Sigur Rós – Valtari – Parlophone/EMI 2012

Von Matthias Bosenick (26.06.2012)

Vor „Valtari“ musste man als Sigur-Rós-Fan Angst haben. Nachdem sich Sigur Rós beständig und nachvollziehbar von der musikalisch schwer greifbaren, aber emotional mitreißenden Ambientband zur Tanzkapelle entwickelten, zerfaserten die Isländer. Denn nach dem bislang letzten Album „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ und der dazugehörigen Tour stoppte das Quartett 2008 die gemeinsamen Aktivitäten. Sänger Jónsi veröffentlichte danach ein leicht nerviges, wildes und stumpfes Solo-Album, die Band selbst mit „Inni“ einen rumpeligen Konzertmitschnitt von der letzten Tour. Sollte das der vorgegebene Weg der Band sein, musste „Valtari“ enttäuschen. Doch dann die Überraschung: „Valtari“ klingt mitnichten nach der Walze, die der Titel bedeutet, und macht musikalisch sogar einen Schritt um zehn Jahre zurück. Und wirft damit die Frage auf, wie relevant die Band dann noch ist.

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Fear Factory – The Industrialist – AFM/Soulfood 2012

Von Matthias Bosenick (17.06.2012)

Da waren’s nur noch zwei. Nachdem sich Sänger Burton C. Bell und Gitarrist Dino Casarez nach sieben Jahren Funk- bzw. Metalstille vor drei Jahren wieder vertrugen, schmissen sie erst per Rechtsstreit Gründungsmitglied Raymond Herrera und Langzeitmitglied Christian Olde Wolbers aus der Fabrik, setzten dann die Substitute Byron Stroud und Gene Hoglan vor die Tür und treten nun auf „The Industrialist“ nur noch als Duo mit Gästen auf. Man müsste Schlimmes von solchen Methoden halten, spräche nicht die Musik für sie: Arkaea, die neue Band von Herrera und Olde Wolbers, die behaupten, Fear Factory maßgeblich gestaltet zu haben, klingt mal so richtig schmierig und mies nach Kitschmetal. Wenn die also das Rückgrat von Fear Factory waren, dann müssten Fear Factory heute ohne die beiden ja noch schlimmer sein. Tja, die Realität sieht anders aus: „The Industrialist“ setzt dem Vorgänger „Mechanize“ noch eins drauf und führt fort, was „Demanufacture“ 1995 druckvoll und hochtechnisch auf die Metal-Masse losließ.

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Meshuggah – Koloss – Nuclear Blast 2012

Von Matthias Bosenick (03.06.2012)

Komplex war die Sorte Metal der Schweden Meshuggah schon immer, auch auf dem Debüt „Contradictions Collapse“ von 1991. Mit dem hüpfbaren Nachfolger „Destroy Erase Improve“ setzten sie 1995 einen Pflock in die Metallandschaft und die Messlatte so hoch, dass sich jedes folgende Album daran messen lassen musste. Die logische Konsequenz war, dass Meshuggah in der Folge mehr und mehr die Pfade des mitschnipsbaren Songs verließen und auf „Catch Thirtythree“ 2005 sogar die Grenzen der Stücke vollkommen verwischten. Zurück zum Kompakten ging es 2008 auf „Obzen“, noch kompakter ist nun „Koloss“. Die Grundzutaten bleiben vertraut: unvorhersehbares temporeiches heftiges Gebolze und keifendes Geschrei. Anders als auf „Obzen“ gönnen Meshuggah sich und den Hörern auf „Koloss“ jedoch keine Atempause.

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Die Ärzte – auch – Hot Action Records 2012

Von Matthias Bosenick (28.05.2012)

Ach ja, Die Ärzte. 50-Jährige mit Teenagern als Zielgruppe. Aufklärerisch behandeln sie lauter persönliche Entwicklungsschritte, die in die Generation ihrer Kinder gehören und nicht in ihre eigene. Im Gegenteil, ein Stück wie „Junge“ vom Vorgängeralbum „Jazz ist anders“ richtet sich im Grunde gegen sie selbst und macht sie damit unglaubwürdig. Noch schlimmer war nur „Lasse redn“ mit der Kindermelodie, die jeder Besoffene mitträllern kann. Was mit „Ein Schwein namens Männer“ 1998 ein Zufallstreffer war, begannen Die Ärzte nun immer wieder mal künstlich zu erzeugen: Ballermann- und Bravo-Hits („Manchmal haben Frauen“). „M + F“ vom neuen Album ist auch so einer, das Geschlechter-Thema sattsam gehasst dank Mario Barth, die Melodie ebenso sattsam bekannt aus dem Kindergarten. Auch musikalisch richtet sich das Oeuvre der Ärzte seit „Jazz ist anders“ zuvorderst an Jugendliche, indem das Trio in jeder aktuellen Strömung aalglatt mitschwimmt. Dabei können sie alles auch anders, sowohl den Humor als auch die Musik, wie die Economy-Edition von „Jazz ist anders“ bewies.

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Slash – Apocalyptic Love – Roadrunner Records 2012

Von Michael „Schepper“ Schaefer (23.05.2012)

Slash is BACK!

Nachdem der gute alte Ex-Guns’n Roses-Gitarrenheld im Jahre 2010 ein klasse Soloalbum mit diversen Sängergrößen und berühmten Musikern (Ozzy, Lemmy, Fergie, Chris Cornell, Ian Astbury, Iggy Pop, Dave Grohl, Duff McKagan, etc.) aufgenommen hatte, war es nun wieder an der Zeit, ein „Bandalbum“ zu verwirklichen.

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Nothing But Noise – Not Bleeding Red – Future Noise Music/Rough Trade 2012

Von Matthias Bosenick (20.05.2012)

Warum macht man so etwas? Ein Doppel-Album, wahlweise als CD oder LP (die CD hat zwei Tracks mehr), im dudeligen Ambient-Stil, den vor 40 Jahren bereits Jean Michel Jarre etablierte. Okay, Nothing But Nosie sind deutlich weniger massen- oder radioorientiert, weil experimenteller. Sie lassen sich noch mehr Zeit für ihre Soundscapes. Die bestehen nicht aus durchgehenden Flächen, sondern aus Patterns und Loops, haben ungefähr die BPM-Zahl eines durchschnittlichen Tracks von Bohren & der Club Of Gore und sind rein elektronisch erzeugt. Eine musikalische und stimmungshafte Tiefe ist dem Album nicht abzusprechen. Und doch: Etwas wahrhaft Neues bekommt man eigentlich nicht. Das Kaufargument besteht indes in der Besetzungsliste dieses Projektes.

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Splandit – Trials And Tribulations – O.F.H. Bazement Recordz 2012

Von Matthias Bosenick (17.05.2012)

Druckfrisch brachten Splandit am 12. Mai ihr neues Album zum Silver Club mit, den zweiten Auftritt des Trios in der Braunschweiger Wahlheimat nach der durch den Auslandsaufenthalt eines der Musiker bedingten Pause. Splandit sind etwas ganz Besonderes: Packo, Obst und Mojo sehen aus wie eine Mischung aus Hiphoper und NuMetaller, machen aber eine Musik zwischen Punk und Reggae, und das akustisch, mit Akustikgitarre, Akustikbass und Cajón. Mehr brauchen sie einfach nicht. Dazu erfinden sie Melodien, die sofort ins Ohr gehen und gute Laune verbreiten, besonders dann, wenn sie sie mehrstimmig vortragen. Alles in allem befeuern sie mit dieser Mischung beinahe jedes Publikum. Selbst der, der vorher sagt, dass er keine Lust auf Ska hat, kann bei einem Livekonzert der drei seine Beine und auch den ganzen Rest nicht stillhalten. Dabei erwecken die Bierkrüge auf dem Cover des neuen Albums einen leicht falschen Eindruck: In ihren auf Englisch verfassten Texten behandelten Splandit schon immer gesellschaftliche und politische Themen. Auch auf dem selbstgebastelten Digipak findet man Hinweise darauf, etwa mit dem „Kill Your TV“-Logo oder dem auch auf den Vorgängern untergebrachten Hinweis, von dem Album so viele Kopien machen zu dürfen, wie man möchte, aber den Musikern Respekt zu zollen. Und der gebührt ihnen fraglos.

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Killing Joke – MMXII – Spinefarm Records 2012

Von Matthias Bosenick (30.04.2012)

Alles beim Alten und doch kein Stück überflüssig: „MMXII“ klingt wie eine Mischung aus Killing Joke 1986 und 1996, also wie 1991. Und das ist das Erstaunliche: „MMXII“ könnte direkt nach „Extremities, Dirt And Various Repressed Emotions“ herausgekommen sein, obwohl außer Chef Jaz Coleman lediglich Geordie an beiden Alben beteiligt war. Mit „Extremities“ eint „MMXII“ die harte, depressiv-aggressive Stimmung und den Sound zwischen Keyboards und Metal-Gitarren. Sehr häufig klingt der Bass nach dem des verstorbenen Paul Raven, der auf „Extremities“ zu hören war. Auch die Akkorde erinnern oft an das Album.

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