Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Was meine Freundin gerne hört.

Von Onkel Rosebud

In dieser Folge der Kolumne gehe ich auf einen besonderen Wunsch meiner Freundin ein. Sie hält mir regelmäßig vor, in ihrem werten Namen über Zeugs zu schreiben, was sie oft gar nicht kennt, und fordert eine Richtigstellung: Schreib‘ doch mal wirklich über das, was deine Freundin gerne hört, zum Beispiel über Stereolab. Na, sehr gern.

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Spleen United – The Blur Of Zebras – Universal 2024

Von Matthias Bosenick (11.09.2024)

Da wartet man schon gar nicht mehr auf eine Reunion der dänischen Electro-Rocker Spleen United, weil das dritte und letzte Album schon 2012 herauskam und seitdem annähernd Ruhe herrschte, da steht plötzlich „The Blur Of Zebras“ in den Plattenläden. Mit „Afterglow“ startet es noch hoffnungsvoll – und wird dann extrem langweilig und massentauglich. Lauter Downbeat-Vocoder-Tralala. Von Rockmusik keine Spur mehr, von Eigenständigkeit und Experimentierfreude ebenso wenig. Das ist eine fette Enttäuschung!

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Lars Bech Pilgaard – Folklórica – Mom Eat Dad Records 2024

Von Matthias Bosenick (09.09.2024)

Der Mann ist nicht nur in Dänemark bekannt für Jazz, Avantgarde, Noise und andere experimentelle Rockformate und betitelt nun sein zweites Solo-Album „Folklórica“, das verwirrt. Umso mehr, als dass es gleichsam zutrifft und dennoch ins genannte Schema passt. Für dieses Album arbeitet Lars Bech Pilgaard mit diversen Gitarren und einem Banjo, jeweils verfremdet oder mit dem Bogen gespielt, sodass diese vertrauten Instrumente zumeist gar nicht nach sich selbst, aber nach vielen anderen klingen, Geigen, Orgeln oder indigenen Instrumente etwa. Von Songstrukturen oder eingängigen Melodien ist in dieser kargen Musik keine Spur, da dringt das Experimentelle nach vorn, stattdessen hört man Soundscapes, Drones, akustische Figuren, möglicherweise Gefühle. Ja, man fühlt, die Instrumente im Raum, den Musiker neben sich, wie er einem mit seinen Werkzeugen sein Inneres offenbart oder auch mal etwas herumspinnt, und man hört ihm gern zu.

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Morgue Meat – Apocalyptic Visions – Pest Records 2024

Von Matthias Bosenick (29.08.2024)

Puh, ja: Morgue Meat aus Dallas, Texas, bedienen sämtliche Klischees. Nee, halt: Sie bedienen die Death-Metal-Folklore, so war das gemeint. Bandname irgendwas mit Tod: gegeben. Albumtitel „Apocalyptic Visions“ bekannt und mit Bibelbezug: gegeben. Schriftzug unlesbar: gegeben. Cover irgendwie gruselig: gegeben. Albumtitel in einer Art Frakturschrift: gegeben. Songtitel blasphemisch und todesnah, etwa „Crushing The Messiah’s Skull“ oder „Realm Of Eternal Suffering“: gegeben. Musik meistens schnell, immer tief, teilweise groovend: gegeben. Gesang bisweilen ins Quieken gehend gegrowlt: gegeben. Preis für den Download mit Verweis auf die Offenbarung: $6.66, gegeben. Neu sind die Wurzeln des Trios: Außer in Texas liegen die in El Salvador und Mexico. Behauptet die Info, dass die Band dies musikalisch berücksichtigt, hört man es nicht wirklich heraus: „Apocalyptic Visions“ geht klassisch in die Fresse. Ein Fest für Fans des Genres.

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Vibravoid – We Cannot Awake – Tonzonen Records 2024

Von Matthias Bosenick (28.08.2024)

„We Cannot Awake“ ist eine bunte, ähm, Tüte geworden: Auf ihrem 90488. Album vermengen Vibravoid aus Düsseldorf psychedelische Genres wie Psych-Pop, Post Punk, Stoner, Fuzz, Space, Noise, Kraut und allerlei weitere bewusstseinserweiternde rockbasierte Ausrichtungen zu einem bunt schillernden Werk. Der schlüssige Schluss straft den Titel Lügen, man wird abrupt aus der Kontemplation gerissen. Gerissen!

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Umbersun – Endless Winter Nights – Pest Records 2024

Von Matthias Bosenick (27.08.2024)

Zuerst denkt man: Kitsch. Doomige Riffs und synthetischer orchestraler Bombast. Sobald aber das Growlen einsetzt und sich in die Stimmung einfügt, lässt man sich auch mitten im Sommer auf die „Endless Winter Nights“ ein. Im Verlauf wird das Debüt-Album des rumänischen Quintetts Umbersun noch waverockig, bekommt einige Gimmicks und entwickelt eine merkwürdig anheimelnde Stimmung aus Depression und Gemütlichkeit. Eine schöne Einstimmung auf die zunehmende Dunkelheit.

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Meer – Wheels Within Wheels – Karisma Records 2024

Von Matthias Bosenick (23.08.2024)

Meer ist wirklich ein schöner Name für eine Band, obschon diese hier aus Norwegen kommt, wo „Meer“ eigentlich „hav“ oder „sjø“ heißt, dann ist die Intention dahinter etwas unklar. Die Musik auf dem dritten Album „Wheels Within Wheels“ wiederum neigt dazu, die Hörenden zu überschwemmen: Orchester-Pop, Bombast, Opulenz, Expressivität, allergrößte Emotionen, im Grunde Kitsch – und auch noch wider besseren Kategorisierens einsortiert im Prog-Rock-Fach. Auf diesem Album bekommt man von allem zu viel, außer von Ruhe und Entspannung. In den wenigen stilleren Sequenzen kommen die Finessen des Oktetts wesentlich besser zum Ausdruck, und doch dominiert eine niederschmetternde Kirchentags-Erbaulichkeit. Da passt die Rückübersetzung: Norwegisch „meer“ (eigentlich „flere“) heißt auf Deutsch einfach „mehr“. Dabei wäre „for mye“ treffender gewesen: „zu viel“.

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Ritual – The Story Of Mr. Bogd, Part 1 – Karisma Records 2024

Von Matthias Bosenick (21.08.2024)

Wer eine Katze als Freund hat, weckt schon mal Aufmerksamkeit. Mr. Bogd, offenbar ein Geschäftsmann, der sich auf eine Reise begibt, nennt eine Katze seinen Helden, mitten im Album „The Story Of Mr. Bogd, Part 1“ – dem Comeback des schwedischen Prog-Quartetts Ritual nach 17 Jahren Pause. Das gestalten die Stockholmer gleich mal als Auftakt eines Doppel-Albums, dessen zweiter Teil noch aussteht. Die Musik ist wild: Gefühlt ist hier kein Instrument nicht zu hören, kein prog-verwandtes Genre ebenso, alles pendelt verspielt zwischen Frickelei und Narration, man staunt. Und schnurrt.

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I, Cursed – Death Holograms – Inverse Records 2024

Von Matthias Bosenick (14.08.2024)

Für das – nun – Duo I, Cursed ist „Death Holograms“ eine Art Einstand, nach einigen Singles und einer Split-Veröffentlichung, und die Finnen haben so viel Feuer unterm Hintern, dass diese sieben Tracks in unter einer Viertelstunde wirken wie ein Vollzeitalbum. Im weitesten Sinne sind I, Cursed im Death Metal angesiedelt, was sie nicht davon abhält, auf Genregrenzen zu pfeifen und in ihr strukturiert lärmendes Gepolter auch Leihgaben aus dem punkigen Grindcore oder dem hüpfbetonten Thrash Metal sowie unterschwellige, atmosphärische Melodien einzufügen. Insbesondere der – äh – Gesang sticht hervor: Was wie aus vielzähligen Kehlen klingt, kommt aus lediglich einer.

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Dirk Serries – Defiance Of Self – Silentes/13 2024

Von Matthias Bosenick (13.08.2024)

Es ist ein Rausch, ein Skulpturengarten im dichten Nebel, ein Tauchgang in Honig, ein zwielichtiges Labyrinth in Watte: „Defiance Of Self“ nennt Dirk Serries seine Experimente, die er mit seiner Gitarre und seinem Effektboard mitschnitt, in Echtzeit, wie die Info betont. Die Info sagt außerdem, dass die fünf Ambient-Tracks dunkel und experimentell ausgefallen sind, aber das ist durchaus diskutabel: Freunde solcher freien Musik finden Freude an den entschärften Atmosphären, die die Hörenden umhüllen und vom Übel der Welt abtrennen. Dunkel geht anders, abstrakt indes ist es sehr, und es gelingt dem Antwerpener ungemein gut, aus dem Experiment Schönheit zu extrahieren. Von wegen „Selbstverachtung“!

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