Jugendgruselkrimi nicht so richtig
hinaus. Trotzdem und überhaupt: Willkommen zurück! Mal sehen, für
wie lang.
Die drei Fragezeichen und der dreiäugige Totenkopf – Hörspielaufführung im Planetarium Wolfsburg am 22. März 2018
Von Matthias Bosenick (23.03.2018) | Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog
Das Hörspiel zum Comic, umgesetzt für die Surroundanlage von Planetarien: Mit den drei Fragezeichen erlebt man seit Jahrzehnten immerzu neue Darreichungsformen. Die sind für sich genommen jedoch zumeist spannender als die Fälle der jüngeren Zeit. Man darf sich also einerseits auf eine spezialgelagerte Sonderfolge freuen und muss andererseits doch fürchten, dass sie womöglich langweilig, krude und uninspiriert ist. Entwarnung: „Der dreiäugige Totenkopf“ funktioniert überraschend gut, die begleitenden Visuals sind stimmig, lediglich die Spieldauer ist ein winziges Bisschen zu lang für den dafür etwas zu gewöhnlichen Inhalt.
Morgenstern (Episoden 1 bis 4) – Raimon Weber – Folgenreich/Universal 2013/2014

Von Matthias Bosenick (06.02.2016)
Fast zwei Jahre zurück liegt die Veröffentlichung der vierten und bislang letzten Episode der „Morgenstern“-Serie von Raimon Weber, jetzt erfolgt eine neuerliche Marketingkampagne dafür. Unklar ist, ob es neue Folgen geben soll, denn die vierte endet mit einem Cliffhanger. Bei „Morgenstern“ handelt es sich weder um ein Hörbuch noch um ein Hörspiel, sondern um eine Mischform, die inszenierte Lesung nämlich, und wenn man Vertreter wie „Der Butler“ oder „The Return Of Captain Future“ kennt, stellt man fest, dass es auch in dem Genre Unterschiede gibt, denn „Morgenstern“ hat nicht wie jene einen Hauptleser und für jeden Charakter eine Stimme, sondern nur eine Stimme und dazu Soundeffekte. Wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eine ziemlich hard-boiled Krimi-Geschichte um einen – na klar – zum prekären Privatdetektiv gewandelten Ex-Polizisten, der in eine Art übergeordnete Verschwörung gerät. Hier punktet weniger die Spannung als die Art und Weise, wie die teils verstörenden Elemente zusammenhängen.




