Dirk Serries – 252608 – Dirk Serries‘ Stream Of Consciousness 2026

Von Matthias Bosenick (21.07.2026)

Immer wieder begeistert es, wie Dirk Serries es schafft, seine Gitarre so klingen zu lassen, als wäre sie alles andere als eine Gitarre. „252608“ ist der neueste Teil seiner unüberblickbar reichhaltigen Reihe „Stream Of Consciousness“, in der er die Tiefen seiner eigenen musikalischen Biografie auslotet, indem er allein auf seinem Instrument mit einem Stapel Effektgeräte Ambient generiert. Mehr muss man auch gar nicht wissen, sondern einfach nur abtauchen.

Aus zwei Teilen besteht „252608“, beide um die 20 Minuten lang: „The Paradoxical Peak“ und „A Collision Effekt“. Definitiv: Eine Gitarre hört man hier nicht heraus, jedenfalls nicht, wenn man Akkorde, Licks oder Riffs mit deren Sound verbindet. Zunächst generiert Serries einen Teppich, der eher nach Synthies klingt und der in der Tonhöhe sphärisch variiert, also so, dass man die Wechsel kaum wahrnimmt, eher subliminal. Drüber liegen weitere Töne, ebenso sanft, und die könnten stark verfremdete Oboen oder andere klassische Blasinstrumente sein. Nichts davon bewegt sich schnell, aber alles dennoch so, dass es nie an Spannung verliert, dass man sich gern in diesem Raum aufhält.

Die zweite Hälfte verändert die Stimmung leicht: In die beinahe beschwingte Melancholie mengt sich etwas Beklemmung, die an Streicher erinnernden Sounds kippen an unerwarteter Stelle etwas in Schräglage, das löst ein leichtes Umwohlsein aus, während man sich eigentlich auf seine Entspannung konzentriert, oder eben auch nicht konzentriert, weil man sie einfach geschehen lässt, und diese Tonmodulationen rütteln unsanft am Bewusstsein. Dann beginnt man, sich darauf einzulassen und mitzuverfolgen, wie sich diese Neigungen entwickeln, und wird damit belohnt, dass sich die Musik wieder aufrichtet, ihr Unwohlsein abschüttelt, sich austariert und eine Stabilität vermittelt, die die Hörenden aufatmen lässt und vermittelt, dass ja doch alles gut wird.

Ungefähr monatlich veröffentlicht der nach Frankreich rübergemachte Belgier Serries ein neues Album aus der Serie „Stream Of Consciousness“. Damit knüpft er an seine rund 40 Jahre zurückliegenden Anfänge an, als er als Vidna Obmana damit startete, Soundscapes, Drones und Ambient mit melancholischem Grundton zu generieren.